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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die Feuchtigkeits-Verhältnisse der Lufthülle. Thau, Nebel, Wolken, Regen.

seine grosse Trommel auszuhängen, um uns das böse Wetter auf den Hals zuschicken so liegt darin ein ganz ausgezeichnetes Lob für die wahrhaft praktischeBedeutung des Gegenstandes selbst. Allerdings profitirt von dieser Einrichtungnur die Küstenschifffahrt. Auf offener See ist das Schiff der alleinige Träger seinesGeschickes. Ist es gut gebaut und gut geführt, dann vermag es selbst im unbegrenztenOcean allen Gefahren zu trotzen. An den Küsten aber ist es anders. Hier lauerndie Gefahren in mannigfaltiger Form, welche bei zunehmendem schlechten Wetterwachsen.

Die Feuchtigkeits-Verhältnisse der Lufthülle.

Das die Oberfläche der Erde bedeckende Wasser erleideteinen fortwährenden Verlust durch Verdunstung. Die Wasser-theilchen der oberen Schichten gehen unter Einwirkung derWärme in den gasförmigen Zustand über, um sich in der Atmo-sphäre zu verbreiten. Wenn Wasserdämpfe mit Körpern vonniedrigerer Temperatur in Berührung kommen, so verlieren sieden gasförmigen Zustand und bilden an der Oberflächejener Körper einen Niederschlag. Man nennt denselbenThau oder Reif, wenn der aus Wasser oder Eis beste-hende Niederschlag die Objecte der Erdoberfläche über-zieht. Eine besondere Erscheinung des Reifes ist derRauhreif (Haarfrost), wenn die Eisnadeln in büschel-förmigen Gruppen von Bäumen und Hecken herabhängen.

Wenn die Wasserdämpfe in freier Luft nieder-geschlagen werden, so wird letztere dadurch getrübtund man nennt den also gebildeten Niederschlag, wenner sich in der Nähe der Erdoberfläche befindet, Nebel,in grösserer Entfernung vom Erdboden Wolken. DieNebel- oder Wolkenbildung wird vorzüglich dadurchhervorgerufen, dass Luftströmungen von verschiedenerTemperatur zusammenstossen. Sind beide mit Feuchtigkeitgesättigt, so tritt eine mittlere Temperatur der Luft ein,bei der sie nicht mehr fähig ist, die mittlere QuantitätWasserdampf im aufgelösten Zustande zu halten. DieWolken sind nicht etwas Feststehendes, sondern viel-mehr (wie auch der Nebel) ein beständiger Regen vonäusserst kleinen Wasserbläschen. Die Unveränderlichkeit,mit der die Wolken sich oft in gewissen Höhenlagenschwebend zu erhalten scheinen, ist eine Täuschung.

Das erkennt man am besten, wenn man aus sonnigen Tiefen indie wolkigen Höhen aufsteigt und beim Eindringen in dieDunstmassen sofort den fortgesetzten Niederschlag der kleinenDunstbläschen verspürt. Der Eindruck ist derselbe, als ob mandurch Nebelmassen schritte, wie ja auch Nebel und Wolkeneine und dieselbe Erscheinung sind.

Man unterscheidet je nach Höhe und Form folgende Wolkenbildungen:Federwolken (Cirrus), die höchsten, aber mindest dichten, Fasern ähnlichen;Haufen wölken (Cumulus), kegelförmige, von einer horizontalen Grundlinie nachaufwärts zunehmende Massen der dichtesten Wolken; Schichtenwolken (Stratus),von mittlerer Dichtigkeit, weit ausgedehnte, zusammenhängende Streifen, auf der Erdeoder auf dem Wasser ruhend. Dann giebt es noch Wolkenbildungen, welche durchden Uebergang der einen in die andere Form entstehen und Namen haben, welchediese Uebergänge oder Verschmelzungen deutlich bezeichnen, als:federige Haufen-wolke,federige Schichtenwolke,gehäufte Schichtenwolke,gehäufte Federwolke,gethürmte Haufenwolke u. s. w.

Aus feinen Nebeltropfen bildet sich in der oberen LuftRegen. Gewöhnlich fällt der Regen aus Wolken herab und diedunkelsten geben das meisteWasser. Ist der ganze Him-mel gleichförmig bedeckt,so erfolgt ein Landregen.

Werden nur einzelne Wolkenvom Winde nach einer Rich-tung hingetrieben, so ent-steht ein Strichregen.

Sehr feine Dunstbläschen er-zeugenStaubregen, sehrgrosse, bei gleichzeitigergrosser Intensität des Re-genfalles selbst, den Platz-regen, der meist von Ge-wittern begleitet ist. Ge-staltet sich der Niederschlagbesonders vehement, be-greift er ein grosses Nieder-schlagsgebiet in sich undhält er längere Zeit an, so be-zeichnet man diese Erschei-nung alsWolkenbruch.

Die Regenmenge ist von gewissen localenBeeinflussungenabhängig, welche zu den Factoren des physischen Klimas ge-hören. Die Regenmenge selbst ist aber von grösster Bedeutungfür das letztere. Hohe Gebirge haben nicht nur grossen Einflussauf die Bildung und Entwickelung des atmosphärischen Feuch-tigkeitsgehaltes, sondern sie regeln auch den Niederschlag,indem sie die den Regen abgebenden Wolken auf ihrem Zugequer gegen die Kämme aufhalten. Die Niederschläge sind alsoimmer am ausgiebigsten diesseits der Höhenzüge, zumal dergrossen Wasserscheiden. So wird z. B. ein Südwind, der regen-abgebende Wolken führt, meist nur auf der Südseite der AlpenNiederschläge bewirken; dagegen Nordwinde (unter gleicherVoraussetzung) auf der Nordseite. Erfolgt der Anzug des Nieder-schlages längs eines Thaies, das senkrecht auf die Wetter-scheide steht, so werden sich dortselbst die Niederschlagsmengenbesonders ausgiebig gestalten, da der Luftstrom in ein förm-liches Bett eingezwängt wird. Ein interessantes Beispiel hiefürliefert das Thal des Isonzo. Der Mangart-Triglav-Stock, anwelchem letzterer entspringt, weist eine der grössten Regen-

mengen in den Alpen auf. Desgleichen der Kessel von Alt-Aussee (in Nordwest-Steiermark), der im Norden vollständiggeschlossen ist. Beide Thäler stehen unter dem Einflüsse süd-licher (localer) Luftströmungen. Das Thal der Salzach (Salzburg),welches gleichfalls grosse Niederschlagsmengen aufweist, giebtden regenausscheidenden Wolken ein förmliches Bett für nörd-liche Luftströmungen ab u. s. w.

In Folge des Umstandes, dass die von Süden herkommendenAequatorialströme immer westlicher werden, muss in der ge-mässigten Zone der nördlichen Erdhälfte die Südwestseite dieWetterseite sein. Was die Vertheilung des Regens über dieErdoberfläche betrifft, so unterliegt erstere bestimmten Gesetzen.Wo grosse Wärme herrscht und viel Wasser vorhanden ist,wird auch viel Wasserdampf in der Luft enthalten sein. Dahernimmt die Wasserdampfmenge (und mit ihr die Niederschlags-menge) vom Aequator gegen die Pole, von den Küsten gegendas Innere der Continente, von der Tiefe zur Höhe ab. In

letzterer Beziehung nimmtdie Niederschlagsmengeauch zu, aber nur dann,wenn die Erhöhungen ausbedeutenden Gebirgen be-stehen, die eine Vermen-gung von Luftschichten ver-schiedenej Temperatur be-günstigen.

Ausser der Menge spielt aberaucli noch die Vertheilung desNiederschlages (in Bezug auf diejährlichen Perioden) über die Erd-oberfläche eine grosse Rolle. Darnachunterscheidet man verschiedene Re-gengürtel: den tropischen Regen-gürtel, welcher mit dem Sommer-halbjahre zusammen fallt. Man unter-scheidet dort eine trockene und einenasse Jahreszeit. In Gegenden derheissen Zone, wo sich keine Wasser-dämpfe bilden, giebt es auch keineRegenzeit. In anderen Gegendenwieder giebt es zwei nasse und zwei

Feder wolke.

Haufenwolke.