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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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Jetzt werden wir Oeſterreich, Ungarn und anderen Ländern wahr-ſcheinlich einen ähnlichen Vorſprung im Perſonenverkehr laſſen.

7).Der Zonentarif kommt doch überwiegend dem Vergnügungsverkehr zu Gute.

Angenommen, dieſer Unſinn wäre wahr, hättet gerade ihrFach-männer das geringſte Recht, deshalb gegen den Zonentarif zueifern? Faſt Alles, was ihr an Tarif⸗Quackſalberei und ⸗Pfuſchereibis jetzt geleiſtet habt, war ja gerade dazu beſtimmt, den Vergnü-gungsverkehr zu begünſtigen. Um die wirtſchaftlich wichtigſtenReiſen, inſonderheit um die große Klaſſe der geſchäftlichen Berufs-reiſenden haben ſich dieFachmänner ihr Lebtag nicht bekümmert.Der ganze bunte Firlefanz der Ausnahmebillets, der Sommer⸗, Saiſon⸗,Bade⸗, Rundreiſebillets u. ſ. w. u. ſ. w., wem anders dient er undſoll er dienen als den Vergnüglingen? Und dann kommen dieſeſelbenFachmänner und fahren mit ihren Balken auf den nicht ein-mal vorhandenen Splitter des Zonentarifs los.

8)Der ungariſche und nun gar der öſterreichiſche Zonen-tarif ſind ja gar nicht ſo winzig billig; es gibt ja ſogar manche Ent-fernungen, die man in Deutſchland ſchon jetzt billiger zurücklegt.

Wer hat denn ſchon jemals behauptet, daſſ der ungariſche undder öſterreichiſche Zonentarif Muſtertarife ſind? Sie ſind von Staats-männern erdacht, aber vonFachmännern ausgeführt worden! Aberwer hindert euch denn, ihr deutſchenFachmänner, wenn ihr nunmal an eine gründliche Reform gehen wollt, Beſſeres zu machenals das ungariſche Stückwerk und die öſterreichiſche Pfuſcherei? Ueber-laſſt doch gefälligſt den Ungarn und den Oeſterreichern die Sorge, mitihren Eiſenbahnverwaltungen und deren Tarifen fertig zu werden,und gebt uns doch die beſſeren Tarife, die ihr augenſcheinlich in derTaſche habt, da ihr euch zu Richtern der fremden Tarife aufwerft.

9)Eine große Verbilligung der Tarife wird das Zuſtrömender ländlichen Bevölkerung in die Städte, beſonders in die Großſtädte,und die Entblößung des Oſtens von ländlichen Arbeitern noch mehrbefördern.

Auf die Dauer hindern könnt ihr dieſe angebliche Gefahr jadurch kein Mittel. Wie wäre es aber, wenn ihr durch ganz billigeTarife im Nahverkehr und beſonders auch durch möglichſte Steigerungder Geſchwindigkeit der Vorortzüge es der ärmeren Bevölkerung derGroßſtädte möglich machtet, auf dem Lande in eigenen Häuschen zuwohnen, aber in der Stadt zu arbeiten, ohne unerſchwingliche Opferan Geld und Zeit? Ihr ſolltet einmal ſehen, wie ſchnell ſich dieGroßſtädte dann entleeren würden!

Die Redensart:Der Arbeiter wird doch nicht aus der Groß-ſtadt hinausgehen, iſt eben nur eine Redensart. Der Arbeiter iſtdurchaus kein Dummkopf, und er wählt, wenn ihm das Beſſere ge-boten wird, nicht eigenſinnig das Schlechtere. Er geht jetzt nicht aus

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