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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. VI. Grossbritannien und Irland.

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hendigkeit der Arbeiterist erstaunlich. Es istberechnet worden, dassein einziger Arbeiterim Stande ist, binnen14 Tagen über 40.000lange Hakennägel zuverfertigen, zu welcherArbeit über 1 MillionHammerschläge und43.ooomaliges Erhitzendes Eisenmaterials er-forderlich sind. -

Im Nachfolgenden be-schränken wir uns auf Angabeder wichtigsten. englischen In-dustrien und deren Vertretungs-orte. Wollmanufactur:

Leeds, Halifax, Bradford, Hud-dersfield, Kendal, Frome,

Stroud, Colchester, Shrewsbury,

Exeter, Calne, Taunton, Co-ventry, Norwick, Nottingham,

Gloucester, Leicester, Glasgow,

Perth; Baumwollenmanu-factur: Manchester, Bolton,

Blackburn, Preston, Rochdale,

Warrington, Chester, Norwick,

London, Glasgow; Leinen-manufac tur: Warrington,

Leeds, Baresley, Bridport, Exe-ter, Maidstone, Lisburne, Newry,

Belfast, Droglieda, Cootehill,

Monaghan, Armagh, Sligo, Gal-way, Dublin, Glasgow, Dundee,

Forfar, Paisley, Montrose; Sei-denfabrikate: Coventry, Maclesfield, London, Reading, Nottingham, Derby, Sheffield,Paisley, Dublin; Metallindustrie: Sheffield, -Birmingham-Soho, London, Barnsley,Wolverhampton, Ketley, Dudley, Rotlierham, Shrewsbury, Colebroodkale, Merthyr-Tydfil, Swansea, Neath, Carron-Works, Clida-Works; Bijouterien: Sheffield, London,Birmingham; Fayencen: Burslem, Etruria, Leeds, Chesterfield, Newcastle, Bristol,London, Glasgow; Porzellan: Leeds, Worcester, Derby; Lederwaaren: Bristol,Warwick, Huntingdon, Worcester, Perth, Limerick; Glaswaaren: London, St. Helen,Bristol, Glasgow; Papier: Maidstone, Bath, London, Hereford u. s. w.

Handel. Grossbritannien ist der einzige wahre Repräsentantdes Welthandels. Es hat durch die oceanische Schifffahrt,namentlich durch die Dampfschifffahrt, erst jene Interessen-gemeinschaft der Culturvölker geschaffen, welche das Postulatunserer Civilisation geworden ist. Die englische Seeschifffahrtumfasst die ganze Erde und findet wesentliche Unterstützungin den grossen Colonien und den maritimen Kampfmitteln,welche allüberall der englischen Flagge Achtung zu verschaffenwissen. Durch diese commercielle Weltherrschaft hat Englandseine Hilfsquellen unendlich vervielfältigt, den Nationalreich-thum gehoben und für den Ueberschuss seiner Fabrikate zahl-reiche Ablagerungsstätten geschaffen, indem es zugleich dieRohproducte anderer Länder seinen Fabriken zuführte.Welche Rolle Grossbritannien in der allgemeinen Entwickelungdes Weltverkehrs spielt, wird in dem diesen Gegenstand be-handelnden Schlusscapitel ausführlich dargelegt werden.

Gleich der gewerblichen Production und dem Handel bietenauch die Verkehrsmittel Englands ein grossartiges Gesammt-bild. Auch hierin ist es bahn-brechend aufgetreten: schon1750 wurde der erste Schiff-fahrtscanal (durch JamesBrindley) erbaut, 1825 die erstePersonenbahn (mit Pferdebe-trieb), 1829 die erste Locomotiv-bahn. Dem praktischen Sinnder Engländer entsprechend, istdie grösste Errungenschaft dermodernen Cultur ein Werk vongenialen Technikern gewesen,das einzig nur aus den Bedürf-nissen der Zeit hervorging.

Das ungelehrte Talent, dasgesunde praktische Denken desVolkes, die schwielige Handdes Arbeiters hat sie alleingeschaffen; die Schulweisheithat keinen Antheil an ihr,sagt Rankine in einer Schriftüber George Stephenson.

Wie London der Centralpunktdes gesammten materiellen und geistigen

Das Parlament in London.

Lebens des Inselreicbes ist, gestaltet sieb dasselbe aucli zum Brennpunkte desVerkehrs. Wie die Arterien eines thierischen Organismus nach dem Centralsitzealles Lebens, dem Herzen zusammenströmen, beziehungsweise von diesem ausgehen,so pulst der enorme Verkehr Englands von der Weltstadt nach allen Richtungenaus. Wenn es dem Menschen vergönnt wäre, aus der Vogelschau die ganze lang-gestreckte Insel mit einem Blicke zu überschauen, er würde das seltene Schauspieleiner fast constanten Bewegung auf dem Gewirre von Eisenstrassen, welche dasganze Land engmaschig bedecken, geniessen. Es verkehren nämlich durchschnittlichim Tage 25.000 Züge, welche etwa 2 Millionen Passagiere befördern und 14 Mil-lionen Centner Güter ihrer Bestimmung zuführen. Es sind nicht weniger als 22.000Kreuzungsstellen vorhanden. Die Zahl der Stationen geht ins Unglaubliche; Londonallein, sein Weichbild eingerechnet, zählt deren 300. Ein riesiges Rollmaterial dientzur Bewältigung der enormen Verkehrsbewegung.

Welche musterhafte Ordnung in diesem unvergleichlichen Getriebe herrschenmuss, geht unter Anderem daraus hervor, dass die Züge sich in kurzen Pausenfolgen und eine grosse Anzahl derselben die vorangegangenen überholen muss. Diesbezieht sich nicht nur auf die Schnellzüge im Personenverkehr, sondern auch aufdie Eilgüterzüge. Der schnellste Eilzug in England, der sogenanntefliegende Schotte,welcher zwischen Edinburgh und London verkehrt und 75 Kilometer in der Stundezurücklegt, hat zwischen 60 und 70 Züge zu überholen!

Es dürfte kaum nothwendig sein, darauf hinzuweisen, dass in den zahlreichengrossen Städten des Landes, welche zugleich die Centralsitze der blühendsten In-dustrien sind, ähnliche Thätigkeit herrscht wie in der Weltstadt London. Die meistengrossen Binnenstädte sind Knotenpunkte von einem halben Dutzend Schienenwegen.Dazu kommt noch, dass der gesammte Landverkehr, welcher von London ausgehtoder dahin die Richtung nimmt, mit dem enormen Seeverkehre durch unzähligeHäfen organisch verknüpft ist und überdies mit 6000 Kilometer Binnenwasserwegen(Canälen) in engstem Contacte steht. Die Handelsbewegung der grossen Seestapel-plätze giebt dem ganzen Verkehr erst das frische Lebenselement, den Massentransportnämlich. Zwar liegen im Lande ungeheuere Reichthiimer aufgestapelt, und die eigene

Production an Rohproducten ist so be-deutend, dass sie einen grossen Procent-satz des Verkehrs absorbirt. Nach manchengrossen Güterstationen Londons werdenbeispielsweise jährlich circa 25 MillionenCentner Kohlen gebracht. Die eigent-liche Kraft der britischen Arbeitsthätigkeitberuht aber hauptsächlich in dem Consurnvon Rohmaterialien zum Zwecke der in-dustriellen Verwerthung.

Die Verkehrswege Englands sindaber nicht schlechtweg ein Spiegel vondessen Wohlfahrt; sie sind vielmehr das,was im Menschen der organische Apparatjedweder gesunden Lebensfunction ist:das Mittel zur steten und ausgiebigenBlutzufuhr und energischer Verarbeitungder die Lebensthätigkeit bedingenden Er-nährungsstoffe. Ohne den grossartigenüberseeischen Handel, dem das Land durchseine insulare Lage und die zahlreichenHäfen eine Reihe der bedeutsamstenVermittelungsstellen darbietet, würde derVerkehr im Inneren des Landes nicht imentferntesten so entwickelt sein. Die Ge-schichte der Entwickelung des englischenEisenbahnwesens zeigt denn auch, dassdas Bestreben der Schöpfer der erstenSchienenwege dahin ging, die grossen

Geschossmagazin im Kriegsarsenal zu Woolwich.

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