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Gladſtone einen ganz billigen Einheitstarif empfahl. 1864 tratdann Galt abermals mit einer größeren Schrift„Eiſenbahnreform“auf, die in neuer Bearbeitung 1868 erſchien und eine eingehende Be-gründung der Notwendigkeit, Möglichkeit und Nützlichkeit des billigenZonentarifs enthielt. Dieſe Schrift erregte nicht nur in England,ſondern in ganz Europa , beſonders auch in Deutſchland allgemeineAufmerkſamkeit und wurde in den Fachzeitſchriften, aber auch in denpolitiſchen Blättern eifrig beſprochen. Durch Galt angeregt, ließ ſichnun auch Brandon noch in demſelben Jahre wieder vernehmen: ſeineSchrift„Eiſenbahnen und Publikum“ verlangte nachdrücklich ein Ein-heitsporto. Auch ſie wurde überall in der Preſſe beſprochen und ver-anlaſſte z. B. die„Gartenlaube“(1868 Nr. 46) zu einem ſchwung-vollen, noch heute recht lesbaren Aufſatz, worin es u. a. heißt:„Wirſehen keinen Grund, der eine Verwirklichung der Idee in anderenverkehrsreichen Ländern, ſpeziell auf unſeren deutſchen Eiſenbahnenausſchlöſſe. Unbedenklich behaupten wir vielmehr, Brandons Planiſt der Kern des Eiſenbahnweſens der Zukunft. — Werkann uns widerlegen, wenn wir in Brandon den Rowland Hill derEiſenbahn weiſſagen?“*)
Dann erſt, nachdem ihm allein in dem einen Jahre 1868 zweiEngländer und die Stimmen der Preſſe, darunter das damals bekannteſteund größte deutſche Blatt vorangegangen, trat 1869, alſo ein Jahrſpäter, Franz Perrot auf, mit einer kleinen anonymen Broſchüre:„Die Reform des Eiſenbahntarifweſens im Sinne des Perſonen-portos“, in der er genau wie Galt, Brandon und die„Gartenlaube“die Anwendung der Grundſätze Hills auch auf den Perſonenverkehrforderte. Seine Schrift enthielt nicht das mindeſte Eigene oder Neue,wenn man es nicht mit Recht eigen und neu nennen will, daſſ Perrotin dieſer Schrift wie in einigen andern bis zum Jahre 1872 vonihm über dieſelbe Frage veröffentlichten hartnäckig ſeine ſämt-lichen Vorgänger totſchwieg. Perrots Ausführungen ſind injeder Beziehung inhaltlich ein Abklatſch und Auszug der Schriften oderder Gedanken Brandons und Galts, der darüber erſchienenen Preſſ-beſprechungen und jenes Gartenlaubenaufſatzes. Dabei iſt wohl zubedenken: Perrot war nach ſeinem eigenen Eingeſtändnis ſchon ſeit1864 mit dem eifrigen Studium des Eiſenbahnweſens beſchäftigt undſchriftſtelleriſch tätig; er war überdies Direktionsbeamter einer großendeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft und hat ſelbſtverſtändlich ebenſo undnoch genauer als alle Welt von den Schriften ſeiner Vorgänger ſelbſtoder von ihrem weſentlichſten Inhalt durch die Fach⸗ und politiſchePreſſe ſowie von jenem Aufſehen erregenden Aufſatz der„Garten-laube“ Kenntnis gehabt. Und dieſer ſelbe unverfrorene Aneigner
*) In der„Gartenlaube“ erſchien ſpäter noch einmal(1882) ein vor-trefflicher Aufſatz ähnlicher Art von Max Karfunkel.