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verhält wie 37:50, und Ddas engliſche Eiſenbahnnetz’ z zum deutſchen wie 31 670:40 000!
Aber überhaupt: Defizit gegen Defizit! Das Gelddefizit, welchesſchlimmſten Falles entſtehen kann, läſſt ſich faſt auf Heller und Pfennignachrechnen. Aber ſeid auch nicht blind gegen das ungeheure latenteDefizit an Nationalwohlſtand, welches jetzt von Jahr zu Jahr entſtehtdadurch, daſſ der größte Teil der Nation durch euren unvernünftighohen Tarif überhaupt an der Benutzung der Eiſenbahn verhindertwird! Es iſt in der Wirkung vollkommen gleichgiltig, ob man dasReiſen durch einen zu hohen Fahrpreis oder durch eine ſchlechte Bau-art der Lokomotiven erſchwert. Jede Herabſetzung des Tarifs kommtin ihrer volkswirtſchaftlichen Wirkung einer Verbeſſerung des Verkehrs-mittels ſelber gleich.
In der 1. Auflage dieſes Buches hatte ich mir noch Mühe gebenmüſſen mit dem Rechnungsnachweiſe, daſſ mit meinem Zonentarif-Vorſchlag ſelbſt dann keine finanzielle Gefahr verbunden ſei, wennkeine Verkehrsſteigerung eintreten ſollte. Damals war ich zu einemſolchen Nachweiſe gezwungen, weil ich aus der Litteratur wuſſte, be-ſonders aus Hertzkas koſtbarer Sammlung von Sprüchen der Weisheit„hervorragendſter Fachleute,“ daſſ es Eiſenbahndirektoren gäbe, die aneine Verkehrsſteigerung durch einen noch ſo billigen Zonentarif nichtglaubten. Ihr ſogenannter„Gedanken“⸗Gang war(ipsissimis verbis!)
dieſer:„Wir bezahlen unſere Billets niemals und fahren nur ungern,—
folglich wird auch das Publikum durch billigſte Fahrpreiſe ſich nichtzu häufigerer Benutzung der Eiſenbahnen verlocken laſſen.“— UndLeute mit ſolcher Gehirnſubſtanz verwalten Tauſende von Kilometernöffentlicher Straßen; und mit Leuten ſolchen Kalibers muſſten Hertzkaund ich uns herumſchlagen!
Der Zonentarif in Ungarn , obgleich nicht ſo billig wie meiner,und ſelbſt der noch viel zu teure Kreuzer⸗Zonentarif in Oeſterreich haben jetzt erſt für alle Welt mit vier bis fünf geſunden Sinnen—ich hoffe, auch für die meiſten Eiſenbahndirektoren— den Beweiserbracht: ein verbilligter Tarif erzeugt vermehrten Verkehr und zwareinen ſo ſtark vermehrten Verkehr, daſſ der Ausfall an den einzelnenReiſenden durch den Mehrgewinn an der wachſenden Menge gedeckt wird.
Trotzdem bleibe ich dabei, daſſ die Verkehrszunahme zwar ſehrwünſchenswert iſt, um einen Mehrgewinn zu erzielen, nicht abernotwendig, um einen billigen Zonentarif zu rechtfertigen. Das Rechnungs-beiſpiel der bayriſchen Staatsbahnverwaltung genügt mir vollkommenzum Beweiſe: mein Zonentarif erzeugt bei gleichbleibendem Verkehrnur einen ſo geringen Ausfall, daſſ die von mir vorgeſchlagenen Er-ſpaxniſſe, die in dem Syſtem des Zonentarifs ſelbſt wurzeln, unddie unausbleiblichen Verſchiebungen in der Klaſſenbenutzungund in der Wegelänge hinreichen, jeden Ausfall zu decken.