von den Trilobiten im Reiche der Verſteinerung. 185
Endlich muͤſſen wir noch der dritten Hauptmeynung vom Original der Trilobiten erwaͤh-nen, und das iſt diejenige, welche dieſe weder zu den Inſecten noch zu den Conchylien gerechnetwiſſen wollen. So ſagt Bruckmann, 85.) der Trilobit ſey die Verſteinerung eines See⸗Po-lypen, ohne ſich weiter daruber herauszulaſſen, und andere wollen ihn nach Hrn. InſpectorWilckens 86.) Zeugnis, in das Geſchlecht der Tethyorum oder Spruͤtzlinge verwieſen ha—ben. Was ſie eigentlich vor eine Thierart darunter verſtehen, kan ich nicht agen. Sie wer-den das Original doch nimmermehr unter den molluſois ſuchen, zu welchen der eigentlich ſogenannte Tethys, wie ſattſam bekannt, gehoͤret.
Verſchiedene von dieſen Meynungen haben nicht die geringſte Wahrſcheinlichkeit fuͤr ſich,und es waͤre daher eben ſo leicht, als es uͤberfluͤßig iſt, ſie weitlaͤuftig zu widerlegen. Andere ha—ben mehr Schein der Wahrheit vor ſich und verdienen naͤher gepruͤft zu werden. Alle dieſekommen in der Hauptſache darinnen uͤberein, daß das Original zum Thierreich, und zwar zuden Seethieren gehoren muͤſſe. Auch das geſtehen die Vertheidiger dieſer Meynung zu, daßdas eigentliche wahre Original noch nicht gefunden ſey, weil bis dato unter allen See-Ge—ſchöpfen ſich noch keines ſehen laſſen, das einen in drey Lobos getheilten, und dabey geglieder—ten ſchaligten Ruͤcken haͤtte. Wenn ſie dahero vom Original der Trilobiten reden und davonihre Muthmaſſungen ſagen, ſo wollen ſie nur entweder das Geſchlecht angeben, zu welchemdas dereinſt zu entdeckende Original als eine jetzt noch im natuͤrlichen Zuſtand unbekannte Gat-tung gehören muͤſſe, oder ſie benennen eine Gattung, von welcher der noch unbekannte Korper als ein Analogon, oder als eine Nebengattung, betrachtet werden koͤnne. Hie rinnen kom—men ſie nun wohl insgeſammt uͤberein, darinn aber theilen ſie ſich in zwey Hauptpartheyen,daß einige das noch zu entdeckende Original zu den Conchylien, andere zu den Inſecten ge—rechnet wiſſen wollen. Es wird ſich freylich alsdenn die Sache am beſten entſcheiden laſſen,wenn das Original wird entdecket worden ſeyn, gleichwohl laßt ſich einsweilen zum vorausſchon manches daruͤber ſagen, wenn man die Sache nach den einmal angenommenen und be,ſtimmten Charactern der Claſſen und Geſchlechter im Thierreich beurtheilen will.
Wenn wir uͤberhaupt fragen, ob das Original fuͤglicher zu den Conchylien, oder zu denInſecten zu rechnen, ſo geſtehe ich offenherzig, daß beyde Meynungen gute Gruͤnde vor ſich,beyde aber auch manche Schwierigkeiten wider ſich haben. Die Schale, ſonderlich der Schwanz,klappe, iſt ihrer ganzen Subſtanz und lamelleuſen Teytur nach, vollkommen, wie die Scha-le der Seemuſcheln, und da man bereits unter ihnen welche hat, die einen Krebsſchwanz aͤhn—lichen Rücken haben, wie z. B. die Chitons ſind, da es Conchylien giebt, die nur auf dereinen Seite bedeckt ſind, und mit der andern Seite, wie z. E. die Patellen, ſich feſt an Klip—pen und Felſen anhaͤngen, da nach Rumphens Zeugnis dieſe limaces ſich, wenn ſie von ih—rem Standort mit Gewalt losgeriſſen werden, eben ſo wie unſere Trilobiten feſt zuſammenziehen, und ihren laͤnglichen Koͤrper in einen runden gleichſam umſchaffen, ſo ſcheint es b nchals wenn dieſer Rumphiſche limax, den wir unten näher werden kennen lernen, ein Analo—gon von dieſem unſerm Petrefact ſey. Dem ohngeachtet wollen diejenigen, ſo das Originalals ein Inſect anſehen, darum, und zwar mit gutem Grunde, noch nicht gewonnen Spielgeben. Denn die ganze Geſtalt des Trilobiten iſt, ihrer Meynung nach, dem beſtaͤndigenund weſentlichen Character einer Conchylie zuwieder, und ſelbſt der ſpeeifique Unterſchied, derſich zwiſchen einer Conchylie(animal teſtaceum) und einem ſchaligten Inſect,(inlectum
eruſtaceum) findet, ſetzt die Meynung, daß das Original des Trilobiten keine Conchylie,
ſondern ein ſchaligtes Inſect ſey, auſer allen Zweifel. Die Schale eines teſtacei hat, wie be.
L 2 kannt85.) cent. I. epiſt. itinerar. 23.
36.) in der Nachricht von ſeltenen Verſteinerungen, S. 36.