A. "Westeuropa. — III. Frankreich.
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und Ganzen von Norden nachSüden streichen, ganz Frank-reich in dessen Osthälfte er-füllt und sich stellenweise zuplateauartigen Zwischenglie-dern mit beträchtlich hochdarüber aufragenden Gipfelnerweitert. So liegt gleich imWesten der Vogesen dieHochebene von Lothrin-gen mit den Sichelbergen(Mts. Faucilles) und das Pla-teau von Langres, vonwelchem nordwärts der Ar-gonnenwald (zwischen denrechtsseitigen Zuflüssen derSeine und dem Maasflusse)abgeht.
Die südliche Fortsetzungdes Plateaus von Langres istdie Kette des Cöte d’or(westlich der Saöne bei Dijon)und die Lyonnaisische Kette, welche im Beaujolais (nord-westlich von Lyon) bis zu 1012 Meter ansteigt. Von hier streichtsüdwärts, hart am westlichen Rhöneufer, ein Verbindungsgliedzu den Cevennen, welche mit ihren letzten Ausläufern biszum Mittelmeere reichen. Die Parallelketten zu diesem ganzenSystem zwischen Lothringen und der Mittelmeerküste, welchein der Mitte zwischen die Loire und dem Allier sich schiebenund allmählich verflachen, sind ohne Interesse.
Dagegen verdient das centrale Plateau der Auvergne einige Worte. Das-selbe ist eine Hochebene von etwa 1200 Meter mittlerer Erhebung, in welche jedochdurch die Erosionsthätigkeit der Flüsse tiefe und breite Thäler eingerissen sind.Zugleich ist die granitische Masse durch Yulcanausbrüche an vielen Stellen durch-brochen worden, von welchen Lavaströme und hohe isolirte Kegelberge (Dome)Zeugniss ablegen. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen; aus der nördlichen ragt,von etwa 20 anderen Kegelbergen umgeben, der Puy de Dome (1465 Meter) hervor,unmittelbar westlich von Clermont; der südliche Theil der Gruppe gipfelt im MontDo re (1886 Meter), dem höchsten Berge des inneren Frankreich. Südwestlich breitetsich die reichere Gruppe des Cantal (1856 Meter) aus. Ein kleinerer Complexvulcanischer Gesteine sind die östlich vom Cantal gelegenen Berge von Aubrac(1471 Meter) und, in gleicher Höhe mit diesen, das Margeridegebirge, welches imSüdosten mit den Cevennen zusammenhängt. — Auch diese Region, wie überhauptdas ganze centrale Plateau von Inner-Frankreich (durchschnittlich 1000 Meter hoch),ist vulcanischen Ursprungs. Das ganze übrige Frankreich ist nur welliges Hügelland.
Was die Pyrenäen betrifft, verweisen wir auf das, wasüber sie in dem Capitel Spanien gesagt wurde. Beiläufig seibemerkt, dass der dortselbst erwähnte grossartige „Cirque deGavarnie” auf französischem Boden liegt. In seinen Südrandist die hochinteressante, wildromantische „Rolandsbresche ein-geschnitten.
Flüsse, Frankreich zählt zu den am besten bewässertenLändern Europas. Wie seine geographische Configuration, istauch sein Flussnetz überraschend schön abgerundet. Dasselbegehört theils dem Mittelmeere, theils dem Atlantischen Oceanan. Der Hauptstrom ist: 1. die Rhone (auf französischem Ge-biete 90.600 Quadratkilometer Stromgebiet, 531 Kilometer lang,wovon 489 schiffbar), mit (rechts) der Saöne (430 KilometerLauf länge, 314 Kilometer schiffbar) und dem Doub (455 Kilo-meter Lauf länge, 73 Kilometer schiffbar) und mehreren kleinerenFlüssen; alsdann (links) Isere (290 Kilometer, 150 schiffbar),mit ihren Zuflüssen Are (150Kilometer) und Droc (148Kilometer), die Durance(380 Kilometer) mit mehrerenZuflüssen, unter welchen derVerdon (170 Kilometer) derbedeutendste ist. — DieDelta-mündung der Rhone istdurch die grossen MassenSand und Geschiebe fort-währenden Veränderungenunterworfen und hat bis in dieneueste Zeit die Schifffahrtsehr gehemmt. Von den süd-französischen mediterranenKüstenflüssen verdienen nurder Herault (164 Kilometer)und der A u d e (208 Kilometer)
Erwähnung.
Der Hauptstrom desAtlantischen Flusssystems istdie Loire, zugleich das
grösste Wassergebiet desLandes (116.600 Quadratkilo-meter). Sie hat (980 Kilo-meter lang, 825 schiffbar)mehrere bedeutende Neben-flüsse, als (rechts): Sarthe(286 Kilometer), Maine undErdre; dann (links): Allier(3 7 5 Kilometer, 248 schiffbar),Cher (320Kilometer), Indre(245 Kilometer),Vienne (372Kilometer) und Kreuse (235Kilometer).
Der nächstbedeutendsteFluss ist die Garonne(8i.000Quadratkilometer Wasserge-biet, 605 Kilometer Lauf-länge, wovon 471 schiffbar)mit den Nebenflüssen (rechts):Arriege (157 Kilometer),Tarn (375 Kilometer, 147schiffbar), Lot (481 Kilo-meter, 303 schiffbar), Dordogne (496 Kilometer, 392 schiff-bar), in welche sich der Vezere (192 Kilometer) und der Isle(232 Kilometer) ergiesst.
Garonne und Dordogne vereinigen sich hart an ihrenMündungen (unterhalb von Bordeaux) und hier nimmt erstereden Namen Gironde an. Sie ist nichts Anderes als das 4 bis13 Kilometer breite Aestuarium, welches der AtlantischeOcean bildet.
Zwischen den Pyrenäen und der Garonne fallen mehrereKüstenflüsse ins Meer, dessen bedeutendster der Adour (335Kilometer, 132 schiffbar) ist.
Der viertgrösste Strom des Landes ist die Seine (78.000Quadratkilometer Stromgebiet, 776 Kilometer Lauf länge, 656schiffbar). Sie mündet mit einem 10 Kilometer breiten Aestua-rium in den Canal la Manche ein und nimmt eine Anzahl statt-licher Nebenflüsse auf (rechts): Aube (226 Kilometer), Marne(494 Kilometer, 314 schiffbar), Oise (302 Kilometer); ferner(links): Yonne (273 Kilometer), Eure (226 Kilometer) u. m. a.
Andere selbständige Wasserläufe von geringerer Bedeu-tung sind: die Charente (355 Kilometer), welche sich beiRochefort in den Atlantischen Ocean ergiesst; die Vilaine(220 Kilometer), der grösste Fluss der Bretagne; die Somme(245 Kilometer) im nördlichsten Frankreich. — Von den Flüssen,welche in Frankreich entspringen, in der Folge aber das Landverlassen, gehört die Schelde (mit 120 Kilometer Lauf längeauf französischem Boden, wovon 63 schiffbar), die Maas (229Kilometer Lauflänge auf französischem Boden) und die Sambre(54 Kilometer) hierher. Ausserdem 120 Kilometer des Laufesder Mosel, welche sich in den Rhein ergiesst.
Canäle. Frankreich besitzt das schönste und ausgebreitetsteCanalnetz der Welt. Es sind gerade 100 solcher Anlagen vor-handen, welche theils zur Verbindung verschiedener Strom-systeme dienen, theils seitliche Wasserstrassen sind. Ihre Ge-sammtlänge beträgt circa 4650 Kilometer. Der grösste Canalist der von Languedoc, der sogenannte „Canal du Midi”(277 Kilometer lang), welcher die Garonne mit der Rhone ver-bindet. Andere grosse Canäle sind: Canal du Centre (119 Kilo-meter), zwischen Loire undSaöne. — Rhöne-Rhein-Canal (363 Kilometer; einTheil liegt auf deutschemGebiet, im Eisass). — Canalvon Burgund (142 Kilo-meter, zwischen Yonne-Seineund Saöne). — Canal vonSaint - Quentin (96 Kilo-meter), zwischen Oise undSchelde. Der Tunnel bei St.Quentin hat lange Zeit füreinen der merkwürdigstenBauten dieser Art gegolten,u. s. w.
Die Seen Frankreichssind sämmtlich unbedeutend.
Klima. Dasselbe stimmt im All-gemeinen mit der geographischen Lageüberein und ist massig und mild, dochbedingen der Zug der Gebirge, dieNachbarschaft der Meere, die Erhöhungund Abdachung des Bodens, Flüsse,
Der Mont Pelvoux von Mont Dauphin aus im Thale der Durance gesehen.
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