184 Das dritte Capitel,
gerechnet. Er glaubte, es ſey dieſes Petrefact ein Theil von einem Nautilus, welcher Mey,nung wohl ſchwerlich jemand beypflichten wird. Alle ubrigen ſind daher zu den Muſchelgeſchlech-tern gerathen, um unter ihnen etwas den Trilobiten aͤhnliches ausfuͤndig zu machen. Da nundie Muſcheln entweder ein oder zwey- oder vielſchaligt ſind, ſo hat es auch keiner Claſſe an Ver,theidigern gefehlet. Zu den einſchaligen hat unſern Trilobiten Scheuchzer gerechnet und ge-muthmaſet, ob es nicht vielleicht eine Patellitenart ſeyn duͤrfte, welcher Meynung neuerer Zeitder gelehrte Hr. Prof. Zeno 80) zu Prag beygetreten. Die mehreſten haben es hier mit denzweyſchaligen Muſcheln gehalten. Verſchiedene darunter haben die Schwanzklappen des Trilo-biten, ehe ſie ihn noch recht kannten, nicht fuͤr einen Theil des ganzen, ſondern fuͤr das Ganze,namlich fuͤr eine vollſtaͤndige Schale, und zwar fuͤr die eine vollſtaͤndige Halfte einer zweyſchali-gen Miſchel angeſehen, weil eine ſolche Schwanzklappe, wenn ſie, zumal wie viele, einenhalben Cirkel beſchreibt, in ihrem Umriß einige Aenlichkeit mit einer Muſchel hat. SchonHerrmann 81) iſt dieſer Meynung geweſen, und hat daher dieſe Schwanzklappe einen pe-ctunculitam trilobatum genennet. Hr. Woltersdorf 82. ſetzt dieſelbe auch unter die zweyſchalige Muſcheln, welches auch von einem Ungenannten in dem Berliniſchen Magazin 83.)geſchehen. Einige, die dieſer Meynung ſind, und die die ganze Schale des Trilobiten kennen,behaupten, man koͤnne ihme das Buͤrgerrecht im Reiche der Conchylien deswegen nicht ſtreitigmachen, weil er, wie alle andere Muſcheln ſeinen fleiſchigten Körper ganz unter die Schaleverbergen, ſich auf und zuthun könne, was an andern Muſcheln das Schloß, das ſey hierder gegliederte Ruͤcken. Neuerer Zeit haben einige Naturfovſcher angefangen, das Originaldieſes Petrefacts unter den vielſchaaligen Muſcheln aufzuſuchen. Unter ſolchen giebt es ein ge—wiſſes Geſchlecht ſo, wie der Chiton, eine aus Ringen zuſammengeſetzte Schale, unten aber,wie die Patelliten, keine Schale hat, an Klippen ſich feſt ſetzt, und, wenn man ſothanes Thierherunter reißt, ſich, wie die Trilobiten, zuſammen zieht. Es hat verſchiedene Namen und wirdvom Ritter Linne Chiton, von andern Oſcabrion, die Seelaus, Walliſchlaus, pediculusmarinus u. ſ. w. genennet. Dieſes vielſchalige Thier nun, ſoll, nach einiger Meynung, einGeſchlecht ſeyn, zu welchem vielleicht das Original unſrer Trilobiten als eine Geſchlechts ⸗Gat—tung gehoͤret. Zwey gelehrte Naturforſcher pflichten dieſer Meynung bey, der rine iſt der Pa—ter Torrubia 84.), der andere iſt mein gelehrter Freund, Hr. Probſt Genzmer zu Stargard,mit dem ich uͤber unſre Trilobiten einen dreyjaͤhrigen mir lehrreichen Briefwechſel gefuͤhret. DerPater Torrubia ſagt, er habe anfangs dieſen Trilobiten fuͤr eine Gattung von See,Krebſengehalten, nachhero aber, nachdem er aus Rumphens amboiniſcher Raritaͤten-Cammer, waslimax marina ſey, kennen lernen, ſey er anderes Sinnes worden, und halte ſich nunmehrouͤberzeugt, daß eben dieſe limax das Original unſers Trilobiten ſey.
Endlich
80.) in der Abhandlung von Verſteinerungen und Foßilien, welche bey Prag gefunden werden, S. 1555 8 Genzmer hat in den Lauſitz. Arb. B. III. S. 184. 5 auch dieſe Vermuthunggeaͤuſert.
91.) Maslograph. S. 214. vergl. mit Taf. IX. 50.82.) im Mineralſyſtem, S. 42.
83.) im vierten Band S. 54. Die daſelbſt befindliche ſchoͤn geſchriebene Abhandl„
5 ſchrift: Beſchreibung einiger Anomiten, und werden zu ſolchen auch at ſo 3Muſcheln, oder unſre Trilobiten gerechnet. Der mir unbekannte Herr V. glaubt S. 53. ichhielte dieſe Trilobiten fuͤr Steinkerne der Ruruphiſchen weiſen Erdbeere, und zwar im erſtenTheil meines Steinreichs, S. 112. Mir iſt dies nie in die Gedanken gekommen. Vielleichthabe ich mich nicht deutlich genug ausgedruckt, denn was ich daſelbſt vom nucleo des quadran-tis fragi albi geſagt, geht nicht auf die Kaͤfer Muſchel, ſondern auf die Trigonellen, als aufwelche ſich die unmittelbar darauffolgenden Worte beziehen.
84.) in ſeiner Raturgeſchichte von Spanien, zu Taf. III. fig. 4.