Regengebiete. — Schnee und Hagel. — Erdmagnetismus.
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welche man durch die Namen der grossen
und kleinen
trockene Jahreszeiten,unterscheidet.
Ausserhalb der Wendekreise ereignet sich der atmosphärische Niederschlagdas ganze Jahr hindurch, doch wirken hier mancherlei Factoren gegen eine bestimmteGesetzmässigkeit. In der Yertheilung des Niederschlages unter die Jahreszeiten erkenntman im gemässigten Erdgürtel der alten Welt den Unterschied der zwei Klimasysteme,des Küsten- und des Continentalklimas: in jenem herrscht der Winter- und Herbst-regen, in diesem der Sommerregen. Im Allgemeinen nehmen von der Grenze dersubtropischen Zone die Sommerregen immer mehr ab und setzen die Herbstregen ein.Sie reichen auf unserer Erdhemisphäre bis Südeuropa. Alsdann beginnt der Gürtelder Winterregen, welcher indess mannigfach durch locale Bedingungen modificirtwird. So hat z. B. das Innere von Mitteleuropa Sommerregen, was vornehmlich demUmstande zuzuschreiben ist, dass sich im Sommer die Temperatur im Innern deseuropäischen Festlandes bedeutend steigert, während die des Atlantischen Oceans auf-fällig zurückbleibt. Es setzen in Folge dessen (nach dem bekannten Gesetze) West-winde ein, welche ihre Feuchtigkeit in Mitteleuropa als Niederschläge ausscheiden. —Noch höher gegen den Pol zu giebt es keine bestimmten Regengürtel und treten
hier Niederschläge in allen Jahreszeiten ein.
Aeusserst regenarm sind die Sahara und die Einöden der arabischen Halb-insel, dann Aegypten, die persische Hochebene und das Tafelland des östlichenAsien. Auch die Kalahariwüste in Südafrika zählt zu den regenarmsten Gegendenunseres Planeten.
Der Schnee entsteht unter ähnlichen Verhältnissen wieder Regen, nur dass die Temperatur tiefer ist. Er besteht ausgefrorenen sehr kleinen Wassertheilchen, welche die Formsechszackiger Sterne haben. Hängen sich mehrere derselbenso werden „Schneeflocken” daraus. Indess zeigen
aneinander,
den südrussischen Steppen
Schneesturm
die Schneeflocken nur bei strenger Kälte und in der ruhigen
Atmosphäre der Polargegenden vollkommen regelmässige Kry-
——öooirrten Klima löst der Wechseloder es wird ihre
Stallbildungen. In unserem gemässigteider Temperatur die Flocken meist auf,
Symmetrie zerstört. # .
JJ20 Erscheinung des Schneefalls an sich bietet nichts Be-
merkenswerthes. Dagegen führen die Schneemassen selbst zuErscheinungen, welche zu den interessantesten meteorischenSchaustücken zählen. Die Schneemassen, welche auf den Ge-birgen abgelagert werden, lösen sich bei eintretendem milderenWetter oder auch blos in kolge der Schwere von ihrem Stand-orte ab und gehen mit furchtbarem Getöse als Lawinen zuThal. Sie reissen alles mit sich, rasiren ganze Wälder, lösendie Erddecke vom Felsgefüge ab und begraben Triften undWohnstätten. — Sind die Schneemassen — zumal in den grossenEbenen — nicht compact, sondern locker und flockig, so werdensie von heftigen Luftströmungen aufgewirbelt und fortgetragen.Es sind dies die Schneestürme und das Anschüttungswerk,
welches sie bewirken, nennt man „Schneewehen .
Am heftigsten treten die Schneestürme, wie bereits er-wähnt, in grossen Flachländern auf. Haben dieselben rauheWinter und überhaupt ein trockenes Continentalklima, inwelchem Falle die Schneemengen in lockerem Zustande ver-bleiben, so nehmen Schneestürme und Schneewehen ungeheuereDimensionen an. Am berüchtigtesten in dieser Beziehung ist das
sarmatische Tiefland, zumal das südrussische Steppengebiet.Man unterscheidet hier dreierlei Arten des Schneesturmes: die„Mjatjel”, wenn der Sturm den Schnee während seines Nieder-falles auf dem Boden fortwirbelt. Natürlich handelt es sich umaussergewöhnlich intensiven Niederschlag. Man verliert dieOrientirung, die Heerden suchen Schutz oder drängen sich ineinen Knäuel zusammen. —: Die zweite Art ist die „Samjot”,wenn bei heiterem Himmel plötzlich Oststurm einsetzt und diegleichmässig geschichteten Schneemassen durchwühlt. Mit einemSchlage ist das ganze Feld in wüstem Aufruhr. Man hat nichtsals eine milchige Masse vor sich, ein Meer von weissen Schaum-massen, die haushoch sich aufbäumen und mit gedämpftemRauschen wieder zerstäuben. — Am ärgsten lässt sich dieseNaturerscheinung an, wenn mit dem Schneetreiben von obengleichzeitig Wirbelstürme die liegende Schneedecke aufwühlen.Man nennt diese Form des Schneesturmes „Wjuga”.
Die Wjuga tritt immer orkanartig auf. Wer ihr begegnet, ist rettungslos ver-loren. Heerden sprengt der Orkan auseinander oder treibt sie mit unhemmbarerGewalt vor sich her — durch mehrere Tage und Nächte. Vom Schrecken getriebenrasen die Thiere vor dem Winde, oft dicht an Dörfern vorbei, immer weiter, bis dieKräfte versagen und die Schneemasse hunderte von Leichen bedeckt. Selbst Truppen-ab theilungen sind in den südrussischen Steppen auf diese Weise zugrunde gegangen.Die Wjuga zerstört Ortschaften, demolirt Yiehgehöfte, hält Eisenbahnzüge in ihremLaufe an und deckt sie bis zu den Dachrändern der Waggons zu. Zum Glücke hältdie Wjuga nur zwei bis drei Tage an. Es ist aber auch vorgekommen, dass sie,
kurze Zwischenpausen abge-rechnet, wochenlang anhieltund unsägliche Verwüstungenzur Folge hatte.
Eine andere Erschei-nungsform des Nieder-schlages ist der Hagel.Man nennt ihn „Rie-sel” (Graupeln), wenndie Eiskörner aus klei-nen zusammengefrore-nen Schneeflocken be-stehen. Der eigentlicheHagel aber besteht ausEiskörnern von sehr ver-schiedenem Durchmes-ser — bis zur Grösseeines kleinen Hühner-eies.SolchriesigeStückenennt man „Schlossen”.— Die grossen Hagel-körner haben einenweissen Kern, der miteiner durchsichtigenEisschale umgeben ist,welche nicht seltenaus mehreren concentri-schenSchichten besteht.Die Gestalt weicht häu-fig von der Kugelformab. Indess giebt es auchvollkommen durchsich-tige, glasklare Hagel-körner. Dieselben sind einfach während des Niederfallens ge-frorene Wassertropfen, sehr im Gegensätze zu den Schlossen,welche sich in Gewitterwolken bilden . . .
Magnetismus der Erde. — Elektrische undoptische Erscheinungen der Lufthülle.
Erdmagnetismus. Eine Magnetnadel, welche frei beweglichaufgehängt wird, bleibt nur dann im Gleichgewichte, wenn dereine Pol gegen die Nord-, der andere gegen die Südgegendgewendet ist. Aus jeder anderen Lage hat die Nadel das Be-streben, in die vorbesprochene Richtung einzulenken. Die Kraftwelche diese Wirkung hervorruft, liegt natürlich nicht in derNadel, sondern ausserhalb derselben, d. h. im Erdkörper. Mannennt diese Kraft den Erdmagnetismus.
Eine an ihrem Schwerpunkt aufgehangene Nadel weistsomit nach einem Punkte, welchen man den magnetischenPol nennt. Er fällt nicht mit dem Erdpole zusammen, was zurFolge hat, dass der „magnetische” Meridian mit dem Erd-meridian einen Winkel bildet, dessen Grösse von der geogra-phischen Lage des Beobachtungsortes abhängt. Diesen Winkel