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Das Aegäische Meer.
welche in ganz eigen-tümlicher Weise zer-rissen, ausgebuchtetund meist steil ausdem Meere aufragen.
Nur die Ostküste,d. h. das Gestade desSchwarzenMeeresmacht hiervon eineAusnahme; es ist ein-förmig, wenig geglie-dert und hafenarm.
Auf die ausgedehn-ten Sumpflandschaf-ten des Donaudel-tas folgt nach Südender geradlinige hoch-stufige Küstenrandder Dobrudschabiszum Cap Celigra,wodas Meer sich nachWesten einbuchtetund die Küste bogen-förmig bis zum Ost-ende des Balkan —demCap Emineh —verläuft. Südlich desBalkan ist die vielfachgegliederte Buchtvon Burgas bemer-kenswert. Von hierbis zum Bosporus er-streckt sich der ein-förmige hafenarme thrakische Küstenstrich mit mehr oderweniger hoher Uferstufe.
Die Südküste der Balkanhalbinsel unterscheidet sichwesentlich von der Ostküste. Sie schliesst im Südosten mit dergegenüberliegenden Küste von Kleinasien das Marmarameerein und säumt Thrakien — von dem flachen, versumpften Mün-dungsgebiete der Maritza abgesehen — als buchtenreiches Hoch-ufer. Der an der Mündung des Mesta beginnende makedonischeKüstenrand ist in erster Linie bemerkenswert durch die grosseChalkidische Halbinsel, welche aus der flachen festländischenEbene nach der Seeseite rasch ansteigt und sich an dem End-punkte der östlichen der drei fingerartig ausgreifenden Halb-inseln im Berge Athos (Hagion Oros) bis 1935 Meter Seehöheerhebt. Die Athoshalbinsel hängt nur mit einem flachen Isthmusmit der eigentlichen Chalkidischen Halbinsel zusammen. Es istdies die Stelle, wo Xerxes den Schifffahrtscanal graben liess,um seine Flotte nicht um das stürmische Vorgebirge des Athosführen zu müssen. Auf der Westseite der Chalkidischen Halb-insel greift die vorzüglich geschützte Bucht von Saloniki tiefins Festland hinein, worauf die Küste scharf nach Süden undin der Folge nach Südosten abschwenkt.
In diesem Küstenabschnitte — dem makedonisch-thessa-lischen — treten mächtige Gebirge hart an die Küste heran,deren bedeutendste Olymp und Ossa sind. Zwischen ihnen
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Die Athoshalbinsel.
Mentone.
öffnet sich das romantische Defile des Salambriaflusses, imAlterthum als „Thal Tempe” gefeiert. Noch weiter nach Süd-osten zeigt sich das dörferreiche Peliongebirge als hoheHalbinsel, die sich an ihrem Ende einwärts krümmt und denherrlichen Golf von Volo bildet. .Dem Eingänge liegt dasNordende der grossen Insel Euböa (Negroponte) vor. Zwischenihr und dem griechischen Festlande windet sich ein schmalerMeeresarm. Hier ist die Küste hafenreich, aber t vereinsamt. Beiden weltberühmten Thermopylen ist Sumpffeld. Bei der durchihre merkwürdigen Gegenströmungen bekannten Meerenge vonEuripos tritt die Insel Euböa so nahe an das Festland heran,dass beide durch eine Brücke miteinander verbunden werdenkonnten.
Die übrigen Küsten Griechenlands bieten ein Bildmannigfaltigster Gliederung. Der an sich reichlich durchbuchteteund zerrissene Peloponnes hängt nur durch die schmale Land-enge von Korinth mit dem Festlande zusammen, ist aber seitHerstellung des maritimen Canals von Korinth eigentlich eineInsel. Zu beiden Seiten der genannten Landenge erstreckt sichöstlich der Golf von Aegina, mit zahlreichen Nebenbuchten,westlich der langgestreckte, im Hintergründe von hohen Ge-birgen (im Norden der Parnass, im Süden das arkadische Hoch-land) erfüllte Golf von Korinth, der durch eine 4 Kilometerbreite Meeresenge mit dem Golfe von Patras, beziehungs-weise mit dem Ionischen Meere in Verbindung steht. — Die Südhälftedes Peloponnes zeigt drei tiefe Einbuchtungen: den Golf von Nauplia —etwas nach Norden gerückt — und die Golfe von Maratonisi und Koron,welche von drei Halbinseln — der lakonischen im Osten, der maino-tischen in der Mitte und der messenischen im Westen — eingeschlossenwerden. Die mittlere dieser Halbinseln reicht am weitesten nach Südenund endet mit dem Cap Matapan, dem südlichsten Punkte des europäi-schen Festlandes. Im Westen des Peloponnes liegt der flache Golf vonArkadia, welcher nordwärts in die Inselcanäle übergeht, die den Ioni-schen Archipel vom Festlande scheiden.
Die Küste dieses Festlandes — Epirus — ist förmlich zersägt, besitztaber nur eine grössere Einbuchtung, den Golf von Arta, mit meistflachen, sandigen und sumpfigen Ufern. Im Hintergründe dieses Golfes stehtder hohe, finstere Pin dos. Von Prevesa, am Eingänge zum Artagolfe ge-legen, wendet die Küste nach Nordwesten und gestaltet sich allmählich zumSteilrande des Festlandes von Epirus. In den „Keraunien”, wo nachantiker Vorstellung die Pforten zur Unterwelt sich befanden, bildet dasKüstengebirge einen ungeheueren W^all, an welchen das von den Südwindenaufgewühlte Meer mit haushoher Brandung anschlägt.
Weiter wendet die Küste nach Norden und wird flach und sandig.Allenthalben münden hier Flüsse, welche im albanesischen Hochlande ent-springen. Der Verlauf des Gestades ist ein fast geradliniger. Erst bei derMündung des Drin greift ein flacher Golf in das Festland ein. Von hierab ist der Verlauf der Küstenlinie ein nordwestlicher und begreift von