die Selbſtkoſten der Verwaltung pro Transporteinheit; je leerer,deſto höher!
Die Vertreter des Schlendrians in den Eiſenbahnverwaltungenſtellen ſich nun bei der Betrachtung des Verhältniſſes zwiſchen Selbſt-koſten und Tarifen immer auf folgenden poſſirlichen Standpunkt. Sieſehen den augenblicklichen Tarif ſo an, als ſei er etwas unabänder-liches, wie eine Naturkraft gleich dem Dampf. Und ſie ſehen deshalbauch die unmittelbare ſchlimme Folge ihres Tarifs: die erbärmliche„Ausnutzung“, als einen ebenſo unabänderlichen Faktor an, wie etwadie Weltmarktkoſten der Lokomotiven, des Rüböls oder der Steinkohlen.Sie ahnen in ihrer durch regelmäßige Freibillets großgezogenenNaivetät gar nicht, daſſ ſie ja die„Selbſtkoſten“ bis zu einem gewiſſenGrade vollkommen in ihrer Gewalt haben, daſſ ſie ſie vermehren odervermindern können durch die Anwendung eines zweckmäßigenTarifs, nämlich eines ſolchen, der das Anwachſen der Transport-mengen am wenigſten hindert.
Die„Selbſtkoſten“ der Transporteinheit nehmen alſo ab mitden wachſenden Transportmengen. Die Selbſtkoſten der geſamtenTransportmenge wachſen allerdings beim Wachſen der Menge, aber ſiewachſen in einem langſameren Tempo. Ein vortreffliches Beiſpielliefert Herr Schreiber, öſterreichiſcher Eiſenbahn⸗Zentralinſpektor, inſeinem Buche:„Das Tarifweſen der Eiſenbahnen“(Seite 42):
Es betrug im Jahre 1869 pro Bahnmeile:
Die Transport⸗ Ausgabe. Ausgabe pro Ctr.menge. der Nettolaſt.Ctr. Thlr. Pf.bei der preußiſchen Oſtbahhn. 5 370 000 24 087 1,61„„ Niederſchl. Märk. Bahn 15437 000 47 661 1,12„„ Köln⸗Mindener Bahn 19270 000 54 079 1,01
Alſo der größeren Transportmenge ſteht auch eine größere abſoluteAusgabe gegenüber, aber keine in gleichem Verhältnis gewachſene, denndie Ausgabe pro Einheit ſchwankt zwiſchen 1. Pf. und 1% Pf.—Im ganzen heißt es alſo bei der Eiſenbahn, wie überall im Geſchäft:die Menge muſſ es bringen.
Die Eiſenbahnverwaltungen erheben einen unſinnig hohen Tarif.Wie unſinnig er iſt, ſehen ſie nicht ein; denn einen gewiſſen dürftigenVerkehr haben ſie ja trotzdem immer, weil doch eine kleine AnzahlMenſchen immer reiſen muſſ. Inſtinktiv fühlen ſie, daſſ ſie denTarif nicht erhöhen dürfen, ohne noch ſchlechtere Geſchäfte zu machen.Das andere Mittel aber, den Tarif zu ermäßigen, haben ſie imPerſonenverkehr wenigſtens bis 1889 niemals probirt! Dennochſprechen ſie von„Selbſtkoſten“ wie von einem Naturgeſetz.
Die Frage der Selbſtkoſten bei den Eiſenbahnen läſſt ſich etwamit den Koſten eines Buchverlegers vergleichen. Man kann nicht