Buch 
Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
Entstehung
Seite
122
JPEG-Download
 

1

alſo für 201 km müſſen 250 km bezahlt werden. Bei Androhungſtrafrechtlicher Verfolgung(wegen Betruges?]) iſt es unter-ſagt, ſich eine Reiſe zu verbilligen, indem man z. B. beim200. km ausſteigt und ſich für die Reiſe bis zum 209 km ein Billet1. Zone zulöſt. Es iſt abzuwarten, ob ein Richter in Oeſterreich ſichbereit finden wird, dieſen Unſinn durch eine Verurteilung wegen Be-truges zu bekräftigen.

Sämtliche Fahrtermäßigungen für Rückfahrtkarten, Rundreiſen unddergl. ſind abgeſchafft. Dagegen iſt hinzugekommen der unerhörteAufſchlag von 50% für die ſogenanntenSchnellzüge! Vergleichtman die Preiſe des jetzigen Kreuzerzonentarifs für Schnellzüge mitdenen für Rückfahrtkarten von früher, ſo ergibt ſich, daſſ für zahlreicheEntfernungen jetzt Verteurungen, beſonders im Fernverkehr, einge-treten ſind! Dazu kommt das früher bis zu 25 k freie, jetzt ſoteure Gepäck. Alles in allem muſſ man alſo ſagen: der öſterrei-chiſche Kreuzerzonentarif iſt ein faſt durchweg verfehlter.Er iſt die Verpfuſchung und Verballhornung eines guten Gedankens,den Andere den öſterreichiſchen Staats⸗Eiſenbahnleitern vorgedacht.

Das Einzige, was außer der Beſeitigung des Ausnahmetarifrattenkönigs dem Kreuzerzonentarif nachzurühmen, iſt ſeine Billigkeitfür gewiſſe Reiſeziele des Nahverkehrs. Dieſem Umſtand, undihm allein, iſt es zuzuſchreiben, daſſ er nicht zu Verluſten, ſondern ſo-gar noch zu Steigerungen der Einnahme geführt hat, jedenfalls aberzu einer ſehr bemerkenswerten Verkehrsſteigerung. Der Segeneines einfachen Zonentarifs iſt ſo unzerſtörbar, daſſ er ſelbſt in denplumpeſten Händen der Hüter der Eiſenbahnchikane noch mehr Gutesals Böſes ſtiftet. Die Zahl der Reiſenden hat ſich auf den öſter-reichiſchen Staatsbahnen unter dem Zonentarif in den erſten 2 ½Monaten vermehrt von 6343 072 auf 9276460, alſo um 2933 388Perſonen, mithin um 68%, immerhin keine ganz geringe Steigerung,aber nicht zu vergleichen mit der durch einen verſtändigeren, billigerenZonentarif in Ungarn erzielten Steigerung von 300%, Inden 2 erſten Vollmonaten des Zonentarifs Juli und Auguſt 1890wurde eine Mehreinnahme gegen 1889 erzielt von zuſammen79017 G., auch nicht zu verachten, aber doch recht kümmerlich gegen-über der Mehreinnahme in den erſten 2 Monaten des ungariſchenZonentarifs: 488 935 G. Oeſterreich hat ſich wieder einmal vonUngarn überflügeln laſſen.

Aus dem Vorangegangenen folgen für Jedermann und ichhabe die Hoffnung noch nicht aufgegeben: auch für die deutſchenEiſenbahnverwaltungen ein paar ſehr einfache Wahrheiten, die zu-beherzigen nun endlich Zeit wird. Ein Zonentarif, ſelbſt ein ſoſchlechter wie der öſterreichiſche, ſchafft ſofort eine Klarheit und Ver-