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Physikalisches Klima. — Gletscher. — Bewegungs-Erscheinungen der Lufthülle.
(mirnmik
Rhone-Gletscher.
, 7 Wärmecapacität'
Aus den Schneemassen der Hochgebirge entstehen unter Umständen zusammen-hängende Eismassen von eigenthiimlicher Beschaffenheit, welche man Gletschernennt. Die Schneemassen der Hochgebirge werden theils durch ihr eigenes Gewicht,theils durch Winde und Lawinen über die Abhänge der Berge in die Querthälerhinabgedrängt. Hier werden diese Schneemassen, die sich im Winter noch durchSchneefälle aus der Atmosphäre vermehren, in der wärmeren Jahreszeit zum Theilegeschmolzen. Das an der Oberfläche während des Tages gebildete Schmelzwasserdringt nun tiefer zwischen die einzelnen Schneetheilchen ein und verbindet sich beimnachherigen Frost mit den Schneeflocken, wodurch diese in Körner von durch-sichtigem Eis verwandelt werden. Durch Wiederholung dieses Vorganges bilden sichimmer grössere Eiskörner, die allmählich ineinander greifen und so eine zusammen-hängende Eismasse bilden, welche immer compacter wird.
Die Gletschermasse bewegt sich langsam ihrem tiefsten Stande zu. Da nunhier das Eis durch Abschmelzen sich vermindert, so kann der Gletscher, wie mansagt, „wachsen” oder scheinbar zurückgehen, je nachdem die thalwärts gehende Be-wegung das Abschmelzen oder dieses jene übertrifft. Beim Vorrücken der Gletscherist die Bewegung der Mittellinie eine schnellere als die der Ränder. Das Gletscher-eis ist aber nicht ausdehnbar, dasselbe reisst in Folge der entstehenden Spannung,so dass Spalten entstehen. Es sind dies immer Längsspalten. Gelangt das vor-rückende Eis von einer weniger geneigten Unterfläche an eine stärker geneigte, sobricht dasselbe und es entstehen Querspalten. An ihrem Ausgange haben die Gletscherzumeist eine OefFnung, das Gletscherthor, aus welchem das abgeschmolzene Eis-wasser hervorströmt. Man nennt es „Gletschermilch” auf Grund seiner hellgrauen trüben Färbung. — DieGletscher führen auch Bruchstücke der durch die eindringende Feuchtigkeit stellenweise gesprengten Ge-birge aus den höchsten Regionen in die Tiefe hinab, wobei förmliche Steinwälle — Moränen genannt —entstehen. Liegen die Trümmer an den Seitenrändern der Gletscher, so spricht man von „Seitenmoränen”;der Trümmerwall am unteren Rande heisst „Endmoräne”. Trifft es sich, dass zwei Gletscher in ein gemein-sames Thal münden, so vereinigen sich zwei Seitenmoränen zu einer „Mittelmoräne”. — Wo grössere Fels-massen auf dem Gletscher liegen und daher das unter ihnen liegende Firneis am Thauen gehindert wird,schmilzt das Eis ringsum allmählich weg, bis die Blöcke auf Eissäulen zu ruhen kommen und sogenannteGletschertische bilden. Das Verschleppen von Felstrümmern durch die Gletscher macht es erklärlich,dass zerstreute Felsblöcke — „erratische Blöcke” — in Gegenden gefunden werden, welche früher Meeres-boden waren und mit den Gebirgen, von welchen die Blöcke herstammen, in gar keiner Verbindung stehen.
Das physische Klima richtet sich im Grossen und Ganzen nach gewissenzwischen dem Aequator und den Polen gelagerten Erdgürteln, welche manZonen nennt. Man unterscheidet eine heisse, eine nördliche und eine süd-liche gemässigte und zwei Polarzonen, oder kalte Zonen. — Was dieJahreszeiten in physisch-klimatischer Hinsicht betrifft, haben nur die Länder dergemässigten Zonen deren vier, die der heissen und kalten Zone aber blos zwei.Die Länder der gemässigten Zonen haben Frühling, Sommer, Herbst und Winter;aber je näher nach den Polarkreisen hin, desto unbedeutender werden Frühlingund Herbst, bis unter dem Polarkreise selbst und darüber hinaus nur zweiJahreszeiten wechseln: ein kurz dauernder Sommer und ein sehr langer Winter.In den Tropenländern wechseln ebenfalls nur zwei Jahreszeiten, jedoch in ganzanderer Bedeutung als in den Polargegenden. In der heissen Zone wechselnnämlich die sogenannte „trockene” und die „nasse” Jahreszeit miteinander ab.Die letztere ist mit unserem Winter zu vergleichen. Zwischen dem io. und15. Breitengrade ist die Wärme fast immer dieselbe. Die eig*entliche Aequato-rialzone erscheint aber fast gemässigt, wenn man sie mit der Zone des Wende-kreises des Krebses vergleicht, welch letztere grösstentheils aus den heissestenund unbewohnbarsten Ländern der Erde besteht. Die Zone des Wendekreises desSteinbockes enthält wenig Länder, aber sie scheint zu gewissen Zeiten einerausserordentlichen Hitze ausgesetzt zu sein.
Ueberhaupt besteht ein merklicher klimatischer Unterschied zwischen dernördlichen und südlichen Hemisphäre. Es ist berechnet worden, dass die mittlere
Jahres-Temperatur dernördlichen Halbkugeli 5*5° C., die der süd-lichen aber nur 13*6° C.beträgt, Durch dasUeberwiegen des Lan-des in der nördlichenErdhälfte gestaltet sichdas Klima daselbst zueinem continentalen,während die südlicheErdhälfte vorzugsweiseein Seeklima besitzt.Dieses Verhältniss wirdvorzugsweise dadurchbedingt, dass jeder GradWasserwärme eine vier-mal so grosse erwär-mende Kraft besitzt alsbeispielsweise i° Sand-wärme. Stünden alsoWasser und Sand, beisonst gleichen Umstän-den, unter demselbenTemperatureinflüsse, sowürde in demselben Zeit-abschnitte das Wassernur den vierten Theilder Wärme aufnehmen,die der Sand aufnimmt,dagegen, bei wärmever-zehrenden Einflüssen,gegenüber dem Sand nur ein Viertel der Wärme einbüssen.Diese Thatsache beruht auf dem Gesetze der sogenannten
Die Bewegungs-Erscheinungen der Lufthülle.
Die Gleichgewichtsverhältnisse in der Lufthülle hängenunmittelbar mit der Wärme zusammen. Jede Erregung der Luft-theilchen, durch welche diese zur Ortsveränderung gezwungenwerden, nennt man Wind, doch bestehen für die heftigstenGrade der atmosphärischen Bewegung besondere Namen. —Ein absolutes Gleichgewichtsverhältniss der Lufthülle, also jenerZustand, den wir Windstille nennen, ist eine äusserst selteneErscheinung. In der Regel befindet sich die Luft in leiser Be-wegung, die aber so schwach ist, dass sie noch keine Bewe-
Gletschercisgrotte am Montblanc,
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