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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Das organische Leben.

Die Verbreitung der Pflanzen.

Seitdem A. v. Humboldt in denAnsichten der Naturdie Allbelebtheit der Erdoberfläche, die Verbreitung der orga-nischen Formen nach Massgabe der Tiefe und Höhe geschilderthat, ist unsere Kenntniss auch in dieser Richtung durch genaueBeobachtungen ganz ausserordentlich vermehrt worden. Immer-hin sind die Principien, welche derAltmeister der Pflanzen-geographie aufgestellt hatte, im Grossen und Ganzen die mass-gebenden geblieben, so dass selbst eine Autorität unserer Zeit,wie Grisebach, sie bezüglich der Formen beibehalten undnur gewisse Gesichtspunkte, welche die Resultate modernerForschung darboten, weiter entwickelt hat.

Das organische Leben ist von den allgemeinen physika-lischen Verhältnissen der Erde nicht zu trennen. Die Erdkundegiebt uns nach Humboldt den Fingerzeig, dass in denThier- und Pflanzenorganen dieselben Kräfte walten, welcheStoffe verbinden und trennen, gestalten und zerstören, aber Be-dingungen unterworfen sind, die noch unergründet unter dersehr unbestimmten Benennung von Wirkungen der Lebens-kräfte nach mehr oder minder glücklich geahnten Analogiensystematisch gruppirt werden.Der naturanschauenden Stim-mung unseres Gemüthes ist es daher ein Bedürfniss, die physischen Erscheinungen der Erde bis zu ihrem äussersten Gipfel, bis zur Formentwickelung der Vegetabilien und der sich selbst bestimmenden Bewe-gung im thierischen Organismus zu verfolgen. So schliesst sich die Geo-graphie des Organischlebendigen (Pflanzen- und Thiergeographie)an die Schilderung der anorganischen Naturerscheinungen des Erd-körpers an.

Das Dasein der Pflanzen richtet sich vorzugsweise nach dem Boden,an welchen sie gebunden sind; daher die Eintheilung in Zonen undRegionen, je nachdem es sich um geographische Verbreitungsgebieteoder um das örtliche Auftreten der Pflanzen im verticalen Sinne zwischenEbenen und Hochgipfeln handelt. Die Aequatorialzone ist am reichstenan phanerogamischen Pflanzen und erreichen dieselben hier die imposan-testen und entwickeltesten Formen. Die gemässigten Erdgürtel bringenin grosser Anzahl fhanerogamen und Kryptogamen hervor, deren Formenkräftig, trocken und holzig sind. In den Polargegenden endlich nimmtdie Zahl der Pflanzenarten merklich ab und die Vegetation besteht nurin Sträuchern und Kräutern, die durch den anhaltenden Frost verkrüppeltsind. Aber in diesen grossen Pflanzengürteln bietet die Vertheilung dersecundären Massen die auffallendsten Gegensätze und Unterschiede dar,welche theils durch den Einfluss des Lichtes, der Luft und des Wassers,theils durch die Neigung des Bodens u. s. w. hervorgebracht werden.

Anderseits treten ähnliche Erscheinungen, wie sie die einzelnenErdzonen darbieten, auch örtlich, von der Tiefe nach der Höhe auf. Jehöher man auf den Gebirgen steigt, desto mehr nähert sich die Vegetationderjenigen der Polargegenden. Auch das Meer hat seine Pflanzen, aberihr Auftreten und ihre Formen sind wesentlich anderer Natur. Arm inihren botanisch-physiologischen Verhältnissen, ist die Flora des Meeresunendlich formenreich in ihrer Gestaltungskraft, in ihrer architektonischen

Mannigfaltigkeit. So reich nun die Zahl ihrer Arten ist, gehörendie Pflanzen des Meeres gleichwohl im Grossen und Ganzender niederen Stufe vegetativer Entwickelung an. Sie bilden inihrer Gesammtheit die Masse der Algen, von denen man gegen-wärtig (nach Kützing) über 6000 Arten kennt. Im Allgemeinensind die Algen, wie die Flora des Landes, am mannigfaltigstenund entwickeltesten unter den Tropen und nimmt an Artenzahlgegen die Pole hin ab. Doch nähren auch die den Polennäheren Meere oft eine starke Bevölkerung, und die grossensubmarinen Wälder, welche wir kennen, sind besonders imnördlichen Stillen Ocean beobachtet worden. An der Nordwest-küste von Amerika wachsen riesige Algen. Von der Meeres-flora an der Küste von Kamtschatka ist eine Art erwähnens-werth, welche 100 Meter lang wird und deren Krone aus 10 bis.12 Meter langen Blättern besteht.

Wie das feste Land, hat auch das Meer seine Wälder und Wiesen, seineschwimmenden Pflanzeninseln. Nichts auf Erden kann sich mit der Pracht derersteren messen. Langstielige Bliithenbiischel schaukeln im kräftigen Athem des Oceans.Der Macrocystis luxurians kriecht, mit flatternden, dunkelgrünen Blättern besetzt, biszum Wasserspiegel hinauf und zerrinnt in der Ferne in graugrüne Schleier. DieLessonia schaukelt wie ein blasses Palmenbild; Laminarien winden sich wieSchlangen, Dictyota und Alaria greifen wie mit Fühlhörnern nach allen Seiten aus.An Felsen hängt di e Padina pavonia als unterseeischer Baumschwamm. Die Zosterea

Tangvegetation.