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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Der Apennin. Das Skandinavische Hochland, Die Pyrenäen. Kaukasus und Ural.

Der Apennin. Auch dieses, die ganze italienische Halbinselerfüllende Gebirgssystem hängt mit den Alpen (am Col SanGiacomo) zusammen. Die Apenninen ziehen zuerst nahe amGolfe von Genua als Ligurische Apenninen. Der Haupt-rücken erhält im Gebiete von Parma eine südöstliche Richtungund nimmt im weiteren Verlaufe bedeutend an Höhe zu, indemer sich gleichzeitig der adriatischen Küste bis auf geringe Ent-fernung nähert. Hier sendet er mehrere Zweige nach WestenSub-Apennin genannt erhebt sich aber nirgends zu nennens-werther Höhe. Erst mit dem Eintritte in die südliche Hälfteder Halbinsel erhält das Gebirge Alpencharakter und heissthier Abruzzen. Diese bilden zwei Hauptketten, welche dasThal des Aterno einschliessen. Hier findet man gewaltige Gipfel,von welchen der Gran Sasso dItalia bis 2908 Meter ansteigt.Von seinem Scheitelpunkte sieht man beide Meere.

Die Kette nimmt nun bedeutend ab, bald aber erhebt siesich wieder im Majella bis zu 2743 Meter. Im Westen liegtisolirt der Vesuv. Die Apenninen theilen sich sodann beimMonte Acuto in die apulischen, ein Niedergebirge, welchesgegen Tarent zieht, und in die calabrischen, welche bis zurMeerenge von Messina reichen. Eine Fortsetzung erhebt sichwieder auf der Insel Sicilien mit dem 3304 Meter hohen Aetna.Sicilien hat längs allen seinen Küsten namhafte Randgebirge,unter welchen die Monti Nebrodi am Nordrande die bedeu-tendsten sind. Das Innere der Insel bildet weit ausgedehnte,meist dürre Hochflächen mit zahlreichen niedrigen Querzügen.Auch die Inseln Corsica undSardinien sind von hohenGebirgen erfüllt.

Das Skandinavische Ge-birgssystem. Es repräsentirtdas nördlichste europäischeHochgebirge und zieht vonder südlichsten Spitze Nor-wegens (dem CapLindenäs)nordöstlich durch die ganzeHalbinsel in einer Länge von1700 Kilometer bis zumNord-cap. Die skandinavischen Ge-birge sind mit ausgedehntenFirnfeldern bedeckt und ha-ben dichte Wälder an denAbhängen. Im Inneren schroffund zerklüftet, besitzt dasGebirgsland eine sehr dünn-gesäete Bevölkerung, derenWohnstätten meilenweit aus-einanderliegen. Gegen die norwegische Küste hin fällt dasskandinavische Hochland, welches dort durch unzählige Fjordeund Canäle zerklüftet ist, mit mächtigen und steilen Wänden ab,während es nach Schweden hin in Stufen sich abstaffelt. Ueberalle anderen topographischen Details wird später die Rede sein.

Charakteristisch für das Relief des skandinavischen Gebirges ist, dass es keineKettenbildung, wie die Alpen, aufweist, sondern eine Reihe zusammenhängenderPlateaux. Auch in seinen Höhenverhältnissen bleibt es weit hinter den Alpen zurück.Der höchste Gipfel in Skandinavien ist der Galdhöpig, mit 2604 Meter, währendder Montblanc bis zu 4810 Meter ansteigt. Diese Plateaugestalt des skandinavischenGebirges, sowie die höhere Pollage des Landes bedingen die grössere Schnee-bedeckung des letzteren. Von der Höhe des weitausgedehnten Rückens ziehen oftprachtvolle Schneefelder bis an das westliche Ufer des Meeres herab und auch dieGletscher senken sich viel tiefer in die Thäler. Darum hört aber auch das Lebenschon in viel geringeren Höhen auf als in den Alpen. Was aber das skandinavischeGebirge in physiognomischer Beziehung voraus hat, ist die weitausgedehnte Verbindungdesselben mit dem Meere, die Zahl und Grösse der Wasserstürze, die Schneebedeckungund die ernste, farbige Pracht der Landschaften im Scheine der Mitternachtssonne.

Die Pyrenäen. Wir haben andernorts gehört, dass die ganzeiberische Halbinsel ein Tafelland ist, auf welches ein Systemvon Gebirgsketten aufgesetzt ist, welche stellenweise eine be-deutende Höhe erreichen. Vom innersten Winkel des Biscay-schen Golfes aus säumt ein langgestrecktes Gebirge den nörd-lichen Rand der Halbinsel, und zwar im Osten als c an ta-brisches, in der Mitte als asturisches und im Westen alsgalicisches Gebirge, welch letzteres bis an das Gap Finisterrereicht und im Grenzgebiete von Portugal sich zu einem derschwierigsten Terrains in Europa gestaltet. Wilde Felskettenbilden enge, tiefeingeschnittene Thäler. Auch die altkastili-sche Hochebene, in welche sich der Südabhang des cantabri-schen Gebirges verliert, ist im hohen Grade durchschnitten.

Hier erstreckt sich die centrale Hochebene, welche vonder iberischen Kette und ihren Aesten überragt wird. Sielöst sich in der Nähe der Ebroquellen von den cantabrischenGebirgen ab, geht anfangs südöstlich, dann südwärts mit nurwenig bedeutenden Höhen bis zur Südostküste Spaniens undbesteht aus einer Reihe von Gruppen, welche Kettengliedernach rechts und links entsenden. Diese letzteren haben ver-schiedene Namen und bedingen die örtliche Physiognomie desmittleren und östlichen Spanien, entziehen sich also vorläufigder Detailschilderung. Dieses ganze centrale System reicht biszum Guadalquivir. Südlich desselben baut sich ein Hochgebirge

jenes der Sierra Nevada auf, mit dem höchsten Gipfelausserhalb des Pyrenäengebirges dem Cumbre de Mulhacen(3567 Meter). Der Abfall gegen das Meer (Apuljarras genannt)ist steil und rauh. Südwestlich schliessen sich an die SierraNevada die mässig hohen, gegen das Meer aber steil abfallen-den Küstenberge von Malaga und die ungemein verworreneund zerrissene Sierra de Ronda im südlichsten Theile derHalbinsel.

Trotz ihrer partiellen Wildheit und bedeutenden Elevationspielen die iberischen Gebirge gleichwohl nur eine Nebenrollegegen das Hauptgebirge dieses Gebietes die Pyrenäen.Sie haben durchwegs Hochgebirgscharakter und sind nächstden Alpen und dem skandinavischen Hochlande die interessan-teste Massenerhebung unseres Erdtheiles. Dazu kommen gewisseEigenthümlichkeiten, welche die Pyrenäen in mancher Hinsicht

von ihren Rivalen auszeich-nen. Das bezieht sich zunächstauf die wunderbare Regel-mässigkeit des plastischenAufbaues der Pyrenäenkette;dann auf die Armuth an Län-genthälern und die merkwür-dige Gestalt der Querthälerder sogenanntenCircusthä-ler. Dieselben sind von stei-len Wänden eingeschlosseneFelsenkessel, fast kreisrundgeschlossen und amphithea-terartig ansteigend.

Circusthalweltberühmte vone. Die Pracht der land-schaftlichen Scenerie, der himmelhohenMauern, der Eis- und Schneefelder, dergrossartigen Felsstaffeln, über welchezahlreiche Wasserfälle aus ausserge-wöhnlicher Höhe cascadenartig zu Thalgehen, ist unbeschreiblich. Dagegen besitzen diese Thäler und überhaupt das ganzeGebirge keine Seen, etliche vom Schneewasser genährte kleine Becken ausgenommen.Auch in landschaftlicher Beziehung sind merkwürdige Gegensätze zu verzeichnen:der anmuthige, wald- und parkreiche westliche Abschnitt, der wilde alpine, mittlereund der felsige, dürre östliche Abschnitt von fast afrikanischem Aussehen, mit ver-staubten immergrünen Gewächsen, Aloehecken und Sandufern.

Der höchste Gipfel in den Pyrenäen ist der Pic de Nethou(3402 Meter), von dessen Spitze man bei heiterem Winterhimmeldie beiden Meere erblicken soll. Andere Bergriesen sind Mala-detta und Mont Perdu. Charakteristisch für die ganze Ketteist deren Massenhaftigkeit und Verschlossenheit. Fast alle Pässeliegen ungemein hoch und im centralen Theile kennt man nurSaumwege, auf welchen das Gebirge überschritten werdenkann. Einer der wildesten und romantischesten Pässe ist dieRolandbresche, von derem Südende aus man in diescheinbar unbegrenzte blauduftige Ebene des Ebro hinabsieht

ein Blick aus beängstigender Wildniss in das Land der Ver-heissung.

Kaukasus und Ural, welche Grenzscheiden zwischenEuropa und Asien sind, ihrer Natur nach aber zu letzteremWelttheile gehören, kommen vorläufig nicht in Betracht. Da-gegen wären die Insulargebirge, deren Oertlichkeiten wirerst in einem der nachfolgenden Abschnitte kennen lernenwerden, hier wenigstens kurz anzuführen. Es sind dies die Ge-birge Grossbritanniens und jene Islands jene durch dieeinsame Gebirgswelt der schottischen Hochlande, diese durchihre Vulcane und grossartige nordische Natur ausgezeichnet.Beide Gebiete liefern dankbaren Stoff zu landschaftlich-physio-gnomischen Schilderungen, die ihnen weiter unten in erschöpfen-dem Masse zu Theil werden.

Das ausgezeichnetstedieser Art ist dasG a v a r n i

,Cirque de Gavarnie, Hochpyrenäen,

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