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Im einzelnen bemerke ich zu den Erſparniſſen, die durch meineVorſchläge herbeigeführt werden und ohne welche jeder Zonen-tarif nur Stückwerk iſt, folgendes.— Abgeſchafft werdendadurch ſofort ſämtliche Schaffner, und ihre Gehälter—viele Millionen— werden erſpart. Gleichviel ob man„Schaff-ner“ ableitet davon, daſſ ſie nichts zu ſchaffen haben, oderdaſſ ſie abgeſchafft werden müſſen, überflüſſig werden ſie an demTage, wann der ganz einfache, nicht der ungariſche oder öſter-reichiſche, Zonentarif eingeführt wird. Ein Unterbeamter jedes Bahn-hofs iſt im Stande, die Billetkontrolle wirkſam vorzunehmen, gerade ſo,wie das ſchon jetzt auf der Berliner Stadtbahn zur vollen Zufrieden-heit der Verwaltung und der Reiſenden geſchieht. Ein Zug auf derBerliner Stadtbahn mit ihrem gewaltigen Verkehr kennt gar keineSchaffner, und—„es geht auch ſo.“ Im Fernverkehr würde esebenſo gut gehen, wenn jeder Wagen die Zielbezeichnung lesbartrüge, jede Tür bequem zu öffnen und zu ſchließen wäre, jedeStation an jedem Punkte wo der Zug hält von jedem Reiſenden voneinem Brett abgeleſen werden könnte.
Das Publikum iſt durchaus kein unmündiges Waiſenknäblein,welches geſchoben und gehoben werden muſſ. Speziell das deutſchePublikum iſt nicht dümmer und ungeſchickter als das engliſche und eswird ſich eben ſo gut wie das engliſche in die Abſchaffung der Schaffnerzu finden wiſſen, wenn man nur dafür ſorgt, die Schaffner durchPlakate zu erſetzen. Das deutſche Publikum iſt allerdings künſtlichunmündig und hilflos gemacht worden durch die Bevormundung undBemutterung ſeitens der Schaffner . Es wird alles das ſelber leiſten,was jetzt die Schaffner leiſten, und wird dem Staate, d. h. alſo ſichſelbſt, mehrere Dutzend Millionen M. jährlich erſparen.
Abgeſchafft werden ferner ſofort ſämtliche Gepäck-expedienten mit den Glaskäſten, in denen ſie hauſen und ausdenen heraus ſie den Reiſenden ihre unerhörten Rechnungen für dieBeförderung eines Koffers entgegenſtrecken. Ein gewöhnlicher Arbeits-mann oder Sackträger vermag, nach dem von mir auf S. 70 be-ſchriebenen Syſtem, jedes Gepäck nach jeder Station zu„expediren.“Ein Fachmann erſten Ranges hat mir berechnet, wie groß durch meinSyſtem die Erſparnis allein für die vereinfachte Gepäck-expedition für die eine Station Köln werden würde. Hier ſeinBrief im Auszuge:
1 a) Es würde durch die von Ihnen beſchriebene Einrichtung der Ge-päckannahme die ganze Expedition in Fortfall kommen. Dadurch würdegeſpart pro Freigepäck⸗Expedition 4,8 Minuten und pro berechnete Expedition6 Minuten für einen Expedienten. Auf je 2 berechnete Expeditionen kommtdurchſchnittlich eine Freigepäck⸗Expedition; die Expedition koſtet alſo durch-ſchnittlich 5,s Minuten, was bei einem täglichen Lohnſatze von 5 M. ergebenwürde 4,8 Pfg. Hierzu iſt zu rechnen für Material rund 0 Pfg., alſozuſammen 5 Pfg. Die Eintragung der Beſtimmungsſtation in die Scheine,