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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. I. Das KönigreichLDänemark.

IOI

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Thorshavn.

Seitencanäle noch vergrössert wird. In der Nähe der Resi-denz liegt das königliche Schloss Fr ederiksborg, mit schönem,dem Publicum zugänglichem Garten.

Von anderen Städten auf Seeland ist Helsingör (9000Einwohner) mit der Festung Kronborg, am Sund (der nurwenige Kilometer breit ist) gelegen. Roeskilde (5900 Ein-wohner), im Westen von Kopenhagen, mit prachtvoller Kathe-drale, in welcher die Königsgruft sich befindet. Der Ort warbis zum 10. Jahrhundert königliche Residenz.

Hauptort der Insel Fühnen ist Odensee (20.900 Ein-wohner), die älteste Stadt Dänemarks, ein freundlicher Ort,5 Kilometer vom Meere entfernt gelegen, mit schöner Kathe-drale und einem Schlosse. Ny borg (5400 Einwohner), gleich-falls auf Fühnen, Station der Kriegsschiffe, am Grossen Beltgelegen, auch deshalb erwähnenswerth, weil der Ort in frühererZeit königliche Residenz war.

In Jütland ist die grösste Stadt Aarhus (25.000 Ein-wohner), am Kattegat gelegen, mit Gewerbthätigkeit und leb-haftem Handel. Etwas nördlicher, im innersten Winkel desgleichnamigen Fjords, liegt Randers (13.500 Einwohner), diedrittgrösste Stadt Jütlands, mit lebhaftem Handel und Schiff-bau. Am Liimfjord und an der Bahnlinie, die ihn hier über-setzt, befindet sich Aalborg (14.000 Einwohner), nächst Aarhusdie volkreichste Stadt der Halbinsel, gleichfalls handelsthätigund Mittelpunkt der dänischen Häringsfischerei. Am KleinenBelt, gegenüber von Fühnen, erhebt sich das stark befestigteFredericia (8300 Einwohner), und nordwestlich hiervon,in einem tiefen Fjord,

Veile (7000 Einwoh-ner), in reizender Lage;dann weiter nordöstlich,gleichfalls am Meere ;

Horsens (12.000 Ein-wohner) mit lebhafterHandelsthätigkeit. Diejütische Westküste istarm an bemerkenswer-then Städten. Daskleine Ribe (4000 Ein-wohner) war, wie man-cher andere Hafenortan der Nordsee, vorAlters eine der blühend-sten und berühmtestenunter den nordischenStädten. Durch Sturm-fluthen zugrunde ge-richtet, hat es jetzt dieverschlammtenHalli-gen vor sich, welcheihr den Weg in dieAussenwelt versperren.

Ribe ist einetodteStadt in dem Sinne,wie wir solche Oertlich-keiten an der Zuider-see kennen gelernthaben.

Was die Nebenländer Dänemarks anbetrifft, verweisen wir, zunächst derFäröer gedenkend, auf das, was über diese Inseln an anderer Stelle gesagt wurde(siehe S. 55). Hauptort des kleinen Archipels ist Thorshavn, ein kleines Städtchenvon IOOO Seelen, als Handelsplatz bedeutend, sonst aber ohne Merkwürdigkeiten.

Island, als die Grenzscheide zwischen dem nordatlantischen Ocean und demnördlichen Eismeere gelegen, ist ein finsteres, melancholisches Land, mit menschen-leeren Eis- und Fels wüsten im Inneren. Gleichwohl ist es eines der merkwürdigsten,an Naturwundern reichen Länder Europas. Nur in wenigen Thälern und an einzelnenKüstenstrichen ist Vegetation vorhanden und Anbau möglich; diese Strecken sinddenn auch die einzig bewohnten. Die Hauptmasse der Insel besteht durchaus ausvulcanischem Gestein, die Felshügel und Felsebenen sind fast ohne Ausnahme Lava-felder und Lavaströme. Die Insel hat mehrere Vulcane, von denen etliche nochthätig sind. Der bekannteste ist der Hekla (1557 Meter), dessen zahlreiche undfurchtbare Ausbrüche Gegenstand eingehender Untersuchungen geworden sind. AndereVulcankegel sind: der Öräfajökull (1959 Meter), der Skaptar, der im Jahre 1783einen ungeheueren Lavastrom von 200 Meter Tiefe und 70 Meter Breite ergoss; derKrabla, Leihrenker u. s. w. Allbekannt sind auch die heissen QuellenGeysir genannt über welche wir anderenorts (siehe S. 15) berichtet haben. DasInnere ist weithin mit mächtigen Gletschern bedeckt.

Im Inneren der Berge findet man auch Eislager in natürlichen Eiskellern, inunterirdischen Höhlen, die, von Stalaktiten und Stalagmiten aus Lava bekleidetund angefüllt, durch den zauberhaften Glanz, den sie verbreiten, durch die mannig-fachen Formen des krystallisirten Wassers ausserordentlich fesselnde Bilder abgeben.Andere Schaustücke bieten die vielen Wasserläufe von bedeutender Tiefe undBreite. Sie sind insgesammt reissend. Von Lava-Anhäufungen aufgehalten, stauen sichdie Wasser und stürzen alsdann in unzähligen, prachtvollen Cascaden in die Tiefe.Die Strome führen bald das Eiswasser der Gletscher, bald die lauwarme Fluth dervielen heissen Quellen. Die geologische Beschaffenheit von Island ist in kurzenWorten: eine Anhäufung jüngerer eruptiver Gesteinsmassen, die einst im Gluthflusssich aus den Spalten hervordrängten, erstarrten und sich krystallinisch ausbildeten.In den Wüsteneien des Inneren der Insel finden sich grosse Anhäufungen vonTriebsand, der durch seine Feinheit äusserst gefährlich ist und vom Sturme zuBergen aufgethürmt wird. Von Ruhe ist auf diesem in vieler Beziehung merkwürdig-sten Lande von Europa ohnedies niemals die Rede. Allenthalben vernimmt man einunheimliches Grollen in den unterirdischen Tiefen. Alsdann erbebt der Boden,Dampf wallt auf, es entstehen neue Krater, aus welchen Lavaströme hervorquellen,oder ungeheuere Mengen von vulcanischer Asche aufsteigen, um sich über die ganzeInsel zu verbreiten. Auf diese Weise sind einige Tausend Quadratkilometer ehe-maliger Weidegründe in sterile Einöden verwandelt worden.

Durch die klimatischen Einflüsse des Golfstromes ist das Klima nicht so rauhals man meinen möchte. Der Feldbau ist indess gleichwohl unmöglich, da die Nebeldie Insel monatelang umhüllen und die Feuchtigkeit im Verhältnisse zur Sonnen-wärme zu gross ist. Wälder giebt es nirgends. Nur einiger Gemüsebau wird betrieben. Die ganze Insel, obwohl über 100.000 Quadratkilometer gross, beherbergt nur70.000 Bewohner, Nachkommen des urgermanischen Stammes, mit reichen Schrift-denkmalen und poetischen Ueberlieferungen. Hauptort der Insel ist Reykjavik(2200 Einwohner), an der Westküste der Insel, mit einem bemerkenswerthen geistigenLeben, das man diesem Ultima Thule nicht zumuthen würde.

Colonien. In Amerika: Grönland; die kleinen Antillen St. Croix, St. Thomasund vSt. John.

Reykjavik.

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