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A. Westeuropa. — YI. Grossbritannien und Irland.
Kaufläden und eine grosse Zahl von Palästen. Verschiedenebemerkenswerthe Monumente, wie das Nelson-Denkmal aufCalton-Hill, das Marmordenkmal Walter Scott’s, die bronzeneReiterstatue Wellington^, die Melville-Säule, mehrere Königs-statuen und jene des schottischen Dichters Burns, zieren dieStadt, welche zugleich eine grosse Zahl von wissenschaft-lichen und gemeinnützigen Anstalten besitzt. Unter diesenzählen in erster Linie die Universität, das Parlamentshaus, dieBörse, das Kunstmuseum, die Bibliothek (150.000 Bände), dasnaturhistorische Museum, dann Studienanstalten aller Art mitreichen und werthvollen Sammlungen. Man zählt 122 Kirchen,unter welchen die Hofkirche St. Gilles die bemerkenswerthesteist. Als Industrieort spielt Edinburgh im Verhältniss zu seinerGrösse eine untergeordnete Rolle. — Der Hafen von EdinburghistLeith (67.000 Einwohner), in geringer Entfernung von erstererStadt und mit dieser allmählich zusammenwachsend.
Die grösste Industriestadt Schottlands und die zweitgrösstedes Reiches ist Glasgow (675.000 Einwohner), am rechten Uferder Clyde und unfern der schottischen Westküste gelegen,mit grossartigen Baumwollspinnereien und Webereien (20.000Arbeiter), ausgedehntem Hochofenbetrieb und Schiffbau. Dieältere Stadtanlage ist eng und winkelig, die Westhälfte dagegenrein und schön, mit breiten Strassen und geräumigen Plätzen.Glasgow besitzt eine erstaunliche Menge von prächtigen Denk-malen (Wellington, Nelson, James Watt, John Knox, Peel, Pitt,Walter Scott, Königin Victoria, Prinz Albert u. s. w.). Unterden Unterrichtsanstalten und wissenschaftlichen Instituten stehtdie Universität obenan. Ihre Bibliothek enthält 180.000 Bände.Sternwarte, Museum, botanischer Garten, Malerakademie, Athe-näum. Von den Kirchen ist in erster Linie die alte Kathedrale,von den öffentlichen Gebäuden die glänzende Börse zu nennen.Als Handelsstadt nimmt Glasgow einen hohen Rang ein. Eslaufen in der Stadt oder in deren Nähe nicht weniger als neunSchienenwege und drei grosse Schifffahrtscanäle zusammen.
Andere bemerkenswerthe Städte Schottlands sind: Paisley (56.000 Einwohner),mit zahlreichen Seiden- und Baumwollfabriken; Greenock (69.000 Einwohner),Geburtsort James Watt’s, mit Eisenindustrie und zahlreichen Schiffswerften. —Aberdeen (105.000 Einwohner), an der Mündung des Dee, wichtig als einer derMittelpunkte der nordischen Fischerei, als Industrieort (Manufacte, Eisen giessereien)und Handelsplatz (Schiffbau). Der Hafendamm ist ein hervorragendes hydrotechnischesWerk. Mehrere prachtvolle Brücken, theils aus Stein, theils aus Eisen. — Inverness(17.500 Einwohner), Hauptort von Nordschottland, mit regem Gewerbfleiss undwichtig wegen seiner Lage am nordöstlichen Ende des Caledonischen Canals, durchwelchen die Stadt in directer Verbindung mit dem Atlantischen Ocean steht.
Eine der merkwürdigsten Städte Schottlands ist Perth (30.000 Einwohner),an der Wurzel des Firth of Tay gelegen, reich an Erinnerungen an die schottischeVorzeit, mit dem alten Residenzschlosse Scone (jetzt Privateigenthum), vielen wissen-schaftlichen Instituten, Fabriken und Eisengiessereien. ■— An der Mündung des Tayliegt Dundee (142.500 Einwohner), Hauptsitz der britischen Leinen- und Jute-industrie, mit bedeutendem Schiff- und Maschinenbau. Die Marienkirche hat gross-artige Dimensionen. Bei Dundee wird der hier 3200 Meter breite Tay von der Eisen-bahn überschritten. Die erste, grossartige Brücke stürzte am 28. December 1879 ein,als eben der Edinburgher Expresszug sich auf ihr befand. Der ganze Zug verschwandin den Fluthen und Niemand ist gerettet worden.
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Die Hauptstadt von Irland ist Dublin (353.000 Einwohner),am kleinen Flüsschen Liffey und im Hintergründe einer seichten,durch ungeheuere Dämme vor Versandung und Verschlammunggeschützten Bucht gelegen. Die einzelnen Stadtviertel haben einsehr verschiedenes Aussehen und giebt es ebensoviele elendeArmenquartiere als glanzvolle Stadttheile mit dem Schmuckeschöner Strassen und weitläufiger, statuengeschmückter Plätze.Im öffentlich zugänglichen Phönixparke befindet sich die
66 Meter hohe Wellington-Säule und die „Phönixsäule”. Dasgrösste Gebäude Dublins ist das ungeheuere Zollhaus, ein präch-tiges, von Arcaden umgebenes Viereck. Die prachtvolle Kuppelziert eine riesige Mercurstatue. Der schöne Dom beherrscht dieganze Stadt. Die Sackvillestreet, die vornehmste der Stadt,in welcher sich die 41 Meter hohe Nelson-Säule befindet, führtin das elegante Viertel von Summer-Hill. Ueber den die Stadtdurchfliessenden Liffey setzen zwölf Brücken, am Hafen liegendie stattlichen Docks und die ungeheueren Bassins, von denender Königscanal und der grosse Canal ausgehen. Eine schöneAllee umzieht die fast kreisförmig angelegte Stadt. Von denm Kirchen sind 86 anglicanische, der Rest katholische. Dasehemalige Castell ist jetzt Amtssitz des Vicekönigs. Bemerkens-werth sind: der Palast des Herzogs von Leicester, die Kathe-drale St. Patrick, die Börse, Universität, die Leinwandhalle,die Nationalbank u. s. w. Als Industriestadt steht Dublin hinteranderen Städten Irlands zurück.
Der grösste und wichtigste Industrieort der Insel istBelfast (210.000 Einwohner), Hauptstadt der Provinz Ulster,im Hintergründe einer schönen und geräumigen Bucht, anwelcher sich grosse Docksanlagen befinden. Das wichtigsteGewerbe ist die Leinenfabrikation, dann die Baumwollmanu-factur; Maschinenbau, Eisengiesserei und andere Branchenstehen in zweiter Reihe. Belfast ist hübsch gebaut und hatmehrere hervorragende Gebäude, von welchen wir die KirchenSt. Anna und St. Georg, die Leinenhalle, die Börse, das Mu-seum und das Handelsgebäude nennen.
Andere wichtige Städte in Irland sind: Galway (14.000 Einwohner), Hauptortder Provinz Connaught, Haupthafen für den Seeverkehr nach Nordamerika, mitTuch- und Leinwandfabriken und grosser katholischer Kathedrale. — Cork (79.000Einwohner), in der Grafschaft Münster, an einem der schönsten Häfen Europas, ander Südküste der Insel gelegen, aber unschön gebaut, eng und schmutzig. Ein Theilder Stadt liegt auf mehreren Eilanden; Vorhafen ist Queenstown, wo die Flotteverproviantirt wird. Cork ist das „Schlachthaus von England”. Die Industrie ist nichtvon Belang, die Gerberei etwa ausgenommen. — In der Provinz Münster liegen noch:Limerick (41.000 Einwohner), mit drei getrennten Stadttheilen, von denen derenglische durch schöne Anlagen sich auszeichnet, während die beiden anderen Vierteleng und schmutzig und vorwiegend von allerlei irischem Gelichter bewohnt wird.Eine Merkwürdigkeit der Stadt sind die sogenannten „hängenden Gärten”, in Terrassenansteigende Anlagen. Ueber den Shannon, an dessen Mündung in die ShannonbuchtLimerick liegt, spannt die schöne Wellesley-Brücke. Die Industrie ist nicht vonBelang, der Handel dagegen von grosser Bedeutung. — Eine der schönstgelegenenStädte der Insel ist Killarney (5200 Einwohner), am gleichnamigen See, mitromantischer Umgebung. — Ganz im Norden der Insel liegt Londonderry (25.000Einwohner), der Haupthafen für Auswanderung, mit lebhaftem Handel. — Wexford(13.000 Einwohner), in der Südostecke der Insel, ist seiner Austern, Kilkenny(12.700 Einwohner), im Nordwesten von Wexford, seiner Tuchindustrie halber er-wähnenswerth. — In der Nähe von Belfast befindet sich Armagh (8300 Einwohner),beachtenswerth wegen seiner trefflich angebauten Fluren.
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Zum europäischen Besitz des vereinigten Königreiches ge-hören noch: Gibraltar (siehe S. 61), die Maltagruppe (sieheSüdeuropa, Italien) und das kleine Felseneiland Helgolandvor der Elbemündung.
Colonien. Asien: Britisch-Indien, Andamanen, Nikobaren, Lakkadiven, Ceylon,Britisch-Birma und die „Straits-Settlements”, Singapur, Hongkong, Labuan, Port Ha-milton bei Korea; ferner Aden mit der Insel Perim, Kypern. — Amerika: Britisch -Nordamerika mit Canada und Neufoundland, die Prinz Edwards-Insel; dann die Ber-mudas- und Bahama-Inseln, Jamaika, Honduras, fünfzehn von den kleinen Antillen ;ferner in Südamerika: Britisch-Guyana und die Falklands-Inseln. — Afrika: dieCapcolonie mit Natal, die „West-African-Settlements” (Lagos, Goldküste, Sierra Leone,Gambia) und die oceanischen Inseln St. Helena, Ascension, Tristan da Cunha,Mauritius und Dependenzen, St. Paul und Neu-Amsterdam. — Australien: derganze Continent mit Tasmania und Neu-Seeland, dann in der Südsee: die Fidschi-Inseln, Rotumah, Auckland, Lord Howes, Maiden, Panning, Starbück u. s. w.