A. Westeuropa. — III. Frankreich.
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Cintra.
turen: Lissabon, Porto, Coimbra, Guimaräes; Schmucksachen etc.: Lissabon,Porto; Papier: Guimaraes, Louzao, Feira; Leinen: Minho, Beira, Traz-os-Montes u. s. w.
Der Handel Portugals ist nur mehr ein Schatten des-selben in jener Zeit, da in den Händen der Portugiesen derganze Welthandel lag. Neuerdings hat sich wieder ein bemer-kenswerther Aufschwung geltend gemacht. Von Bedeutung ister aber nicht. —
Wenn man von Portugal spricht, denkt man in ersterLinie an das gefeierte Lissabon (Lisboa, 243.000 Einwohner),eine der schönsten Städte Europas. Lissabon verdient diesenRuf, denn prächtig ist die Gesammtscenerie dieser Burgen undKathedralen und des endlosen, am Wassersaume hingestrecktenHäusermeeres. Der Anblick Lissabons vom Tajo aus, beziehungs-weise von der Bucht, die er bildet, ist einzig. Dieselbe Vor-nehmheit prägt sich auch in der Gesellschaft aus. Zwar willman die Beobachtung gemacht haben, dass diese W^elt denStempel des Verblühens, des Vergehens anhaften habe. Daswäre bezeichnend für den Rückgang, der sich auch rück-sichtlich der lusitanischen Capitale, so grossartig sie nochimmer ist, schwer leugnen lässt. Der Schimmer des Ver-blühens giebt aber diesem Leben einen Reiz, der vielAehnlichkeit mit dem hat, den uns ein verblassendes Kunst-werk, ein durch die Jahrhunderte verwitterter antikerPrachtschmuck einflösst . . . Eine geläuterte Einbildungs-kraft erlabt sich auch an diesem verglimmenden Glanze.
Lissabon hat indess viele schöne Neubauten. Derkönigliche Palast (Ajuda) gilt für einen der schönstenin Europa. Von den Kirchen ist die berühmteste jene desKlosters Beiern, an der Stelle erbaut, wo sich einstVasco da Gama einschiffte. Die Kathedrale (Se) ist einimposantes Bauwerk. — Die schönsten Strassen sind: dieGoldstrasse” (do Ouro) und die „Silberstrasse” (da Prata).
_In Lissabon wurde Louis da Camoens, der berühmte
Dichter der „Lusiade”, 1524 geboren und liegt in derKirche des Klosters St. Anna begraben; es wurde ihmein prächtiges Denkmal errichtet.
In der Umgebung von Lissabon befindet sich mancherbemerkenswerthe Punkt, so Cintra, in höchst male-
rischer Lage mit königlichem Lustschloss. Lissabon ist dieHauptstadt der Provinz Estremadura.
Von den Provinzstätten ist die grösste und wich-tigste Porto (106.000 Einwohner), welche dem Lande denNamen gegeben hat. Sie ist Hauptstadt der ProvinzMinho. — In Traz-os-Montes ist Villa Real (5000 Ein-wohner) die bedeutendste Oertlichkeit. Die Wegstreckevon hier nach Chaves ist grossartig schön. Das StädtchenBraganja (3600 Einwohner) ist bemerkenswerth als Stamm-sitz der regierenden Dynastie.
In der Provinz Beira ist deren Hauptort Coimbra(13.000 Einwohner) eine berühmte Universitätsstadt. —Aveiro (6000 Einwohner) hat ein schön gelegenes See-bad. — Das kleine, nur 4832 Quadratkilometer umfassendeAlgarve (das „Abendland” der Araber) — wohl das kleinsteKönigreich i^ Europa — bildet eine Provinz für sich;Hauptort istTavira mit 11.000 Einwohnern.
Den Süden des Landes nimmt die Provinz Alemtejo,mit Evora (13.000 Einwohner) als Hauptstadt, ein. Anderehervorragende Oertlichkeiten sind: Setubal (15.000 Ein-wohner), rege Hafenstadt, in der gleichnamigen Bucht ge-legen; Elvas (10.000 Einwohner), berühmte Festung unfernder spanischen Grenze (gegenüber von Badajoz), Estremoz,Beja, Moura u. A.
Colonien. In Afrika: Madeira, Capverdische Inseln, Niederlassungenin Senegambien, Benguela und Mosambique. — In Asien: Goa und Diuan der Malabarküste Indiens, die Osthälfte der Insel Timor und Macao bei Cantonin China.
Republik Andorra. Dieses in der Osthälfte der Pyrenäengelegene kleine Ländchen von 507 Quadratkilometer und mit5800 Bewohnern, steht unter der Oberherrschaft von Frankreichund des Bischofs von Urgel, und hat alljährlich ersterem960 Francs, letzterem 460 Francs zu bezahlen. Das Ländchenzerfällt in sechs Gemeinden, welche je vier Familienhäupter inden Generalrath senden, welcher die Regierung ausübt. Di-eBewohner beschäftigen sich mit Viehzucht. Hauptort ist An-dorra la Vieja mit 600 Einwohnern.
Porto.
3. Frankreich.
Gleich der Pyrenäenhalbinsel hat auch Frankreich einefast quadratische Grundform, doch geniesst das Land den \ or-theil, an breiter Basis mit dem Continente zusammenzuhängen.Auf drei Seiten vom Meere bespült, erfährt Frankreich alleBegünstigungen, welche marine Grenzen darbieten und ver-bindet damit die continentale Lage, die es in Folge dessen inmancher Beziehung günstiger stellt als das Inselreich Gross-britannien. Das Land ist vollständig in sich abgerundet, wo-durch es sich vortheilhaft von Italien unterscheidet.
Lage und Grösse. Frankreich erstreckt sich vom Nordhangeder Pyrenäen bis zum Canal la Manche und vom Atlantischen
Ocean bis zum Hochkamme der Westalpen, wo es an Italiengrenzt. An der östlichen Begrenzung nehmen die Schweiz undDeutschland, an der nördlichen Belgien Antheil. Im Grossenund Ganzen hat Frankreich fast so viel marine Grenzen alstrockene.
Die grösste Ausdehnung von Nord nach Süd (auf einerdurch Paris gezogenen Linie) beträgt ungefähr 1000 Kilo-meter; die grösste Breitenausdehnung (gleichfalls auf einerdurch Paris gezogenen Linie gemessen) ist nur um Wenigesgeringer. — Der Flächeninhalt des Landes beträgt 528.570Quadratkilometer.
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