Gibraltar.
A. Westeuropa.
I.
D
as
Königreich Spanien.
Das Königreich Spanien nimmt den grössten Theil derpyrenäischen Halbinsel ein, indem es von derem Gesammt-flächeninhalt ungefähr fünf Sechstel umfasst, während einSechstel auf das Königreich Portugal entfällt.
Lage und Grösse. Das Königreich Spanien erstreckt sichdurch ungefähr dreizehn Längengrade und acht Breitengradeund bedeckt eine Bodenfläche von 495.625*5 Quadratkilometer.Mit Ausnahme der trockenen Grenze, durch welche das Landvon Portugal geschieden ist, und den Pyrenäen, welche denGrenzwall gegen Frankreich bilden, ist Spanien rings vomMeere bespült. Daraus erklärt sich die grosse Rolle, welchedas Land vormals als Grossmacht und überseeischer Machtfactorspielte, in welcher Rolle es seitdem von anderen seefahrendenNationen weit überflügelt wurde.
Bodengestalt. Von der Oberflächengestalt der pyrenäischenHalbinsel war bereits im vorangegangenen Abschnitte im All-gemeinen die Rede. Wir müssen nun das Gerippe derselben imDetail zeichnen. — Das Hauptgebirge sind: 1. die Pyrenäen,welche sich in einer Länge von 410 Kilometer vom BiskayischenGolf bis zum Mittelmeere erstrecken. Die Breite des Gebirgs-zuges beträgt in der Mitte ungefähr 115 Kilometer und schrumpftgegen beide Enden erheblich zusammen. Obwohl die mittlereGipfelhöhe der Pyrenäen bedeutend niedriger ist als die derAlpen, ist die mittlere Kammhöhe gleichwohl eine höhere.Daraus folgert, dass es an gangbaren Pässen fehlt. In derrhat bestehen nur zwei solcher Uebergänge, welche auch demWagenverkehr offen stehen: der eine im Westen bei Irun,der andere im Osten bei Gerona.
Das Grenzflüsschen ist die Bidassoa; auf der französischen Seite liegt Irun,auf der spanischen Hendaye. An der Mündung des genannten Grenzflüsschens liegtdas ungemein malerische Fuente arabia. Graues Gemäuer und dahinter einChaos von braunen Häusern auf schwindelnd hohen Terrassen. Bei dem Ueber-tritte von Frankreich nach Spanien hat man keineswegs den Eindruck, als würdeein grosses Gebirge überschritten. Das ist überhaupt nicht der Fall, denn dieEinbruchslinie (jetzt Eisenbahn) verläuft hart am Meere, das nur ab und zu denBlicken entrückt ist. Die Tunnels, welche in den stellenweise bedeutenden Ufer-felsen gebrochen sind, erinnern entfernt an den Schienenweg längs der ligurischenRiviera. So gelangt der Reisende, welcher kurz' zuvor französischen Boden ver-lassen hatte, unversehens nach San Sebastian und hat die Pyrenäen im —Rücken!
Der König der pyrenäischen Hochgipfel ist die Mala-detta (Pic Nethou, 3411 Meter); hieran schliesst der MontPerdu (3352 Meter) und der zweite Pic du Midi (2885 Meter).
— 2. Das cantabrische Gebirge, längs des ganzen Nord-randes von Spanien ziehend. Die höchsten Gipfel steigenhier bis zu 1950 Meter an. Das Gebirge ist 983 Kilometerlang und eigentlich nichts Anderes als eine westliche Fort-setzung der Pyrenäen. — 3. Das castilische Scheide-gebirge, welches sich in mehrere Ketten gliedert und biszu 2600 Meter ansteigt. — 4. Das andalusische Scheide-gebirge mit der Sierra de Aroche östlich des Guadiana
und der Sierra Morena in der Mitte. Die höchsten Gipfelerreichen 1140 Meter. — 5. Das iberische Gebirge (auchiberisches „Quellenland” genannt) ist die grosse, von Nordennach Süden streichende Wasserscheide, an der — der Minchoausgenommen — sämmtliche grossen Flüsse der Pyrenäen-halbinsel entspringen. Da die Wasserscheide der Ostküsteerheblich näher liegt als der Westküste, ergiessen sich, mitAusnahme des Ebro, alle grossen Flüsse — im UnterlaufePortugal durchströmend — in den Atlantischen Ocean. DieseFlüsse sind: der Duero (in Portugal Douro), Tajo (in PortugalTejo), der Guadiana und der Guadalquivir. Der Minchoentspringt am Südhange des cantabrischen Gebirges. DerHauptfluss des Mittelmeergebietes ist der Ebro, welcher dasgrosse aragonische Tiefland (160 Meter) durchströmt. Er-wähnenswerth ist noch die Segura, welche unweit von Murcia,und der Jucar, der südlich von Valencia ins Mittelmeer fällt. —An das iberische Quellengebirge schliesst im Südwesten 6. dieSierra Nevada mit dem Cumbre deMulhacen (3567 Meter) an.
Die ganze pyrenäische Halbinsel bildet ein gewaltigesTafelland, welches durch die vorgenannten Gebirgszüge inmehrere Abschnitte zerfällt. Man unterscheidet: das HochlandAltcastilien (796 Meter); Neucastilien (596 Meter) und dasTiefland Andalusien (157 Meter), insgesammt westlich deriberischen Wasserscheide; alsdann das Hochland von Murcia(969 Meter), von Cuenka (1296 Meter) und das aragonischeTiefland östlich der Wasserscheide.
Parallel zu den Gebirgszügen strömen die weiter oben ge-nannten Flüsse der iberischen Halbinsel. Der einzige von Be-deutung ist der Guadalquivir (602 Kilometer Lauflänge), derbis Sevilla schiffbar ist. Höher hinauf bilden die Sandbänke und
Maladetta.
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