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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Westeuropa. VI. Grossbritannien und Irland.

Die Halle der Pancrassstation in London.

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schnittlich 1500 Tonnen zu Tage fördert. In Schottland erstrecktsich ein ausgedehntes Kohlenrevier, dessen Mittelpunkt dieIndustriestadt Glasgow ist. Auch in Yorkshire und Derbyshireerstrecken sich Kohlenfelder von bedeutender Ausdehnung.Andere Kohlenfelder sind Lancashire und Staffordshire (BlackCountry 77 ). Die bedeutendsten aber sind jene in Südwales,welche eine Ausdehnung von fast 1500 englischen Geviert-meilen und die berühmten Schiffbau-, Seehandels- und Eisen-industrieplätze Swansea und Cardiff zu Centralpunkten haben.In demselben Bereiche liegt Merthyr-Tydfil, vielleicht dergrösste Hüttenort der Erde, denn es werden hier jährlichcirca 170.000 Tonnen Eisen producirt.

Neben den riesigen Mengen, welche die englische Kohlenproduction deminländischen Verbrauche übergiebt, spielt die englische Kohle auch noch eine be-deutende Rolle als Ausfuhrartikel. Die englischen Eisenbahnen bewältigen unglaub-liche Kohlenmengen. Die London- und North-Westernbahn allein befördert wöchentlichcirca 225.000 Tonnen Kohle, die Great-Eastern vollends 500.000 Tonnen (circa25 Millionen jährlich). Der grösste Kohlenconsument in Grossbritannien ist selbst-verständlich London. Die consumirte Menge beläuft sich auf circa 9*5 Millionen Tonnen.Diese Menge verhält sich zu derjenigen, welche die drei grossen continentalen Haupt-städte Paris, Berlin und Wien consumiren, wie 16 : 4 : 2 :i. Die ungeheueren Kohlen-mengen werden in den Kammern der auf Viaducten liegenden Bahnen aufgespeichert.Einige dieser Kammern haben einen Fassungsraum für nicht weniger als 15.000Tonnen Kohle, sind aber keine Magazine, sondern Abladeplätze ... So ist dennEngland nicht nur der grösste Kohlenproducent und -Consument der Welt undnebenher der einzige und eigentliche Repräsentant des Kohlenwelthandels, sondernes besitzt auch den grössten existirenden Kohlenmarkt in der Weltstadt London.

Der Betrieb der Werften am Tyne, Wear und Blythe, sowie an der Clyde,die unzähligen jahraus und jahrein thätigen Fabriken erhalten ihr Lebenselementeinzig und allein von der Kohle. Das Thal von Merthyr-Tydfil besitzt einen einzigenWald von Schloten. Bei solchem Massenverbrauche musste sich die Befürchtungaufdrängen, dass die Kohlenfelder in verhältnissmässig naheliegender Zeit erschöpftsein könnten. Erwiesen ist, dass einige ältere Kohlenwerke stark im Abnehmen be-griffen sind. In Shropshire sind die westlichen Bauten schon im Jahre 1873 als un-ergiebig verlassen worden; in Stafford-shire ist das berühmte Dudley-Flötz derEntkohlung nahe. Dazu kommt die Ge-fährlichkeit des Betriebes englischer Koh-lenwerke in Folge der Seltenheit derSchachte und der enormen Tiefe derStollen und Abbauorte. Die Zahl dertödtlichen Unfälle bei dem gesammtenenglischen Kohlenbergbaue wird auf durch-schnittlich 1000 berechnet, erreicht aberin unglücklichen Jahren die Ziffer 1400!

Die Gewinnsucht der Eigenthümer undder Leichtsinn der Arbeiter tragen zudieser hohen Unfallsziffer wesentlich bei.

Der Kohlenreichthum kommtnatürlich in erster Linie der In-dustrie zugute, welche in Gross-britannien auf der höchstenStufe der Entwickelung steht.

Die Schaf wo 11-In-dustrie z. B. ver-arbeitetjährlich circa5-3 Millionen CentnerRohstoff zu Gewebenim Gesammtwerthevon durchschnittlich900 Millionen Guldenund beschäftigt 1 Mil-lion Menschen. DasSalt 7 sche Etablisse-ment bei Bradfordbesitzt 1200 Web-stühle, auf denen täg-lich 30.000, jährlich5688 Millionen EllenRohstoff verarbeitetwerden eine Lei-stung, die selbst aufenglischemBoden un-erhört ist. Im ganzenBezirke vonBradfordwerdenjährlich 16.000mechanische Web-stühle mit ca. 200.000Spindeln hergestellt.

Noch grossarti-ger gestaltet sich dieBaumwoll-Indu-strie. Im Jahre 1879betrug die Spindel-zahl in den britischenBaumwollspinnereien40 Millionen gegen circa 35 Millionen Spindeln in allen anderenLändern der Erde zusammengenommen. Hierbei wurden circa8 Millionen Ballen Rohstoff verarbeitet und ein Productions-werth von circa 70 Millionen Livre Sterling erzielt. In Lanca-shire und den angrenzenden Districten allein giebt es 1900Baumwollspinnereien und Webefabriken, deren Anlagekostenannähernd auf 600 Millionen Gulden zu schätzen sind.

Dazu kommt die Eisenindustrie, welche ein überwälti-gendes Bild darbietet. Man zählt im Lande circa 2000 Maschinen-fabriken, welche 170.000 Arbeiter beschäftigen. London alleinbeherbergt circa 10.000 Fabrikmechaniker. Aus den GreenwicherMarineetablissements der Firma John Penn & Son gehen jenekolossalen Schiffsmaschinen hervor, welche die gewaltigen eng-lischen Schlachtschiffe in ihrem Leibe tragen. Andere grosseMaschinenwerkstätten befinden sich in Newcastle (Locomo-tiven), Manchester, Gordon, Bolton, Crewe. Unter denFabriken für Ackerbaugeräthe sind die renommirtesten inLincoln (Clayton & Shuttleworth), Bedford, Ipswich, Leeds,Beverley, Peterborough.

Weitberühmt ist Manchester als Sitz der Waffenfabri-kation, dann das Etablissement von Soho in der Nähe vonBirmingham, aus welchem in den 70 Jahren von 1795 bis 18661878 Dampfmaschinen von zusammen 71.000 Pferdekräften her-vorgegangen sind, darunter die kolossalen Schiffsmaschinenfür denGreat-Eastern 77 . Im Hinblicke auf diese grossartigeThätigkeit ist selbstverständlich die Roheisenproduction undder Eisenverbrauch ein ganz enormer. Die erstere beziffert sichin Grossbritannien auf 6*3 Millionen Tonnen und stehen über500 Hochöfen in Betrieb. Um den Materialverbrauch nur aus-zugsweise anzuführen, bedürfte es seitenlanger Zifferncolonnen.Mehr als 60.000 Tonnen des besten Roherzes werden jährlich

allein in Südstaffordshire zurHerstellung von Ankern undAnkerketten verwendet. Bir-mingham verarbeitet jährlich18.000 Tonnen zu Maschinen-nägeln, und in manchem Jahreführt England 17.000 TonnenNägel im beiläufigen Werthevon 6 Millionen Gulden aus. Eswerden ferner täglich bei 50 Mil-lionen Stecknadeln erzeugt,wobei 25.000 Centner Metall-draht verbraucht werden.

lrotz der enormen Aus-nützung der Dampfkraft spieltauch die Handarbeit eine be-merkenswerthe Rolle. Die Be-

Hydraulischer Aufzug in einer englischen Güterstation.