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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. II. Das Königreich Portugal.

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dann Burgos (29.000 Einwohner), ehemals Hauptstadt von Alt-castilien und Geburtsort des Cid, dessen Grabstätte sich hierbefindet. Etwas südlicher, am Nordhange des Guadarrama-gebirges, liegt Segovia mit dem königlichen Schlosse LaGr an ja in einer Berggegend, welche durchaus nichts Spa-nisches hat.

Im Westen von Segovia liegt Salamanca (18.000 Ein-wohner), eine der alterthümlichsten Städte Spaniens. Altberühmtist die 1240 von Valencia hierher verlegte Universität, auswelcher im 15., 16. und 17. Jahrhundert der grösste Theil derspanischen Gelehrten und Schriftsteller hervorgegangen ist.Ueber den Tormesfluss führt eine merkwürdige Brücke mit27 Bogen. Die südwestliche Grenzprovinz Estremadura hatnur einen Platz von Bedeutung Badajoz (22.000 Einwohner),welches unfern der portugiesischen Grenze liegt und stark be-festigt ist. Die über den Guadiana führende grossartige Brückeist eine der schönsten in Europa.

Der nordische Charak-ter von Leon und Altcastilientritt noch schärfer in dennördlichsten Provinzen desReiches, zumal in Galicienhervor. Es ist ein Land vongrossen Naturschönheiten,mit einer abgehärteten Bevöl-kerung, welche in mancherHinsicht an die schottischenHochländer erinnern. Gewissist, dass in ihren Adern mehriberisches als romanischesBlut fliesst. Die Männersind kräftig und hübsch, dieFrauen aber, von Jugend aufan harte Arbeit gewöhnt, beizunehmendem Alter ausser-gewöhnlich hässlich. Be-merkenswerthe Orte sind:

San Jago de Compostela(34.000 Einwohner), ein be-rühmter Wallfahrtsort mit dem Grabe des spanischen National-patrons. La Corufia und Ferrol sind starke Kriegshäfen m zweifjordartigen Buchten an der äussersten Westküste von Spanien.

Westlich von Galicien erstreckt sich als Küstenprovinzam Nordhange des cantabrischen Gebirges das FürstenthumAsturien, die Wiege der spanischen Monarchie. Von hierauswurde das ganze Land nach und nach den Mauren entrissen.Es ist ein gebirgiges, rauhes Land von nordischem Typus. icHauptstadt ist Oviedo (34.000 Einwohner) mit interessanterKathedrale. Vom Kloster Christo de las Cadenas geniesstman eine grossartige Fernsicht.

Den östlichsten Theil des cantabrischen Küstenlandes undTheile der westlichen Pyrenäenlandschaften nehmen die Baski-schen Provinzen ein. Hauptorte sind: Bilbao (34.000 Ein-wohner), in reizender Lage, Mittelpunkt des eigentlichen Vis-caya; San Sebastian (21.000 Einwohner), in einem prächtigen

Culturland gelegen, mit hohem Uferfels, auf welchem das Castellthront.Vitoria (25.000 Einwohner), bekannt durch den SiegWellington^ im Jahre 1813 Tolosa, Irun u. s. w.

In das Ebrobecken theilen sich die alten KönigreicheNavarra (mit dem befestigten Pamplona 25.000 Einwohner

als Hauptstadt) und Aragonien, letzteres eine breite dürreEbene, durchzogen vom Kaisercanal mit Zaragossa (81.000Einwohner), berühmt durch die Vertheidigung gegen die Fran-zosen 1808 und 1809 und das Fürstenthum Catalonien, dieindustriereichste Provinz von Spanien mit der grossen, auf-blühenden Hafen- und Handelsstadt Barcelona (247.000 Ein-wohner), nächst Madrid die bedeutendste Stadt Spaniens.

Die Promenadestrasse Rambla in Barcelona ist die glänzendste dieserArt in Spanien. Es ist eine steinerne Pracht, die man selbst in Madrid nicht kennt,ein Menschengewühl, wie nur irgend in einer europäischen Grossstadt, ein Stimmen-gewoge, als brande das Meer bis zu diesem Boulevard herauf, wo unter LaubkronenMarmorbilder schimmern und allenthalben grosser Luxus wahrzunehmen ist. Cata-lonien und mit ihm Barcelona schritten1 stets an der Spitze der Civilisation inj Spanien. Hier wurden zuerst Diligencenj und Eisenbahnen eingeführt, hier die1 liberalen Institutionen unentwegt ver-! theidigt. Die Catalanen sind die fleissig-1 sten Bewohner der Halbinsel und dieser| Regsamkeit verdanken sie ihren grossen% Reichthum. Von den vier Provinzen, in\ welche Catalonien zerfällt, ist Tarra-| gona die fruchtbarste, Lerida die4 wüsteste, Barcelona die gewerb-1 fleissigste, Gerona die romantischeste,

1 Die grössten Sehenswürdigkeiten sind

2 die Salzgruben von Cardona, der Mont-I serrat und die Alterthümer von Tarra-I gona. Die Catalanen sind keine Voll-I blut-Spanier und ihre Sprache unter-

scheidet sich von der spanischeni Schriftsprache (dem castilischen Dia-| lekt) etwa wie das Plattdeutsche vom1 Hochdeutsch.

I Von den zu Spanien ge-

| hörenden Inselgruppen derBalearen und Pityusen zeich-nen sich die ersteren durchein paradiesisches Klima, hohe landschaftliche Schönheiten undbemerkenswerthe Bauwerke aus. Den Balearenarchipel bestehtaus den Inseln Mallorca (mit der blühenden Hauptstadt derbeiden Inselgruppen, Palma, 59.000 Einwohner), Menorca (mitMahon als Hauptort, an einem der schönsten und grösstenHäfen der Welt) und Cabrera. Die Bevölkerung der Balearen

im Alterthume berühmt als geschickteSchleuderer, daherder Name zählt mit den Catalanen zu den fleissigsten Be-wohnern Spaniens. Die Pityusen bestehen aus den beidenkleinen Eilanden Ibiza (mit der gleichnamigen Hauptstadt)und Formentera. Ihr Reichthum an Fichtenwäldern hat ihnenden Namen (Pityusen = Fichteninseln) gegeben.

Colonien. Dieselben werden in den betreffenden Erdtheilen ausführlich be-sprochen werden. Wir erwähnen: die Presidios, die Canarischen und Guinea-Inseln in Afrika; die grossen Antillen Cuba und Portorico in Amerika; diePhilippinen im hinterindischen Archipel und die Inselgruppen der Ladronen(Marianen), Carolinen und Palaos (Pelew) in Oceanien.

Eingang zu Toledo über die Alcäntarabrücke.

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2. Pas Königreich Portugal.

Dieses Landgebiet, welches mit Ausnahme der nordwest-lichen Ecke den ganzen Westrand der Pyrenäenhalbinsel ineiner durchschnittlichen Breite von 200 Kilometer einnimmt,zerfällt in zwei Königreiche Portugal und Algarvedoch bilden dieselben ein politisches Ganze.

Lage und Grösse, Die Lage Portugals am Westrande un-seres Erdtheils, und das Unterstromland der grössten iberischenFlüsse in sich begreifend, ist eine solche, die den e an enan eine überwiegende Seeherrschaft förmlich aufdrangt, n erThat hatten die Portugiesen in der Epoche, welche esc ic t^Schreiber und Geographen dasZeitalter der Ent ec jungennennen, die überseeischen Unternehmungen, durch we cie leseEpoche ausgezeichnet ist, eingeleitet.

Im Jahre 1415 eroberte König Johann I. eines der marokkanischen Bollwerke,Ceuta, und ein Invasionsheer durchzog das benachbarte afiikamsc e es an . mSohn dieses Königs war jener Prinz Heinrich, der späterhin wegen seiner g ucliehen Unternehmungen zur See den Beinamender Seefahrer sic erwar . r aesich von allen Regierungsgeschäften in die einsame Seewarte Vagres unveit esCaps S. Vincent zurückgezogen, um seinen Plänen ungestört leben zu tonnen, c on

dreizehn Jahre vorher (1402) hatten auf Anregung des Prinzen portugiesischeSchiffe das Cap Bojador (südlich des Cap Nun, der Südwestecke von Marokko),über das hinaus sich nie zuvor Jemand gewagt hatte, umschifft. Portugiesische Ge-schwader erschienen nun bald im Golfe von Guinea, und 1445 gelangte eine portu-giesische Expedition bis zum Aequator. Die nächste Grossthat zur See war die Ent-deckung der Congomündung durch Diego Cam (oder Cäo) im Jahre 1484. VierzehnJahre früher war Prinz Heinrich gestorben.

K.önig Johann II. setzte das begonnene "Werk rüstig fort. BartholomäusDiaz erhielt den Auftrag, weiter nach Süden vorzudringen. Bei dieser Gelegenheitwurde er durch Stürme in den offenen Ocean hinausgetrieben, erreichte aber wiederden afrikanischen Continent, und zwar an einem Punkte, welcher bereits im IndischenOcean lag. Nach Europa zurückgekehrt, berichtete er über seine Fahrt um dasCapder Stürme, welchen Namen König Johann II., in Anwartschaft auf eine glücklicheLösung des Problems der directen Schifffahrt nach Ostindien, in den NamenVor-gebirge der Guten Hoffnung umänderte. Wer diese Hoffnung zur That machte,war Vasco da Gama. Nur zehn Jahre später am 20. November 1407umsegelte er die Südspitze von Afrika und warf endlich am 20. Mai 1498, zehnMonate nach der Abfahrt von Lissabon, an der Westküste von Vorderindien,in der Bai von Calicut, Anker. Seitdem spielte Portugal in den asiatischen Ge-wässern eine dominirende Rolle, doch gingen alle Errungenschaften allmählichwieder verloren. Dermalen spielt Portugal als Colonialmacht nur eine unter-geordnete Rolle.

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