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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die schlichfhaarigen Rassen.

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unklar, die Merkmale geistiger Re-gungen äusserst schwach entwickelt.

Die nächsten Repräsentantender straffhaarigen Rasse sind dieArktiker und die Amerikaner.

Zu ersteren zählen die Jukagiren,die Tschuktschen und Kamtschada-len, die Ainu und Jenissei-Ostjaken,die Aleuten u. a. An der ameri-kanischen Rasse unterscheidet manzwei Factoren: die ehemaligen altenCulturvölker (Mexikaner, Peruaner)und die Naturvölker, schlechtwegIndianer genannt. Letztere sinddurchaus kein einheitlicher Typusin Bezug auf gewisse psychischeMomente, wohl aber in physischerBeziehung, soweit nicht Einflüsseder räumlichen Ausdehnung desStammlandes in Betracht kommen,da Amerika von der arktischen Re-gion bis in die antarktische reicht...

Im geographischen Sinne unter-scheidet man nord-, central- undsüdamerikanische Indianer.

Der landläufigen Vorstellung von eineramerikanischenRotlihaut entspricht am bestender Indianer Nordamerikas, speciell der derUnionstaaten. Dieser Repräsentant der straff-haarigen Rasse in der neuen Welt, dem be-kanntlich durch einen ganz speciellen Zweig derLiteratur ein romantischer Nimbus zu Theilwurde, den er durchaus nicht verdient, ist demunaufhaltsamen Dahinschwinden anheimgefallen.

Es sind die Culturbestrebungen derweissenRasse, welche den nordamerikanischen In-dianerstämmen derart hart zugesetzt haben, dass ihr gänzliches Aussterben nur mehr

eine Frage der Zeit sein kann.

Die Eigentümlichkeiten ethnischer Natur der central- und südamerikanischenIndianer sind ungemein mannigfach nnd können erst in dem AbschnitteAmerikanäher beleuchtet werden.

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Australier, den Bumerang schleudernd.

völker Chinesen und Japaner

angehören, deren Civilisation älterals die irgend eines anderen Volkesder Welt ist. Die mongolische Rassebildet also auch in culturgeographi-scher Beziehung eine bedeutendeEtape in der geistigen Entfaltungder Menschheit ganz abgesehenvon der politischen und staaten-bildenden Rolle, welche die eigent-lichen Mongolen in früheren Jahr-hunderten gespielt haben. Zu denMongolen gehören ferner zwei Völker

Tibeter und Koreaner welchewie wenig andere auf dem Erdballdem Forschertriebe der EuropäerHindernisse in den Weg zu legenwussten. Korea und Tibet sind nochimmer dieverschlossenen Länderunseres Planeten.

Die Reihe der lockenhaari-gen Rassen eröffnen die Dravidas.Vor der Einwanderung der Arier inIndien war die Dravidarasse vonder Südspitze von Indien bis zumHimalaya die herrschende. Als dann,etwa zwischen 2000 und 1500 v. Chr.,die arische Einwanderung erfolgtwar, schwanden die autochthonenVölkerschaften mehr und mehr dahin,indem sie von den nordischen Er-oberern entweder unterworfen undihnen assimilirt, oder in die süd-licheren Gebiete Indiens verdrängtwurden. Aber selbst der Dravida-

stamm im Inneren von Südindien zerfällt in sprachlicher Be-ziehung in mehrere grosse Gruppen. Diese Zweigfamilien sinddie Tamulen, Talingas, Gondas und Khonds. Zu Gliederndes Dravidastammes im engeren Sinne zählen: die Kanaresen,

Der ""fünfte Repräsentant der straffhaarigen Rassen sind I Malabaren und die Todas.

P ^rr 11 v>^Kr_ I Was die Singhalesen auf Ceylon anbelangt, sind sie ein

dort autochthoner Stamm, der zur Dravidarasse gehört. Gleich-wohl sind von der eigentlichen Urbevölkerung nur spärlicheReste vorhanden, während die grosse Mehrheit der Insel-bewohner einer Mischrasse angehört. Für die Ueberreste derAutochthonen werden die Vedda im sogenannten Veddarata-Districte im Osten der Insel angesehen.

Der zweite Repräsentant der

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die Malayen. Spielarten dieses Volkes Melanesier, Poly-nesier etc. sind über die ganze oceanische Inselwelt ver-breitet. Die eigentlichen Malayen gelten für ein intelligentesVolk. Dagegen weiss man, dass der Malaye bei bedingterTapferkeit zu Lande (auf der See sind sie Alle unerschrocken)einen ausgesprochenen Trieb zur Grausamkeit und zu geschlecht-lichen Ausschreitungen hat. Dass auf der ganzen Rasse eineschwere Melancholie brütet, gehtschon aus dem ernsten, gemessenenBetragen, aus der Abneigung zuScherzen und Zeitvertreib hervor.

Hand in Hand mit der Lebensverach-tung geht ein Brauch, der auf demganzen Erdbälle nur unter den Ma-layen angetroffen wird. Es ist diesdasAmoklaufen. Durch einenplötzlichen Entschluss getrieben, be-waffnet sich der Malaye mit zweiDolchen und stürzt damit in diebelebtesten Strassen, Jeden nieder-stossend, der ihm in den Weg kommt.

Wo man dem Amokläufer Wider-stand entgegensetzt, endet die Metze-lei schliesslich mit dem Tode desVerrückten. Beiläufig sei bemerkt,dass es unter den Malayen im In-neren Sumatras Anthropophagen derscheusslichsten Art giebt.

Auf die vielen Zweigfamiliender Mongolen können wir hierortsnicht näher eingehen. Die eigent-lichen Mongolen, die der ganzenVölkergruppe den Namen gegebenhaben, sindeinst der Schrecken derganzen Welt dermalen die unkrie-gerischeste Rasse Asiens. Die Mon-golen sind hauptsächlich Nomaden,und zwar Viehnomaden. Was sieaber im Range hoch über die meistenanderen Rassen Asiens stellt, ist,dass ihr zwei hochbeanlangte Cultur-

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Prairie-Indianer.

lockenhaarigen Rassen sind dieNubas. Sie zerfallen in zwei Ab-theilungen, deren westliche Fu-lahs genannt im westlichen Sudan,die östliche Nubas im engerenSinne im östlichen Sudan undangrenzendem Gebiet verbreitet ist.

Die Fulah (auch Fellata oder Fulbe)bilden, obwohl auch in Senegambien auftretend,in Futa Djallon den Hauptstock der Bevölke-rung. Sie fallen durch ihre physische Wohl-gestalt, ihre grosse Beweglichkeit, Intelligenzund leidenschaftliche Erregbarkeit auf. So langesie ihr Blut unvermischt hielten, ging ihnenoffenbar die Fähigkeit ab, grosse politische Ge-meinwesen zu bilden. In der Folge fanden aberzwischen ihnen und einigen Negerstämmen Kreu-zungen statt, welche von grossem Einflüsse fürdie weitere Entwickelung der Fulahrasse wur-den . . . Woher sie stammt, ist mit Sicherheitnicht anzugeben. Dr. Barth meint, sie sei ausOsten her eingewandert; gleichwohl hatte ereine Menge historischer Daten gesammelt, diees ihm unzweifelhaft erscheinen liessen, dass ihrUrsitz im westlichen Sudan, in Senegambien,zu suchen sei.

Die eigentlichen Nuba sind höchst wahr-scheinlich weder Neger noch mittelländischeHamiten, sondern ein Mittelschlag zwischenbeiden; indess ist es sehr schwer, eine scharfeGrenze zu ziehen, da zahlreiche Uebergangstypenzwischen den Nuba und den Negern stattfinden.Die Nuba siedeln in dem Raume zwischenDarfur im Westen und den Heimsitzen dersogenannten Bedschastämme (Hamiten) imOsten, dem 5.° Südbreite im Süden und Assuanim Norden. Hierzu zählen auch die eigent-lichen Nubier.

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