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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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wieder wird man durch Gründe der Logik oder der praktiſchen Er-wägung zum Einheitstarif gezwungen, ſei es zum völligen Einheits-tarif, ſei es zu dem mit einem ſtarken ſtets gleichbleibenden Tarifbe-ſtandteil als Grundtaxe: alſo Zonentarif.

Dieſelben Erwägungen ſind es geweſen, welche ſeinerzeit Rowland Hill dazu geführt haben, das Einheitsporto für alle Briefe innerhalbEnglands vorzuſchlagen. Er wies nach, daſſ der allergrößte Teil derAusgaben der Poſtverwaltung nicht abhängig ſei von der Länge oderder Menge des Verkehrs. Deshalb ſchlug er verſtändigerweiſe vor,von einer peinlich genauen Tarifirung überhaupt abzuſtehen und einenEinheitstarif zu wählen. Ob dieſer Einheitstarif gerade 1 Pennyſein müſſe, ließ ſich damals nicht ſagen, und das hat auch Rowland Hill nicht geſagt. Die Höhe des Tarifs muſſ verſuchsweiſe ge-funden und durch die Praxis erprobt werden..

Die Eiſenbahnverwaltungen argumentiren nun endlich, wenn manſie in die Enge treibt, ſo:Die Selbſtkoſten der Perſonenzüge ſindhoch, denn ſie bringen wenig ein; ihre Ausnutzung beträgt nur24% der Plätze, wir müſſen alſo 76% der Tara nutzlos ſchleppen,müſſen ſie alſo auf die 24% mit hinüberwälzen. Auf dieſen Un-ſinn iſt zu erwidern: Ihr laſſt euch alſo von den Fahrenden be-zahlen für die, welche nicht fahren, entweder weil ſie nicht fahrenwollen oder nicht fahren können. Das wäre gerechtfertigt, wenn ihralle Verſuche erſchöpft hättet, alle diejenigen heranzuziehen, welche gernfahren wollen. So lange aber von den jetzt Nichtfahrenden ein großerTeil nur deshalb nicht fährt, weil ihr zu hohe Fahrgelder verlangt,ſo lange behaupte ich: die jetzt Fahrenden müſſen bezahlen für denMangel der Einſicht in den Eiſenbahnverwaltungen, der die Reiſe-luſtigen durch den Verſcheuchungstarif verhindert, die relativen Selbſt-koſten durch reichlichere Ausnutzung der Betriebsmittel zu vermindern.Ließen ſich die Beherrſcher der Schreibſtuben, jene ehemaligen Aſſeſſoren,die ſichEiſenbahnfachleute nennen, durch wirkliche Fachleute belehren,ſo brauchten ſie nur zu leſen, was der größten Fachleute einer geſagthat, Robert Stephenſon (1856):Nichts iſt ſo vorteilhaft wie derTransport von Perſonen, weil nichts ſo billig transportirt wird.Der Güterverkehr muſſ ſchon deshalb koſtſpieliger ſein, weil die Güterein⸗ und ausgeladen, angenommen und abgeliefert werden müſſen,während die Paſſagiere alles derartige ſelbſt beſorgen. Es ſolltendaher alle Eiſenbahnverwaltungen ſich bemühen, demPerſonenverkehr möglichſt viele Einrichtungen zu ge-währen, um ihn ſo viel wie möglich zu entwickeln unddaraus eine möglichſt große Einnahmen zu ziehen.

Von dem jetzigen Zuſtande aber, der durch eine zu geringe Aus-nutzung die relativen Selbſtkoſten ſo ungeheuer hoch ſtellt, hat einandrer Eiſenbahnfachmann erſten Ranges, Weber, den die Büreau-

ſchreiber nicht haben aufkommen laſſen, geurteilt:Das Ungenügende