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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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Der Golfstrom,

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kalten Stromes, der alsPerustrom einen grossen Theil derWestküste Südamerikas bespült. Ein zweiter kalter Strom fliesstan der südafrikanischen Küste nach dem Aequator ab, wo erin den Bereich desGuineastromes gelangt, der auf gleicherHohe mit der atlantischen Aequatorialströmung, aber in ent-gegengesetzter Richtung streicht.

Die mächtigste kalte Strömung aber befindet sich imnordatlantischen Becken. Sie kommt aus der Inselwelt vonArktisch-Amerika, nimmt ihren Weg zwischen dieser und derWestküste von Grönland, um alsLabradorströmung an derSüdspitze von Grönland mit der gleich mächtigen Polarströmung,die aus dem europäischen Eismeer kommt und zwischen Islandund Grönland hindurchgeht, sich zu vereinigen. Bei der Bankvon New-Foundland trifft der vereinigte kalte Strom unter einemrechten Winkel auf den warmen Golfstrom, unter welchen ertaucht, da das wärmere Wasser über ihn hinwegfliesst.

Im Indischen Ocean läuft der Aequatorialstrom an derOstküste von Afrika südwärts durch den Mosambiquecanal (vondem er den Namen hat) und wendet sich am Nadelcap wiedernach Osten, um in der Richtung nach den Kergueleninselngegen den Südpol zu verlaufen. Es muss indessen bemerktwerden, dass bereits im Canal von Mosambique eine Spaltungder Hauptströmung in zwei Aeste stattfindet, von denen dereine alsAgulhaesströmung an der afrikanischen Küste biszum Nadelcap verläuft, während der andere Ast sofort nachseinem Austritte aus dem Canal südwärts abschwenkt. Eingrosser Theil der indischen Aequatorialströmung tritt gar nichtin den genannten Canal ein, sondern vollführt an der Ostküstevon Madagascar eine Schwenkung nach Süd. Wir haben eshier eigentlich mit drei Aesten zu thun, deren Vereinigungungefähr in 40 0 Südbreite erfolgt.

Der Golfstrom. Der Entstehung und Ausdehnung desselbenwurde weiter oben gedacht. Vom Mexikanischen Meerbusen,aus dem er zwischen Florida und Cuba heraustritt, fliesst erlängst der Küste von Amerika nach Norden, dann Nordostenund bei der Bank von New-Foundland nach Osten, in der Rich-tung nach den Azoren, wobei eine Spaltung des Stromes statt-findet. Der Hauptstrom setzt südlich seinen Weg fort und biegtbei den Capverden westlich aus, um wieder in die Antillenseezurückzuströmen. Der andere Ast fliesst in nordöstlicher Rich-tung ab, bespült den Westen von Europa, hauptsächlich diebritischen Inseln, dann die Küste von Norwegen und sendetseine Ausläufer bis ins Polarmeer. Die Breite des Golfstromesist zwischen den Bahamabänken etwa 50 Kilometer, öst-lich vom Cap Hatteras 120 Kilometer, wächst aber rasch bis1000 Kilometer. Die Geschwindigkeit beträgt in den engstenTheilen seines Bettes 7, in den breitesten 1 Kilometer pro Stunde.Von der Strasse von Florida bis zu den Küsten von Europa

Hochfluth an der Küste von Holland.

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läuft das Golfstromwasser etwa 5V2 Monate, und Humboldt hatberechnet, dass der ganze Umfang des Wirbels in 2 Jahrenund 10 Monaten zurückgelegt wird. Diese und andere Berech-nungen sützen sich auf die Ergebnisse der sogenanntenFlaschen-post, d. h. auf versiegelte und protokollirte Flaschen, welcheder Strömung überlassen wurden, bis sie ihren Weg vollendethatten. Derlei Experimente wurden unzähligemale angestellt.

In der Mitte des vorbeschriebenen Wirbels liegt eine voll-kommen ruhige See, welche von schwimmenden Tangmassenbedeckt ist. Man nennt dasselbe das Sargassameer.

Ueber dieses einige Worte. Es bildet keineswegs einedichte Fläche. Das Kraut treibt fast immer in langen Streifen,die mehr oder weniger von einander entfernt sind und welchesich immer genau parallel in der Richtung des herrschendenWindes erstrecken. Die Tangbänke des Sargassameeres bedeckendie ungeheuere Fläche von ungefähr 40.000 geographischenGeviertmeilen und spiegelten bekanntlich dem Columbus aufseiner Entdeckungsreise die Nähe des Landes vor.

Das Wichtigste am Golfstrome sind dessen klimatische Einflüsse. Er ist dieUrsache, dass die milden Himmelsstriche von Westeuropa nicht in dem eisigen KlimaLabradors erstarren. Am meisten ist Norwegen (auf gleicher Breite wie Grönland)in seinen klimatischen Verhältnissen vom Golfstrom beeinflusst. Bei den Shetlands-inseln (nördlicher als St. Petersburg) ist im Januar die Meerestemperatur so hoch,wie die Lufttemperatur des gleichen Monats in Rom und Athen, d. i. 7 0 C., undim äussersten Norden von Europa, wo die Sonne den ganzen Januar unter demHorizonte bleibt, noch immer -|- 3 0 C. Die Existenz des blühenden norwegischenHandelsstädtchens Hamerfest unter 70 3 / 4 u Nordbreite also in gleicher Polhöhe,

in der in Arktisch-Amerikadie Franklin-Expedition un-terging verdankt man ein-zig und allein dem Golf-strom.

Maury hatte berechnet,dass die Quantität der täglichvom Golfstrome ausgehendenund über das AtlantischeMeer verbreiteten Wärmeausreichen würde, ganze Ge-birgsmassen von Ejsen zumSchmelzen zu bringen undeinen Strom von diesem ge-schmolzenen Metalle in Flusszu erhalten, der in allenDimensionen dem Mississippigleichkäme. Bliebe alle Wär-me, welche der Golfstromtäglich frei werden lässt, bei-sammen und beständig nurüber Frankreich und Gross-britannien gleichmässig ver-theilt, so würde sie dortklimatische Verhältnisse vonsubtropischem Charakter her-vorrufen, da die mittlereWintertemperatur niemalsunter 20° C. (Suez, Algier,Madeira) sinken würde.

Andringen der Fluth an die Küste von Schottland.

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