Drittes Capitel,
Saum- oder Strand-Riffe.
Riffe von Mauritius.— Seichter Canal innerhalb des Riffs,— Sein langsamesGefülltwerden.— Ströme von Wasser, die sich innerhalb des Riffs bilden.—Emporgehobene Riffe.— Schmale Strand-Riffe in tiefen Meeren.— Riffe ander Ostküste von Africa und von Brasilien.— Strand-Riffe in sehr seichtenMeeren, um Sedimentbänke und an niedergewaschenen Inseln.— Strand-Riffevon Meeres-Strömungen afficirt,— Corallen, welche den Meeresgrund bedecken,aber keine Riffe bilden.
Saum-Riffe, oder, wie sie von manchen Reisenden genannt wor-den sind, Strand-Riffe, mögen sie nun eine Insel oder einen Theil einesContinents einfassen, scheinen auf den ersten Blick wenig von Bar-rieren- oder Canal-Riffen verschieden zu sein, ausgenommen, dasz siemeistens von geringerer Breite sind. So weit die äuszerliche Erschei-nung des eigentlichen Riffs in Betracht kommt, ist dies der Fall;aber die Abwesenheit eines innern Canals mit tiefem Wasser und dasenge Verhältnis, welches zwischen ihrer horizontalen Ausbreitung undder wahrscheinlichen Abdachung des anstoszenden Landes unterhalbdes Meeres besteht, bieten wesentliche Punkte einer Verschiedenheit dar.
Die Riffe, welche die Insel Mauritius umsäumen, bieten ein gutesBeispiel dieser Classe dar. Sie erstrecken sich rund um ihren ganzenUmfang, mit Ausnahme von zwei oder drei Stellen 1 wo die Küstebeinahe senkrecht abfällt und wo, wenn der Meeresgrund, wie es dochwahrscheinlich ist, eine ähnliche Neigung hat, die Corallen keinenGrund finden würden, an den sie sich befestigten. Eine ähnliche
* Diese Thatsache wird hier nach der Autorität des„Officier du Roy“ ange-führt, in seiner äuszerst interessanten„Voyage ä VIsle de France“, im Jahr 1768unternommen. Nach der Angabe des Capt. Carmichael(Hooker’s Botan. Mis-
cell. Vol. IT. p. 316) findet sich an einem Theil der Küste eine Strecke von sechs-zehn Meilen ohne ein Riff,