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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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44
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I

liche Verbeſſerung im Perſonenverkehr die Verzinſung auch nur umein armſeliges Viertelprozent zu heben, ſo würde das ſchon über25 Millionen Mark jährlich Mehrüberſchuſſ ausmachen.

Auf den Schultern der deutſchen Eiſenbahnminiſter und Direk-toren ruht eine ungeheure politiſche und volkswirtſchaftliche Verant-wortlichkeit. Über 10 Milliarden Vermögen haben ſie zum Beſtendes Volkes zu verwalten, und was geſchieht? Derſelbe Perſonen-tarif, der ſeit den Tagen der Väter und Großväter beſteht, der ſchonals Meilentarif zu des alten Fritz Zeiten genau ebenſo herrſchte, jaſchon unter dem Großen Kurfürſten, wird wie ein Heiligtum bewahrt,und trotz allen Vergünſtigungen wagt man nicht, ihm offen zu Leibezu gehen, ihm, der Wurzel des ganzen Eiſenbahnelends. Iſt etwadie Verantwortung des Unterlaſſens einer heilſamen Reformleichter als die des Anordnens einer jetzt nicht mehr zweifelhaftenReform, wie der Zonentarif ſie iſt?!

Die Sache wird noch viel toller, wenn man Koſten undLeiſtungen der jetzigen Betriebsmittel mit einander vergleicht.

Da ſind zuerſt die Lokomotiven. Sämtliche 13 107 deutſcheLokomotiven haben im Jahr 289 733 399 Fahr⸗Kilometer geleiſtet! Aufjede Lokomotive kommt alſo die Zahl von rund 20 000 km jährlich,d. h. in 24 Stunden knapp 60 km, ungefähr ſo viel wie ein rüſtigerWandersmann in 1415 Sommerſtunden zurücklegen kann! In dieſerWeiſe wirtſchaften die deutſchen Eiſenbahnverwaltungen, mit einemBetriebsmaterial, welches 588 Millionen wert iſt!

Viel ſchlimmer ſteht es mit derAusnutzung der Perſonen-wagen. Ein jeder Perſonenwagen fährt jährlich nur rund 14000 km,d. h. in 24 Stunden ungefähr 40 km, alſo ungefähr den ſechsten Teildeſſen, was jede Poſtkutſche in 24 Stunden leiſten kann! Eindeutſcher Perſonenwagen fährt täglich von 24 Stundennur eine!

Und man vergeſſe nicht: die Abnutzung der Lokomotiven wie derWaggons durch Wind und Wetter gehen ihren Gang auch währendder Zeit, in der ſie unbenutzt daſtehen. Unbenutzt aber ſtehen ſie denallergrößten Teil des Tages da!

Noch viel dringender aber muſſ der Ruf nach ſchleunigſter Reformerſchallen angeſichts der kläglichenAusnutzung der Perſonenwagenbezüglich der Beſetzung. 1 041 500 Plätze ſind vorhanden. Willman wiſſen, wie dieſe Plätze ausgenutzt worden ſind? Jeder Platzwird durchſchnittlich knapp einmal im Tage beſetzt! Im Durchſchnittaller Klaſſen und Zuggattungen waren von 100 vorhandenenPlätzen eines Zuges nur 2421% beſetzt, d. h. nicht dervierte Teil!

Man glaube auch nicht, daſſ etwa die jämmerliche Ausnutzungder I. Klaſſe allein weſentlich Schuld daran hat. Die klägliche Aus-nutzung verteilt ſich auf ſämtliche Klaſſen, wenn auch allerdings mit