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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. III. Frankreich.

Waldungen und andere örtliche Umstände bedeutende Abweichungen von jenemallgemeinen Charakter. Die Vegetation giebt das beste Bild von diesen Ab-weichungen. Nach ihr lässt sich Frankreich in drei Regionen eintheilen: einesüdliche, mittlere und nördliche, deren Grenzen aber nicht mit den Breitengradenzusammenfallen, sondern nach Nordosten ansteigen. So verläuft die Grenze der süd-lichen Region, wo die Olive gedeiht, von den Pyrenäen bis etwas nördlich vonGrenoble; die mittlere Region, welche noch den Mais zur Reife bringt, reicht biszur Linie Bordeaux-Strassburg; die nördliche Region endlich von der Mündung derLoire bis zur Maas an der belgischen Grenze. Diese Linie ist zugleich die Grenzeder Weincultur.

Im Allgemeinen besitzt das centrale Frankreich mit dem Hochlande derAuvergne ein ziemlich extremes Continentalklima mit schneereichem strengen Winterund heissem Sommer. Dasselbe gilt von den Vogesen, wo die Winterkälte oft 20° C. erreicht. Die Mittelmeerregion Frankreichs hat mildes Küstenklima,desgleichen das in gleicher Breite liegende atlantische Gebiet. Die ganze WestküsteFrankreichs unterliegt in klimatischer Beziehung den Einwirkungen des Golfstromes.So wird es erklärlich, dass die Bretagne die mittlere Wintertemperatur der unterenRhonegegenden hat und Froste fast unbekannt sind. Die Bretagne weist auch diemeisten Regentage (170) und die grösste Regenmenge (900 Millimeter) von ganzFrankreich auf.

Bevölkerung.

Die Franzosen sind eine Mischrace und verdanken zumTheile diesem Umstande ihre aussergewöhnliche Veranlagung,welche sie an die Spitze der abendländischen Culturvölkerstellte. Derzeit freilich kann von einer civilisatorischen Sonder-stellung der Franzosen nicht mehr die Rede sein, obwohl mancheEigenschaften sie noch immer über ihre europäischen Mitbürgerin allen Culturfragen stellen.

Der Herkunft nach sind die Franzosen ein aus der Ver-schmelzung verschiedenartiger Elemente, aus romanisirten Gal-liern, Kelten, Franken, Normannen, Basken etc. hervorgegan-genes Mischvolk. Heute noch muss man, wenn vonFranzosengesprochen wird, einzelne Volksstämme wohl unterscheiden.So wohnen im Lande etwa i*i Millionen Bretonen, welchekeltischer Herkunft sind; dann Basken, deren Zahl sich auf200.000 beläuft, und Vlämen, welche gleichfalls rund 200.000Köpfe zählen. Nach dem Census vom Jahre 1886 (Mai) beziffertsich die Gesammtbevölkerung Frankreichs auf 38,218.903 Seelen,in welche Zahl auch alle Nichtfranzosen, also ausser den vor-genannten Stämmen, auch Italiener (500.000), Spanier (250.000)und beständig im Lande wohnende Fremde verschiedenerNationalitäten (200.000) einbezogen sind. Die französischeSprache theilt sich in zwei grosse Dialektgruppen, in dieLangue doeil und Langue doc; erstere wird im nördlichen,die letztere im südlichen Frankreich gesprochen.

Die herrschende Religion ist die katholische, zu welchersich n / 12 der Gesammtbevölkerung bekennen. Der Rest fälltauf Reformirte, Lutheraner und Israeliten.

Puy de Dome.

In der Völkerpsychologie spielen die Franzosen insoferneeine hervorragende Rolle, als über kein Volk so viel geschriebenwurde, über keines so mancherlei, einander widersprechendeUrtheile abgegeben worden sind. Ein Ueberblick oder einekritische Sichtung des enormen literarischen Materials würdeeine interessante und lohnende Arbeit sein, indess in denRahmen dieses Werkes wohl kaum passen.

Carus, der dem Volke nicht ganz grün ist, hat als dessen Grundzug die Kind-lichkeit hingestellt, die sich in ihrer Abart kindisch zeigt.Der Franzose hegt leichteEntzündbarkeit ohne Tiefe, entzündbaren Enthusiasmus und darum Frohsinn, der beiWenigem heiter und im Unglück zufrieden macht. Daher rührt seine Singlust, daherseine Tanzlust und frühe Gewandtheit im Tanze. Ihm erscheint die Welt eineSchaukel; er steht unter der abwechselnden Herrschaft der Plaisanterie und desScherzes. Mit dem Kinde theilt er die Unruhe im Gefühle, wie er aufbrausend undleicht aufrührerisch ist.

In ihm lebt das Gefühl für das Schöne, besonders das Zierliche und Niedliche als Glänzendes noch meistens im Putze. Geschmack hat er als sinnliche Voll-kommenheit, dabei Anmuth und Gefühl für das Schickliche, welches als schnellerTon eine Leichtigkeit der Anschmiegung und Gefügigkeit hervorbringt. Das Gefühldes Graziösen hat oft das ärmste, wie das üppig erzogene Kind; so auch derFranzose. Seine Sache ist: Artigkeit des guten Tones, Unverlegenheit in den Sitten.Höflich zeigt er sich nicht aus Eigennutz, sondern aus Geschmackbedürfniss, daherer Muster des Conversationsgeschmackes wird. Auch im Begehrungsvermögen zeigendie Franzosen die leichte Entzündbarkeit des Kindes; daher alle Veränderlichkeitder Bestrebungen, durch sie meistens für den Augenblick leben.

In ihrer Kindlichkeit finden wir den Leichtsinn, welcher vergesslich ist, dieFlatterhaftigkeit, welche von einem Extrem zum anderen leicht übergeht und wichtigeDinge als Scherz behandelt. Liebe zum Wechsel und zum Neuen sticht in ihnenhervor, daher auch Modesucht, Sinn zu Neuigkeiten, Anekdoten. Es wird der Fran-zose mehr durch den Stoff bewegt, und darum ist er entzündbar für Leidenschaften,leicht zu elektrisiren durch Phantasieproducte . . . Aus seiner Naivetät und seiner Ober-flächlichkeit entsteht Witz, durch den leicht Erfindungen gewonnen werden. Seine

Leichtigkeit offenbart sich in allenGeistesäusserungen, wie seine Ra-chesucht zur leichtesten der Satyreoder des bon mot wird . . . Fran-zosen haben nicht eigentlichGeistesbildung, wohl aber belleslettres und savoir faire; und wollensie einmal gründlich verfahren, sopasst dies nicht für sie, da sie ab-sprechend oder pedantisch werden.In ihnen zeichnet sich aber leb-hafte Phantasie aus, welche sichmit ihrer fröhlichen Laune unddem Sinne für den Schein, wie inKindern, vereint.

Ob diese Charakteri-stik in allen Theilen einezutreffende ist, mag da-hingestellt bleiben. MitRecht weist Friedrich v.Hellwald darauf hin, dasssanguinischen Tempera-ments sein, nicht auchgleichzeitig i n sichschliesst, flatterhaft, un-sittlich, leichtsinnig undkindisch zu sein. Auchder Engländer Marshall,dann Schmidt -Weissen-fels, Max Nordau und vol-lends der treffliche KarlHillebrand versuchen es,den Beweis zu erbringen,dass durch das ganze

Die Rhone bei Lyon.

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