Das osteuropäische Steppengebiet. — Das Gebirgsland Europas. — Die Alpen.
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Das Steppengebiethat ein wellenförmigesBodenrelief, und liegendie höchsten Stellen oftkaum 3oMeter über demSpiegel des SchwarzenMeeres, die niedrigstenoft nicht einen Meter.
Der Unterschied zwi-schen Höhe und Niede-rung ist im Grossen undGanzen so unbedeutend,dass selbst bei dem po-rösesten Boden niemalsdas Wasser in solcherMenge sich sammelnkann, um Quellen mitsichtbaren Abflüssen zubilden. Der höchstePunkt in diesem Gebietzwischen Pruth undWolga ist Bajdo, einkleiner Berg von nurioo Meter Höhe. Alleratmosphärische Nieder-schlag pflegt, sofern ernicht sogleich verdun-stet, durch die obereSchichte bis zur festengranitenen Unterlageeinzusickern. Je mäch-tiger die obere Schichte
ist, desto grössere Wasserquantitäten können sich in der Tiefeansammeln, aber um so beschwerlicher fällt zugleich, die Her-stellung der Brunnen, welche den Heerden und Hirten eineLebensbedingung sind. Die Steppe ist nämlich arm an Nieder-schlägen, so dass Stehwasser gar nicht vorhanden ist. Dazukommt, dass, strichweise häufig Regenpausen von einem undmehreren Jahren eintreten, Schneefälle selten oder nicht aus-giebig genug sind.
Die Trockenheit im südrussischen Steppengebiet wird noch durch folgendenUmstand hervorgerufen. Trotz der Nähe des Meeres besitzt jene Region ein excessivesContinentalklima; die Sommertemperatur ist im Durchschnitt dieselbe wie auf -Madeira (!), während die Wintertemperatur der des höchsten europäischen Nordensgleichkommt. Minima bis 25« C. sind die Regel. Die hohe Sommertemperatur erhitztden Boden und trocknet ihn derart aus, dass er Sprünge erhalt und die Erde zu Staubzerbröckelt. Die heisse, trockene Luft steigt beständig auf und. saugt alle etwa vor-handene Feuchtigkeit gierig auf. Dadurch kann die Wolkenbildung nur in Höhenstattfinden, wo sie für den atmosphärischen Niederschlag verloren geht. Das fort-gesetzte Aufsteigen der heissen Luft bedingt nun andererseits ein Nachströmenkälterer Luftschichten aus entlegeneren Gebieten. Diese Luftströmungen kommen oftaus Ost und Nordost und sind selbertrockene Winde, da sie auf ihrem weitenWege entweder über Steppenländer oderausgedehnten Culturboden streichen. Auchder Mangel an Vegetation ist ein Hinder-niss für die Ansammlung von Feuchtigkeit.
Schon im Frühsommer tritt eineunerträgliche Hitze ein. Anfangs nochwolkenlos, nimmt der Himmel nach undnach eine trübe Färbung an, und dieSonne zeigt sich förmlich verschleiert.
Auch bei reinem Himmel zeigen sich daund dort Dunststreifen auf den weitenEbenen. Sie deuten die Flussläufe an. Anden Uferstrichen des Schwarzen Meereskann man das merkwürdige Schauspielerleben, dass sich über der See heftigeGewitter entladen, während auf dem Fest-lande kein Tropfen Regen fällt. Ander-seits bringen die dichtesten Wolken,welche über der Erde ziehen, keinenNiederschlag; der aufsteigende warmeLuftstrom verhindert ihn. Erst über demMeere entladen sich heftige Regenschauer,da hier die Gegenwirkung nicht besteht.
Ein Abschnitt des südrussi-schen Steppengebietes ist Salz-steppe. Sie erstreckt sich vonder Krim bis zum Eltonsee,östlich der Wolga. Die Salz-gewinnung findet in ausgiebig-ster Weise statt. Diese Salz-steppe stellt sich dem Be-schauer als eine baumlose Ebenedar, deren Horizont, wie aufdem Meere, unmerklich in das
Südrussische Steppenlandschaft (Nowo-Tscherkask).
blaue, meist wolkenlose Firmament übergeht. — Die soge-nannte Nogaische Steppe im Gouvernement Taurien (nord-wärts der Krim) ist eine Steppe mit Pampascharakter, in deraber während der trockenen Jahreszeit das vegetative Lebennicht vollkommen abstirbt. — Alle Steppen sind der Schauplatzorkanartiger Luftströmungen, welche im Winter heftige Schnee-stürme hervorrufen, deren Gewalt jeder Beschreibung spottet.Von ihnen war bereits an anderer Stelle die Rede.
Auch der grösste Theil der Krim ist Steppenland undbildet den Tummelplatz zahlreicher Heerden, welche unter derObhut tatarischer und russischer Hirten stehen und weitenStrecken des Landes den Stempel des Nomadenthums auf-drücken. Der Küstenrand weist zahlreiche Lagunen und Hinter-wässer auf, welche von steilen Ufern, beziehungsweise ver-sumpften Rändern eingeschlossen sind. Diese Meerabschnittesind zwar die Oertlichkeiten einer sehr einträglichen Salz-gewinnung, sind aber zugleich die Brutstätten gefährlicherFiebermiasmen. *
Gegen die ungeheuere Aus- .dehnung des germanisch-sarma-tischen Tieflandes sind die übri-gen Ebenen Europas belanglos.Die relativ grösste derselbenist die niederungarische oderTheissebene (99.000 Quadrat-kilometer); hieran schliesst diewalachische oder Donau-tiefebene (83.000 Quadratkilo-meter), ferner dasTieflanddesPo (55.000 Quadratkilometer),dasfranzösischeTiefland imWesten Frankreichs, das nie-derrheinische in Holland,die pro venjalische und dieoberrheinische (von Basel bisMainz) Tiefebene.
Französisches Mittelgebirge; Valee du Mont Dore,
Das Gebirgsland.
Die Alpen. Den Kern deseuropäischen Gebirgslandes bil-den die Alpen. Sie ziehen vonNizza bis zum Montblanc innördlicher Richtung (275 Kilo-meter), wenden dann nach Ostenund behalten im Grossen undGanzen diese Richtung bis zu
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