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A. Westeuropa. — III. Frankreich.
Dampfhammer im Etablissement zu Le Creusot.
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Die Viehzucht blüht besonders in den nordwestlichenDepartements, in der Auvergne und Gascogne. Auch diePferdezucht gedeiht vorwiegend im Norden; die picardische,normannische und Ardennenrace stehen obenan. Sehr verbreitetist auch die Schafzucht; die Schweinezucht ist aber nur inden Niederpyrenäen und in der Champagne bemerkenswerth.Mit der Seidenraupenzucht beschäftigen sich die Bewohnerder Dauphine, Provence und Touraine. Die Fischerei ist sehreinträglich und wird, wie es die ausgiebige Küstenentwickelungmit sich bringt, in grossartiger Weise betrieben. Dagegen istdie einst blühende Austernzucht erheblich zurückgegangen.
Der Bergbau ist, obgleich bedeutend, dennoch nicht fürden Bedarf ausreichend. Gold und Silber sind in mässigerQuantität vorhanden; auch an Salz ist Mangel. Dagegen fehltes nicht an Eisen und Kohle, den wichtigsten mineralischenProducten eines jeden Culturstaates.
Die jährliche Eisen-ausbeute in Le Creu-sot (beziehungsweisebei Mazenay) beträgt15.000 Tonnen. Essind 15 Hochöfen imGange; die grossar-tige Dampfschmiedeist 500 Meter langund 200 Meter breit.Die Hauptproductionfällt auf die Herstel-lung von Eisenbahn-bedarf, dann auf Ma-schinen. Beiläufig be-merkt, besitzen dieWerke von Le Creu-sot den grösstenDampfhammer derWelt. Derselbe hatein Fallgewicht von80 Tonnen (1600 Ctr.)und eine Kolbenhub-höhe von 24 Fuss.
Obwohl Le Creusot denGlanzpunkt der französischenEisenindustrie bezeichnet,fehlt es nicht an anderenEtablissements, welche inhohem Grade bemerkens-werth sind. So besitzt dieSociete anonyme des acierset fontes de Firminy die-jenigen Hütten, wo der Sie-mens-Martin-Process zuerstin grösserem Massstabe ausgeführt wurde. Die Productionsfähigkeit dieses Unter-nehmens schwingt sich in manchen Jahren bis auf 35.000 Tonnen (700.000 Centner)Verkaufswaare: Räder, Achsen, Bandagen, Federn, Schienen, Kanonen und Hart-gussgeschosse.
Ferner wären hervorzuheben: die Bessemerhütte bei St. Etienne, die Guss-stahlfabrik Ermont, die Gussröhrenfabrik zu Pont ä Mousson, mit jährlich50.000 Tonnen Verkaufswaare u. s. w.
Handel. Ein Industriestaat par excellence, wie Frankreich,übt natürlicherweise auch eine grossartige Handelsthätigkeitaus. Dazu kommen die ausgedehnten Küsten, welche zweiMeeren angehören, und ein ausgezeichnet entwickeltes Netzvon Communicationen. Die vielen schiffbaren Flüsse, die zahl-reichen Canäle, vorzügliche Strassen und das dichte Eisenbahn-netz sind die Elemente, welche der Handelsbewegung besondereIntensität verleihen.
In Frankreich giebt es keine Gruppen von Eisenbahnlinien, es giebt nurAeste — freilich ungeheuer lange — und diese Aeste laufen vom Mittelpunkte aller
Gleichwohl deckt die Eigenproduction an Kohle nicht den Bedarf. Frankreich ist ein Hauptconsumentvon belgischer Kohle, und zwar speciell Paris, das bislang auch an deutscher Kohle zehrte. Es wäre ge-fehlt, daraus zu schliessen, dass Frankreich ein kohlenarmes Land sei; es ist vielmehr der ungeheuere Bedarfan mineralischen Brennstoffen, welche für die grossartigen und zahlreichen Etablissements, für den aus-gedehnten Hochofenbetrieb und für die hochentwickelte Dampfschifffahrt benöthigt werden, welcher denAusfall bedingt.
Die französischen Kohlenreviere befinden sich theils im Norden des Landes (von der belgischenGrenze bis zum Canal la Manche), theils in der Mitte desselben. Die Kohle aus dem nördlichen Revierekommt vorzugsweise in den dortigen blühenden Industrie-Etablissements (Zuckerfabriken, Spinnereien,Webereien, Maschinenwerkstätten) zur Verwendung. — Im mittleren Frankreich ist das bedeutendsteKohlenrevier jenes von Le Creusot, wo die Flötze stellenweise die Mächtigkeit von 50 Meter erreichen.
Industrie. Frankreich ist ein Industriestaat ersten Ranges; er besitzt in dertechnischen Cultur eine Hauptquelle seines Reichthums. Kunst und Geschmackin der Ausführung zeichnen die französischen Industrie-Erzeugnisse vor allenanderen in Europa aus. Besonders hoch stehen die Textilindustrie, alle Artenvon Gewebe, die Glas- und Papierfabrikation, die Metallindustrie undnicht zuletzt all die vielen Branchen, welche der Luxusindustrie dienen.
Die hervorragendsten Industrieorte sind: Porzellan: Sevres, Paris, Limoges, Bayeux; Fayence:Nevers, Chantilly, Montreau, Toul; Teppiche: Paris, Aubusson, Felletin, Abeville; Seidenwaaren :Lyon, Nimes, Avignon, Tours; Wollenzeuge: Amiens, Rheims, Beauvais, Paris; Shawls: Paris, Lyon,Nimes, St. Quentin; Baumwollwaaren: Rouen, St. Quentin, Tarare, Troyes, Lille, Tourcoing; Lein-wand: Flandern, Bretagne, Dauphin^; Batiste, Gaze, Tülls: Linon, St. Quentin, Cambrais, Valenciennes,Douai; Spitzen: Alen^on, Caen, Bayeux, Chantilly, Chaumont, Blois, Vendome; Quincaillerien:St. Etienne, Escarbotin, Thiers, Rugles; Spiegel: St. Gobain, St. Quirin, Cirey; Papier: Annonay,Angouleme, Ambert, Limoges, Virc, Buges; Tapeten: Paris; Zuckersiedereien: Paris, Orleans, Bordeaux,Marseille, Nantes, Rouen; Roth- und Weissgärbereien: Annonay, Rocroy, Troyes; u. s. w., u. s. w.
Besondere Erwähnung verdient die Eisenindustrie; als derjenige Zweigder technischen Cultur, welcher in unserem Jahrhunderte der bedeutungsvollsteist. — Der grösste französische Eisenort (und nach dem Kruppschen Etablisse-ment der zweitgrösste auf dem Continent) ist Le Creusot (Departement Saöneet Loire), südwestlich von Dijon. Die Production hat im Laufe der Zeit riesigeDimensionen angenommen. Auf einem Flächenraume von 312 Hektar (gegen 400in Essen) stehen über 300 Dampfmaschinen mit zusammen circa 20.000 Pferde-kräften in Betrieb. Die grosse Maschinenfabrik beschäftigt allein 15.000 Arbeiter.
L’Arc de Triomphe in Paris.
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