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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die Thierwelt des Festlandes. Zoographische Regionen und Reiche.

Pfeifen von vielen Tausenden. Die verschiedensten Arten schwirren durcheinander, und der Jägerweiss nicht, wohin er zuerst schiessen soll. Er drückt aufs Gerathewohl ab und nun wird der Lärmwomöglich noch ärger. Die Kormorane, welche bisher apathisch am Ufer sassen, vermehren denHaufen, und die Seeschwalben, die im Kreise fliegen, schlagen dem Jäger ins Gesicht, indess dieWeibchen sich nicht stören lassen und auf ihren Nestern sitzen bleiben.

Die Seevögel sind so weit es sich um dieFlieger und nicht um dieSchwimmerhandelt durchwegs Wandervögel. Die Ursache der Wanderung ist Mangel an Ernährung.

Der Wandervogel verlässt urplötzlich nahrungsarme Gegenden, um solche aufzusuchen, die ihmNahrung bieten. Beiläufig wollen wir hier bemerken, dass dieWanderung nicht mit demZugzu verwechseln ist, denn der letztere beruht auf anderen Ursachen.

Die Tiefseeforschungen haben ergeben, dass in den ewig finsteren,fast bewegungslosen Abgründen des Meeres eine ungemein gestalten-reiche Thierwelt .sich vorfindet. Hierbei hatte es sich herausgestellt, dassTiefseefische auf Grund der von der Regel abweichenden Lebensverhältnisseganz anders organisirt sind als ihre übrigen Geschlechtsgenossen. Mangelan Nahrung (zumal Pflanzennahrung) und Licht und der ungeheuere Wasser-druck (in 4500 Meter Tiefe 2500 Kilogramm auf den Quadratzoll, d. h.

28omal so viel als der Luftdruck an der Oberfläche des Meeres) zeigtensich hierbei massgebend. Ein aus grossen Tiefen mittelst des Schlepp-netzes aufgezogener Fisch kommt niemals lebend, meist in gänzlich ver-unstalteter Form ans Tageslicht. Es sind Fälle vorgekommen, wo Tiefsee-fischen, in Folge des veränderten äusseren Druckes und der eingetretenenReaction der im Thiere enthaltenen Luft, der Magen durch den Rachengepresst wurde, so dass er blasenähnlich nach aussen zu stehen kam.

Der Reichthum an organischen Stoffen und Gebilden, den das Meerin seinem Schosse birgt, ist derSegen, der ungezählten MillionenMenschen zu Theil wird. Die Seethiere, zumal die Fische, sind den Be-wohnern weiter Gebiete unserer Erde unentbehrlich. Ganze Völkerschaftenwürden nicht im Stande sein, ohne sie zu leben, manche Staaten aufhörenzu sein. Nach einer ungefähren Schätzung leben wenigstens 40 MillionenMenschen unmittelbar von denErnten aus dem Meere.

In der Verbreitung der Thierwelt des Festlandes spielen Factoreneine Rolle, die man gemeinhinExistenzbedingungen nennt. Hierzuzählen: Nahrung, Klima und Anpassung. Wo reichliche Nahrungsmittel(handelt es sich nun um pflanzen- oder fleischfressende Thiere) vorhanden, Nordischer Vogelberg,

da wird ein reicheres Thierleben sich entfalten als unter entgegen-

gung der Ernährung im reichlichen Maasse vorhanden sein. Daher finden wir dasreichste Thierleben in jenen Tropenländern, in denen die Triebkraft des Bodensüberhaupt eine überwuchernde Fülle des Lebens hervorbringt.

Ein Thierland par excellence ist Afrika, so weit es sich um seine tropischenGebiete handelt. Dieser Continent ist in der That ein einziger ungeheuerer Thier-garten. In den Forschungsreisen spielt die Jagd fast immer eine hervorragendeRolle; in manchen Reisewerken, wie jenen Brehms, Samuel Bakers, Holubs, sindlange Capitel mit Mittheilungen über Wild und Jagd, Jagdabenteuer u. dgl. gefüllt.Serpa Pinto, Livingstone, Stanley verschmähen nicht, in ihre wissenschaftlichenUntersuchungen weidmännische Episoden einzuflechten und dieserart den trockenenStoff zu beleben. Manche afrikanische Gebiete Algier, Nubien, der östliche Sudan,Abessinien bilden die Ausflugsziele europäischer Nimrode von Rang und Stand,und die letztgenannten Gebiete sind der unerschöpfliche Wildpark, aus denen euro-päische Thiergärten und Arrangeure von zoologischen Schaustellungen ä la Hagenbeckihren Bedarf bestreiten. Hierbei handelt es sich freilich immer um Thiere höhererOrdnung; die Wissenschaft hat sich aber auch der nieder organisirten Lebewesen an-genommen, und auf diese Weise das reiche, vielgestaltige animalische Leben Afrikaszu einem übersichtlichen Bilde gestaltet.

Indess ist die Jagd, welche zwar manches Volk ernährt,nicht der wichtigste Factor, welcher mit der Thierverbreitungzusammenhängt. Eine weit grössere Rolle spielen die Haus-thiere. Sie ist dieselbe, welche die sogenanntenCulturpflanzenim Pflanzenreiche spielen. Näher auf dieses Moment einzugehen,erscheint uns kaum nöthig. Auch hierin treten die Factoren dernatürlichen Existenzbedingungen gewisser Verbreitungsgebieteals allein massgebend auf. Das Rennthier in den nördlichstenStrichen Europas, das Pferd, Rind u. s. w. der gemässigtenZone, das Kameel der subtropischen Zone, der Elephant dertropischen Zone Asiens sind Hausthiere, welche nur unter Vor-aussetzung der örtlichen Lebensbedingungen in Frage kommen.Der Mensch hat freilich das eine oder andere Hausthier aufeinen ihm fremden Boden verpflanzt, d. h.acclimatisirt. MancherVersuch ist missglückt, weil er natürlichen Verhältnissen Zwanganthat; andere Versuche sind gelungen, wobei auf die betref-fenden Arten Klima und überhaupt örtliche Verhältnisse sogarorganisch umgestaltend einwirkten.

Nach A. R. Wallace zerfällt die Erde in zoographischer Beziehung i nfolgende sechs Regionen: I. Paläarktische (Europa, das gemässigte Asien biszum Himalaya, Nordarabien bis zum Atlas). 2. Aethiopische (Afrika und Arabiensüdlich vom Wendekreis des Krebses einschliesslich Madagascar). 3. Indische(Vor- und Hinterindien, Südchina, malayischer Archipel bis Celebes und Lombok,dann Formosa). 4. Australische (Australien und Polynesien, sammt dem Sand-wich- und Mariannen-Archipel. Im Westen durch eine Linie zwischen Borneo undCelebes, und Bali und Lombok abgegrenzt). 5 * Neotropische (Südamerika,Westindien und Mexiko bis zum Wendekreis). 6. Nearktische (Nordamerikanördlich vom Wendekreis).

Diese Eintheilung gilt indess nur für die Thierwelt des Festlandes. Man hataber auch das Meer in ähnliche Regionen (Reiche ) eingetheilt, und ist die Einthei-lung Schmardas die allgemein übliche. Nach ihm zerfällt das Whltmeer in Bezugauf seine Bewohner in folgende zehn Reiche:

1. Nördliches Eismeer: Reich der Meersäugethiere und Kehlfusskrebse.

2. Antarktisches Meer: Reich der Meersäugethiere und Pinguine.

gesetzten Verhältnissen. Das Klima, beziehungsweise die Wärme,als die Quelle alles Lebens, hat den grössten Einfluss auf dieEntwickelung der Thierwelt, vorausgesetzt, dass die erste Exi-stenzbedingung die Nahrung vorhanden ist. UnterAn-passung endlich versteht man Erscheinungen, welche dasNaturleben hervorbringt und durch welche gewissen ThierenSchutzmittel gegen Ausrottung oder Vernichtung im Kampfeums Dasein zu Theil werden. Hartmann berichtet, wie in derostafrikanischen Wüste sich die Thierwelt in ihrer Färbung undihrem Gebahren der in den Sand- und Steinmassen jener un-ermesslichen Einöden herrschenden Färbung und der daselbstherrschenden Oberflächenbildung anschliesst.

Man sieht, dass der Entwickelung des Thierlebens man-cherlei Hindernisse entgegentreten können. Ortsveränderungen(Migration), durch welche namentlich in der ersten Entwickelungbegriffene Individuen in einen bereits besetzten Raum gelangen,kann ihnen die Vernichtung bringen. Am schlimmsten daran sinddie Wanderthiere, welche in Folge der Ortsveränderung inungeheueren Mengen zugrunde gehen. Auch die Beschaffenheitdes Bodens ist ein Factor, welcher der Verbreitung gewisserThierarten unüberwindliche Hindernisse entgegenstellt. Es giebtThiere, welche niemals die Ebenen verlassen, um die Höhenhinanzusteigen, andere wieder, welche unfähig sind, Wasser-hindernisse zu übersetzen. Daraus folgen verschiedene örtlicheBedingungen für die grössere und kleinere Entwickelung derThierwelt.

Wir haben bereits erwähnt, dass die heisse Zone das reichste Thierleben ent-faltet. Aber auch hier entscheidet das Klima nicht allein; es muss auch die Bedin-

Wüstenfüchse (Fenek) und Springmäuse.

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