Die optischen Erscheinungen der Lufthülle.
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Himmel bedeckt oder frei von Wolken ist, denn in diesem Fallehandelt es sich immer um das geräuschlose Abfliessen ange-häufter Elektricität, was in schwülen Sommernächten häufigzu beobachten ist. —
Die optischen Erscheinungen der Lufthülle. Dieselben sindmancherlei Art und lassen sich insgesammt auf die Wechsel-wirkungen von Licht und Luft, oder Licht und Wasser zurück-führen. Die unauffälligste, weil alltägliche Erscheinung ist dieBläue des Himmels. Dieselbe rührt nach Tyndalfs eingehendenund in ihren Resultaten überraschenden Untersuchungen vondem „langsamen Entstehen und Vergehen unsichtbarer Wolken-keime” her. Die Bläue des Himmels ist demnach dem Wasser-dampf zuzuschreiben. Grad der Feuchtigkeit und Grösse derDampfbläschen verursachen die Abstufungen in der Intensitätder Bläue. Auf ähnlichen Thatsachen beruhen die anderenFärbungen des Himmels, zumal die Abend- und die Morgen-dämmerung.
Eine andere Erscheinung ist die Strahlenbrechung.Ein Lichtstrahl, welcher von aussen in die Lufthülle eindringt,beschreibt in dieser eine nach oben convexe Bahn, weil erwegen der nach unten zunehmenden Dichte der Luftschichteneine fortwährende Brechung zum Einfallsloth erfährt. Das Augesieht deshalb den Gegenstand (die Lichtquelle) in der Richtungder Tangente dieser krummen Bahn von seinem wahren Orteverrückt; er scheint ihm höher zu liegen, und zwar umsomehr,je stärker die Krümmung jener convexen Bahn ist. — Manunterscheidet eine „astronomische” und eine „irdische” Strahlen-brechung, je nachdem die Lichtstrahlen von Himmelskörpernoder von Objecten auf der Erdoberfläche kommen.
Durch eine Brechung und Reflexion der Lichtstrahlen,wenn sie aneinandergrenzende Luftschichten von verschiedener
Dichtigkeit durchdringen, entsteht die Luftspiegelung. Sietritt am grossartigsten in den afrikanischen und asiatischenWüsten, in den eisigen Einöden Sibiriens und in den SteppenOsteuropas, Asiens und Amerikas auf. Auch die Meeresflächeist mitunter der Schauplatz von Luftspiegelungen. Zu dieserArt von Lichterscheinungen der Lufthülle gehört auch das so-genannte „Brockengespenst”, welches die ins Ungeheuere ver-grösserten Spiegelbilder von Menschen und anderen Gegen-ständen auf dem Hintergründe von Wolken oder Nebeln zeigt,eine Erscheinung, die zuerst auf dem Brocken beobachtet unddarnach benannt wurde. Sie ist aber im Falle des Zusammen-treffens gewisser Bedingungen überall in Gebirgen möglichund unsere Darstellung zeigt eine Variation des „Brocken-gespenstes”, wie sie im Jahre 1886 vom Maler Heilmann inden Hohen Tauern beobachtet wurde. Der Ring, welcher dieSpiegelbilder umschliesst, ist ein Regenbogen.
Regenbogen entstehen durch Brechung und innere Re-flexion des Lichtes in Wassertropfen. Durch die Brechung wirddas Sonnenlicht zugleich in die sieben prismatischen Farbenaufgelöst. Diese Erscheinung ist nur bei einem bestimmtenSonnenstände möglich. Steht die Sonne mehr als 42 0 über demHorizont, so fällt der Regenbogen in diesen, d. h. es entstehtüberhaupt keiner. Ebenso kann erst dann die Reflexion sichtbarwerden, wenn die Sonne soweit niedergesunken ist, dass siemindestens 42 0 vom Horizonte des Unterganges absteht. Jetiefer der Sonnenstand, desto schöner der Regenbogen.
Sogenannte „Höfe”, dann Nebensonnen und Neben-monde sind Erscheinungen, die mit der atmosphärischen Feuch-tigkeit Zusammenhängen. Hierher gehört auch das Zodiakal-licht, ein nebelartiger Ring, der sich innerhalb der Mondbahnbewegt.