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Der Zonentarif : neubearbeitete Volksausgabe der "Eisenbahnreform" / von Eduard Engel
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langt für 26 km das Doppelte deſſen, was für 25 km bezahlt wird,für 51 km das Doppelte des Preiſes für 50 km.

Solchen Einwand erheben dieſelbenFachmänner, welche jetztſchon ſeit Jahren ruhig zuſehen, wie unter Umſtänden, mit Rundreiſe-billets, 500 km mehr koſten, als 600 km; 80 km mehr, als100 km mit Rückfahrtkarten; 11 k Gepäck doppelt ſoviel wie 10 k.O ewige Wahrheit vom Splitter und Balken! Aber das ſind die-ſelbenFachmänner, deren Verſtändnis für Verkehrsdinge nicht ein-mal ſo weit reicht, daſſ ſie die ſeit einem Menſchenalter beſtehenden,Jedem geläufigen Verkehrseinrichtungen auf allen anderen Gebietenmit denſelbenUngerechtigkeiten überſehen. Kein Menſch wird esungerecht finden, daſſ irgendwo eine Grenze gezogen werden muſſ,vorausgeſetzt daſſ eben die Fahrpreiſe für alle Entfernungen billigſind! Und wer in Zukunft für 26 km 50 Pf. zahlen muſſ, währendſein Mitreiſender für 25 km nur 25 Pf. zahlt, der tröſtet ſich damit,daſſ er früher für 26 km 1 M. 10 Pf. hat zahlen müſſen und miteinem Rückfahrtbillet 80 Pf. Und wer gar ſo kindiſch⸗neidiſch ſeinſollte, es als eineUngerechtigkeit zu empfinden, daſſ er für 50 Pf.nur 50 km fahren darf, während ein Anderer für 1 M. 500 km.fahren darf, der verdiente, zumFachmann erſter Klaſſe mit zweiZöpfen und dem Großkreuz des Ordens vom heiligen Schlendrianernannt zu werden, denn nur die allerärgſtenFachmänner kommenauf ſolche Gedanken, das Publikum nicht. Das Publikum beneidetNiemanden um die 500 km, im Gegenteil! Das Publikum weißüberdies, woranFachmänner nicht denken, daſſ es mit anderenTransportdingen ganz ebenſo iſt: ein Brief von 15; koſtet 10 Pf.,einer von 15 ¼ g 20 Pf.! Und nach dem Ausland gar 20 und40 Pf. 250 g kann man als Brief für 20 Pf. verſenden, 251 gkoſten als Packet mit Beſtellgeld 65 Pf.! Ein Packet von 5 k koſtetz. B. von Berlin nach Memel 50 Pf., eins von 10 k koſtet aufdieſelbe Entfernung 2 M.! Die falſchenFachmänner ſollten demverſtändigen Publikum doch nicht ihre ſpaßigen Auffaſſungen von Ver-kehrsdingen unterſchieben.

6).Hübſch vorſichtig und behutſam!

Noch vorſichtiger und noch behutſamer?! Ich dächte, 54 Jahrewären eine recht vorſichtig und behutſam bemeſſene Friſt für eineReform, und 54 Jahre habt ihr euch jetzt in Deutſchland Zeit ge-laſſen. Und wie lange wollt ihr denn noch warten, um die Lehrenaus Ungarn u. ſ. w. zu beherzigen? Ihr habt ja ſeiner Zeit auchEngland einen Vorſprung von 10 Jahren, von 1828 bis 1837, ge-laſſen, ehe ihr ihm denfaulen Schwindel der Eiſenbahnen nach-machtet. Und auch in der Ausbeutung des billigen Briefportos, jenesvollkommen verrückten Plans, haben wir Deutſchen den Engländerneinen Vorſprung von 27 Jahren, von 1840 bis 1867, gelaſſen.