Schloss Varzin.
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B. Mitteleuropa.
i. Das Königreich Dänemark.
Die dänische Halbinsel, welche in Bezug auf die Abstam-mung seiner Bewohner und geschichtlichen Vergangenheit zuSkandinavien gehört, also einen Theil von Nordeuropa bildet,gehört gleichwohl in geographischer Beziehung zu Mittel-europa. Dänemark ist nämlich nichts Anderes als eine penin-sulare Ausgestaltung des Küstenrandes von Deutschland. DieseHalbinsel trennt die Nordsee von der Ostsee, war aber in vor-historischer Zeit, als auch der grossbritannische Archipel nochmit dem Continente zusammenhing, mit der skandinavischenHalbinsel verwachsen, und zwar in der Gegend des heutigenChristiania, so dass der Meerescanal Skager Rack einen lang-gestreckten Fjord bildete.
Länderbestand und Grösse. Das Königreich Dänemarkbesteht: aus den Inseln des dänischen Archipels mit Einschlussder im Süden von Schweden liegenden Insel Bornholm; aus Jütland,d. i. der festländischen Halbinsel ohne Schleswig und Holstein, also dernördlichen Hälfte derselben; aus den sogenannten Nebenländern, unterwelchen man die kleine Inselgruppe der Färöer und die grössere InselIsland, beide im Nordatlantischen Ocean gelegen, versteht. Der gesammteLänderbestand hat einen Flächeninhalt von 232.879 Quadratkilometer (dasStammland allein 38.300 Quadratkilometer).
Bodengestalt. Die dänische Halbinsel ist, wie bemerkt, ein Glied desnorddeutschen Küstenlandes, gehört also in Bezug auf ihre Oberflächen-gestalt dem germanischen Tieflande an. Nur unbedeutende Hügel erhebensich über die Ebene, welche theils fruchtbares Marschland, theils Sandbodenund Heideland ist. Der höchste „Berg” ist der Ejersbavnehöj, der zuder bescheidenen Höhe von 172 Meter ansteigt. Der ganze Westrand vonJütland ist meist von ungeheueren Sanddünen begleitet, welche land-einwärts fortschreiten und beständigem Formenwechsel ausgesetzt sind.Der nördliche Theil von Jütland—jenseits des Liimfjord — war einst mitder Halbinsel verbunden, bildet aber seit dem Jahre 1825, wo die Nordseedie Verbindung durchbrach, eine Insel, deren nördlichster Punkt CapSkagen ist. — Die Inseln sind theils eben, theils von wellenförmigenniederen Rücken durchzogen.
Durch seine doppelte marine Begrenzung und durch die der Halbinsel im Osten vorliegendenInseln gehört Dänemark zu den reichstgegliederten Ländern Europas. Zwischen Nordjütland undNorwegen fluthet der Skager Rack, zwischen Jütland und Schweden das Kattegat. An derScheidelinie zwischen diesem und der Ostsee liegen die mehrgenannten Inseln — Seeland, Möen,Laaland, Falster, Langeland, Fühnen und mehrere Eilande — zwischen welchen drei See-strassen: der Sund, zwischen Schweden und Seeland; der Grosse Belt, zwischen Seeland undFühnen, und der Kleine Belt, zwischen Fühnen und der dänischen Halbinsel, die Verbindungmit der Ostsee herstellen. Die letztgenannten beiden vereinigen sich im Nordosten der Kieler Buchtund bilden den Fehmarn Belt, zwischen der dänischen Insel Laaland und der zu Holstein ge-hörigen Insel Fehmarn.
An grösseren Flüssen fehlt es gänzlich; der bedeutendste ist derGudenaa in Jütland, der eine Lauf länge von 127 Kilometer hat. DerKongaa bildet eine Strecke weit die Grenze zwischen Dänemark und demDeutschen Reiche.
Das Klima ist unbeständig, in Nordjütland meistens kalt, am mildestenauf den Inseln. Die Färöer, welche dem Einflüsse des Golfstromes unterliegen,
haben zwar, trotz ihrer hohen Pollage, ein gemässigtes, aberdurch grosse Feuchtigkeit, schwere Nebel und heftige Stürmegekennzeichnetes Klima. Island ist ein nordisches Land, dessennördlichster Theil bereits am Polarkreis liegt. Im Inneren istdie Insel von fast arktischer Natur. Die Küsten haben mildereklimatische Verhältnisse, doch sind auch sie heftigen Stürmenausgesetzt.
Bevölkerung. Dieselbe betrug im Jahre 1884, einschliesslichder Nebenländer, 2,172.364 Seelen. Die Dänen gehören zumgermanischen Stamme und theilen mit diesem die Eigenschaft,zu ihren Stammverwandten fast gar keine Zuneigung zu em-pfinden. Sie sind, wie die Schweden, warme Freunde der Fran-zosen, keineswegs aber solche für die ihnen so nahe verwandtenDeutschen, was freilich vorwiegend auf die politischen Schick-
r Schloss Kronborg.
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