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Die Religionen.
Was schliesslich die Mittelländer betrifft, ist ihre Gliede-rung die nachfolgende:
I. Der baskische Stamm (Iberer).
II. Der kaukasische Stamm, i. Lesghier. — 2.Khisten.—3. Tscherkessen. — 4. Georgier. — 5. Suanen. — 6. Mingrelier. —7. Lasen.
III. Der hamito-semitische Stamm. Hamiten: 1. Aegypter.
— 2. Libyer (Berber). — 3. Aethiopen. — 4. Bedscha. — 5. Galla.
— 6. Somali. — 7. Urbewohner von Innerarabien. — 8. Ur-bewohner der Kanarischen Inseln. — Semiten: 1. Aramäer. —
2. Hebräer. — 3. Araber.
IV. Der indogermanische Stamm. 1. Inder. — 2. Era-nier. — 3. Albanesen. — 4. Hellenen. — 5. Romanen. — 6. Letto-Slaven. — 7. Germanen. — 8. Kelten (Gaelen, Iren, Bretonen).
Religionen. Wenn das Völkerlebender Erde an sich in seinen verschieden-artigen Erscheinungen ein grossartigesSchauspiel ist, so gilt dies noch vielmehr von jenen Gedankenkreisen, inner-halb welchen sich die Anknüpfungenfinden, die über diese Kreise hinaus ineinem gemeinsamen Punkte Zusammen-treffen. Dieser Punkt ist die Allmacht,die Göttlichkeit. Mag Vieles die un-zähligen Völker des Erdballes trennen:die Religionen verbinden sie. Selbstbei den rohesten Völkern besteht einBegriff von einem höheren Wesen. Wirdürfen mit Fug und Recht von einer„Religion der Wilden” sprechen, dennbis jetzt sind noch keine religionslosen Völkerstämme auf-gefunden worden.
Die Annahme einer aufsteigenden Entwickelung schliesst die Berechtigung ein,die Richtung auch nach unten zu verfolgen, wo der Mensch im rohesten Zustandegedacht werden muss, wo das Physische in ihm so sehr vorwiegt, dass er mit demThiere in gleicher Linie zu stehen scheint. Zu jener Zeit wäre also der Menschein Geschöpf ohne Bewusstsein und Selbstbewusstsein, ohne Ahnung von Religiongewesen. Jenes entfernte Stadium haben aber dye Wilden der Gegenwart ohne alleA.usnahme längst überschritten; ebensowenig wie ein sprachloses, giebt es einreligionsloses Volk.
Das religiöse Leben ist in Bezug auf seine Wesenheit freilich ein sehr ver-schiedenes ; es durchläuft alle Abstufungen von den rohesten, im finsteren Aber-glauben wurzelnden Anfängen bis zu der lichten Höhe heutigen Menschenbewusst-seins und läuternder Gotteserkenntniss, wie solche durch die Civilisation des Chri-stianismus jeden Culturmenschen beherrscht. Die stufenweise religiöse Entwickelung
Tamulin (Dravidastamm).
ist nichts Anderes als das geistige Vorwärtsschreiten der Völker selbst. Innerhalbdes weiten Gesichtskreises von den derzeit primitivsten Naturreligionen bis zumreinsten Gottglauben der Einheitsbekenner giebt es zahllose Erscheinungen von zumTheil erschütternden Einzelheiten. Was der Mensch jeder Culturstufe fast ausnahmslosanstrebt, ist die Herstellung eines innigen Rapportes mit dem höchsten Wesen. Wodie sittliche Läuterung, der eigene moralische Werth fehlt, werden solche Attributedurch den blinden Leidensfanatismus — der übrigens fast in allen Religionen ver-treten ist — ersetzt.
Alles, was Völker vollbringen und ersinnen, was sie grossund stark, oder schwach undklein macht, lässt sich auf reli-giöse Einflüsse zurückführen.
Diese Einflüsse bestimmen denmoralischen . Werth und densittlichen Gehalt der einzelnenVölker. Bei einigen deckt dasreligiöse Leben ganz und garalle geistigen Regungen (wiebei den Naturvölkern), bei an-deren (Culturvölkern) bildet diereligiöse Erziehung den Aus-gangspunkt aller civilisatori-schen Strebungen und Errun-genschaften.
Die Religionen der Völkerergeben zwei Erscheinungen:
1. das Wesen der Religionen,was so viel bedeutet als ihrculturgeschichtlicher WertK;und 2. die religiösen Bethäti-gungen der Völker (kurz For-malismus genannt), welche von Volk zu Volk, von Zone zuZone wechseln. Die erste Erscheinung ist culturgeschicht-licher Natur, die letztere ethnographischer.
Die Religionsbekenntnisse zerfallen in folgende Haupt-gruppen:
' 1. Schamanismus (Heiden)
2. Brahmaismus (Inder) .
3. Buddhismus (Chinesen,paner etc.) ....
4. Mosaismus.
5. Mohammedanismus
6. Christianismus . . .
Chinesische Frau.
Vielgötterer
Einheits-
bekenner
Ja-
ca. 116 Millionen
740
7
180
n 4 QQ _ v _
ca. 1443 Millionen.