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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Das Alpensystem. Das französische und das deutsche Mittelgebirge.

Deutsches Mittelgebirge: Der Schwarzwald bei Baden-Baden.

ihren letzten Ausläufern (740 Kilometer) bei. Ihre Breitewechselt zwischen 150 und 300 Kilometer. Das gesammteAlpengebiet umfasst (nach Klöden) einen Flächenraumvon 295.300 Quadratkilometer, wovon aber fast der dritteTheil (genau: 93.472 Quadratkilometer) auf die vorge-lagerten Hochebenen und Hügellandschaften entfallen. Dengrössten Antheil am Alpengebiete hat Oesterreich-Ungarn,dann folgt Frankreich, hierauf zu fast gleichen TheilenItalien und die Schweiz.

Trefflich schildert KLutzen den eigenartigen Charakter der Alpen:Gleich Riesenmauern einer gigantischen Feste, seltsam gezackt und starr,überbaut mit silberglänzenden Kuppeln, Felshörnern und Eispyramiden inphantastischem Gewirre treten sie vor den gefesselten Blick, unübersehbar undunzählbar in einzelnen Gebirgszügen, Gebirgsgruppen, Bergrücken, Hochebenen,Hochthälern, Durchbrüchen und Einsattlungen von den verschiedensten Formenund Grössen, Bekleidungen und Farben. So ausgestattet mit Erhabenheitenund Tiefen, mit waldigen und grasreichen Vor-und Mittelgebirgen, mit grossenund kleinen, länglichen und runden Thälern, so durchfurcht von Bächen undFlüssen, so eingeschnitten und umspült von Berg- und Landseen, so in Klüfte,Schluchten und Abgründe zerrissen, so durchtost von brausenden Wasser-stürzen, so durchdonnert von Gletscherbrüchen, Steinschutt- und Schnee-strömen wo anderwärts in Europa, wo sonst auf dem Erdenrund fände sichAehnliches auf gleich engem Raume zusammengedrängt?

Aber auch in anderer Beziehung sind die Alpen eines der bemerkens-werthesten Gebirge der Erde. Friedrich Umlauft macht darauf aufmerksam, dass dieAlpen schon durch ihre geographische Lage eine höhere Bedeutung für Europa erhalten,indem sie fast genau die Mitte zwischen dem Aequator und dem Nordpol einnehmen,und indem sie eine centrale .Stellung in Hocheuropa behaupten. Im Siidwesten mitdem Apennin verbunden, südostwärts durch den Karst mit den Gebirgen der Balkan-halbinsel in Zusammenhang, im Westen, Norden und Osten von den Mittelgebirgs-landschaften Frankreichs, Deutschlands und der Karpathen umlagert, beherrschen siealle diese benachbarten Erhebungssysteme. Eine geistreiche Bemerkung Adolf Schau-bachs weist darauf hin, wie unter dem Schutze der Alpen und ihrer südöstlichenFortsetzung in die griechische Halbinsel sich im Süden die antike Cultur un-gestört entwickeln konnte. Als dann die Schaaren nordischer Völker die .Schrankeüberstiegen, entstanden durch Vermischung mit den Romanen neue Völkerbildungen,welche die vorhandenen Culturkeime aufnahmen und sie zu jener hohen Gesittungentwickelten, welche das durch denselben Process aufgesogene Christenthum nachmalsüber unseren Erdtheil und später über den ganzen Planeten verbreitete.

Westlich vom Alpensysteme liegt das kleinste der dasAlpenland im Westen, Norden und Osten umgürtenden Mittel-gebirge das französische Mittelgebirge. Dazu gehörenim vSüden die Cevennen, welche sich in zahlreiche 1 Gliederauflösen. Ein Theil derselben bildet das Hochland der Auvergnemit dem Mont Dore und dem Puy de Dome. Mit demGebirgszuge Cote dOr und den Sichelbergen wird die Ver-bindung mit den Vogesen, welche parallel mit dem Rhein bisin die Gegend von Mainz verlaufen, hergestellt. Den NordenFrankreichs nehmen der Argonnenwald und die Ardennen(zwischen Frankreich und Belgien) ein. An der Mosel abwärtsstreichend gehen sie in die preussische Rheinprovinz über, wosie die Hohe Venn heissen und von da als Eifelgebirge bisgegen den Rhein.

Ein anderesGlied des französi-schen Mittelgebir-ges ist der Jura.

Er ist ein Gebirge,das zum Theil diewestlichen Canto-ne der Schweiz er-füllt und in Frank-reich mehrere pa-rallele Nebenket-ten hat, deren eineden östlichen Theilder Franche-Com-te durchzieht. Dieübrigen GebirgeFrankreichs sindcharakteristischdurch eine MassevonDefileen, durchwelche allenthal-ben sehr guteStrassen führen.

Das deutscheM i 11 e 1 g e birgebeginnt mit demmährischen Ge-senke, an welchesnordwärts dasman-nigfach verzweig-te System der Su-deten anschliesst.

Hierzu gehört auch das Riesengebirge mit der 1605 Meterhohen Schneekoppe. Am linken Ufer des Elbedurchbruches er-hebt sich steil zwischen Böhmen und Sachsen das Erzgebirge.Weiter gegen Westen folgt das Fichtelgebirge, an welchesin südöstlicher Richtung der Böhmerwald angegliedert ist.Zahlreich sind die Gebirgsglieder, mit welchen das deutscheMittelgebirgssystem nach Westen, Südwesten und Nordwestenbis an die Grenzen des Reiches ausgreift. Wir nennen denOdenwald (zwischen Main und Neckar), die Rauhe Alb inWürttemberg, den Schwarzwald in Baden. Im Norden streichender Thüringerwald, jenseits der Saale das rauhe und un-fruchtbare Rhöngebirge und im Südwesten desselben derSpessart, welcher auf drei Seiten vom Rhein bespült wirdund durch diesen Fluss vom Odenwald getrennt ist.

Durch die Kinzig vom Spessart getrennt, liegt nördlichvon diesem das Vogelsgebirge, weiter der Taunus (zwischenRhein, Main und Lahn); dann zwischen Lahn und Sieg derWesterwald, dessen nordöstliche Fortsetzungen schliesslich inden nordwestlich streichenden Teutoburgervfrald übergehen.Von diesem gemeinsamen Hauptzuge gehen verschiedene kleineParallelketten gegen den Rhein ab, den Raum zwischen dessenrechtsseitigen Nebenflüssen erfüllend. Isolirt von den ge-nannten Theilen des deutschen Mittelgebirges steht der Harzzwischen der Leine und Elbe. Sein höchster Punkt ist derBrocken.

Eingehender werden einzelne dieser Gebirgsglieder bei deneinzelnen Ländern Mitteleuropas behandelt werden.

Aus'der Hohen Tatra: I)er grosse Fischsee.