Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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Die Lufthülle.

Allgemeine Verhältnisse.

Der Kreislauf des Weltmeeres hat uns gezeigt, dass diesegewaltige Wassermasse sowohl örtlich, wie in ihrer ganzenräumlichen Ausdehnung in unausgesetzter Bewegung ist, dieWenigen Flächenräume, die zwischen den Strömungen liegen,ausgenommen. Bei der, die Erde bis zu einer angenommenenHöhe von 20 Meilen umgebenden Lufthülle ist dieser gesetz-mässige Kreislauf noch ein weit mehr ausgeprägter. Währendnämlich das Meer in mehrere grosse Becken auseinander-gerissen ist und eine freie, durch kein Festland behinderteContinuität der Oceane nur in dem Raume stattfindet, der sichzwischen den Südspitzen der Continente und der antarktischenPolarregion erstreckt, umfluthet die Lufthülle unseren Planetengleichmässig längs seiner ganzen Oberfläche. Zudem ist dieLuft ein weitaus leichteres, beweglicheres Medium als dasWasser. Es ist räumlich nicht gebunden und vermag demgemässden Kreislauf ganz unabhängig von rein örtlichen Bedingungen

zu vollführen.

Die Hauptquelle der verschiedenen Erscheinungen _ in derAtmosphäre, welche Gegenstand der Klimatologie sind, istdie Wärme, welche die Sonnenstrahlen _ auf der Erde ent-wickeln. Diese Wärmeerscheinungen bezeichnet man mit demWort Temperatur. Wärme und Kälte sind natürlich nur relativeBegriffe und für die Klimatologie ist es demnach von besondererWichtigkeit, die Verbreitung der Temperatur über die ganzeErdoberfläche zu kennen. Hierzu giebt es verschiedene Anhalts-punkte, zunächst die Gesetzmässigkeit einzelner Beobachtungen,welche die sogenanntemittlere Temperatur be ingen. lemit dem höchsten Stande der Sonne verbundene Warmewird dasMaximum, die mit ihrem niedrigsten Standeverbundene Wärme dasMinimum, beide zusammen imGegensätze zur mittleren A emperatur die xtremegenannt.

Im Allgemeinen nimmt die Temperatur vom Aequatornach den Polen hin ab. Diese Abnahme würde einevollkommen regelmässige sein, wenn die Erde gar keineUnebenheiten hätte, entweder nur eine einheitliche Land-masse oder durchwegs mit Wasser bedeckt wäre. Da aberdies nicht der Fall ist und die örtlichen Verhältnisse derErdoberfläche mannigfaltige Factoren aufweisen, welche derregelmässigen Temperaturvertheilung entgegenarbeiten,kommen nicht diese, sondern jene in Betracht. Es handeltsich also in Bezug auf unseren Planeten nicht um einmathematisches, sondern um das wirkliche o er p y

sische Klima. . ,

Daraus geht hervor, dass aus der gcograp isc en

Breite allein nur ein sehr allgemeiner und unvo ommener Schluss auf das physische Klima gemacht wer enkann, und dass die Linien gleicher Temperatur we c ®man Isothermen nennt mit den Parallelkreisen nie

zusammenfallen, sondern auf der Erdoberfläche dieselben alsSchlangenlinien durchschneiden. Da aber in der Klimatologienicht nur die jährliche Durchschnittstemperatur eines Ortes,sondern auch dessen mittlere Sommer- und mittlere Winter-temperatur in Betracht kommen, erhält man noch zwei weitereSysteme von Wärmelinien, von denen jene, welche alle Punktemit gleicher mittlerer Sommertemperatur verbinden, Isotheren,jene, welche alle Punkte mit gleicher Wintertemperatur ver-binden, Isochimenen nennt. Ein Blick auf eine Karte, wodiese Linien eingezeichnet sind, genügt, um wahrzunehmen,dass nicht nur der Erdäquator mit dem Wärmeäquator nichtzusammen fällt, sondern das Gleiche auch von den Polen gilt.Die Punkte grösster Kälte nennt man Kältepole und giebtes deren auf der nördlichen Hemisphäre zwei.

Da in einer stark verdünnten Luft die Sonnenstrahlenweniger WärmestofF als in den auf Niederungen gelagertendichten Luftschichten zu entwickeln vermögen, so hängt dieTemperatur, beziehungsweise das physische Klima eines Ortesnicht nur von der geographischen Breite, sondern auch von derabsoluten Höhe über der Meeresfläche ab. In bestimmten Höhen-lagen vermag also die Sonnenwärme die dortselbst angehäuftenSchnee- und Eismassen nicht mehr zu schmelzen. Man nenntdiese Höhenlage die Schneegrenze. Sie liegt natürlich unterdem Aequator am höchsten und senkt sich nach den Polen zu,wo sie auf der nördlichen Halbkugel gewöhnlich unter 75 0 , aufder südlichen Halbkugel schon unter 65° Breite das Meeresniveauerreicht. Verbindet man die verschiedenen Punkte der Schnee-grenze vom Aequator nord- und südwärts auf demselben Meri-dian, so erhält man eine Curve, welche die Schneelinie heisst.

Gletschertiscli auf dem Ober-Rhöne-Gletscher.

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