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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

2. Das Deutsche Reich.

Nach dem Zerfalle desDeutschen Bundes im Jahre 1866folgte demselben derNorddeutsche Bund, eine Schöpfungder preussischen Regierung. Während des deutsch-französischenKrieges (November 1870) schlossen der König von Preussenim Namen des norddeutschen Bundes und die Könige vonBayern und Württemberg, dann der Grossherzog von BadeneinenDeutschen Bund, aus welchem durch die Initiativedes Königs Ludwig II. von Bayern das Deutsche Reichwurde. König Ludwig hatte nämlich an den König von Preussenden Ruf ergehen lassen, die seit mehr als 60 Jahren ruhendeKaiserwürde, gleichzeitig mit der Schöpfung des DeutschenReiches, zu übernehmen. Durch Zustimmung sämintlicherdeutschen Fürsten und der freien Städte nahm König Wilhelmvon Preussen am 18. Januar 1871 im Schlosse zu Versailles dieerbliche Würde eines deutschen Kaisers an.

Lage und Grösse. Das Deutsche Reich nimmt die nördlicheHälfte von Mitteleuropa ein, und hat zu westlichen NachbarnFrankreich, Belgien und Holland, im Norden das KönigreichDänemark, im Osten das russische Kaiserreich, im Süden dieösterreichisch-ungarische Monarchie und die Schweiz. Fast dieganze Nordgrenze ist Küstenland.

Bemerkenswerth ist, dass Deutschland, vermöge seiner geographischen Lage,nächst Oesterreich-Ungarn die grösste Zahl von staatlichen Nachbarn in Europaaufzuweisen hat. Ausser dem völlig isolirten Inselreich Grossbritannien und Irland,haben von den europäischen Reichen zu staatlichen Nachbarn: Portugal 1 (Spanien);Spanien 2 (Portugal und Frankreich); Frankreich 5 (Spanien, Italien, Schweiz, Deutschlandund Belgien); Belgien 3 (Frankreich, Deutschland und Holland); Holland 2 (Belgienund Deutschland); Dänemark I (Deutschland); Deutschland 7 (Dänemark, Russland,Oesterreich-Ungarn, Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland); Schweiz 4 (Deutsch-land, Oesterreich-Ungarn, Italien und Frankreich); Oesterreich-Ungarn 8 (Deutschland,Russland, Rumänien, Serbien, Türkei, Montenegro, Italien und Schweiz); Italien 3;Türkei 5 (ausser Bulgarien); Russland (in Europa) 4; Norwegen 2; Schweden 2 u. s. w.

Das Gesammtareal des Deutschen Reiches umfasst 540.598*8Quadratkilometer. Alle näheren statistischen Daten sind in derbetreffenden Tabelle am Schlüsse des Werkes enthalten.

Der Länderbestand des Deutschen Reiches ist der folgende:

1. Königreiche (4): Preussen, Bayern, Sachsen, Württemberg.

2. Grossherzogthiimer (6): Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-

Strelitz, Oldenburg, Sachsen-Weimar.

3. Herzogthümer (5): Braunschweig, Sachsen - Meiningen, Sachsen-Altenburg,

Sachsen-Coburg-Gotha, Anhalt.

4. Fürstenthümer (7): Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Wal-

deck, Reuss ältere Linie, Reuss jüngere Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe-Detmold.

5. Freie Städte (3): Lübeck, Bremen, Hamburg.

6. Das Reichsland: Elsass-Lothringen.

Brandung an der Küste von Rügen.

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Bodengestalt (vgl. S. 58). Im Norden wird das DeutscheReich mit kurzer Unterbrechung an der Wurzel der däni-schen Halbinsel (zwischen der nordfriesischen Küste und demKleinen Belt) vom Meere, im Westen von der Nordsee, imOsten von der Ostsee bespült. Die Küste der letzteren ist vonMemel bis Rügen meist flach und sandig, von Dünen besetzt,die sich stellenweise zu bedeutender Höhe erheben. Bei Rügentreten stellenweise steile und hohe Kreidefelsen auf und anden Uferstrecken von Mecklenburg und Schleswig-Holstein giebtes viele vorzügliche Häfen und sichere Rheden. Die preussischeKüste der Ostsee ist hafenarm; nennenswerthe Anlaufplätzesind nur Swinemünde und Neufahrwasser. Im Hinter-gründe der Danziger Bucht, der grössten an der ganzenKüste, befindet sich das Frische Haff, im Norden vonKönigsberg das Kurische Haff, bei Stettin das StettinerHaff. Die festländische Verbindung zwischen Ostsee undNordsee ist durch ein niedriges Flachland mit Seen, Morästenund Sümpfen bezeichnet.

Die Küste der Nordsee begrenzt den westlichen Theil des norddeutschen

Tieflandes; das Ufer ist flach,das Land liegt streckenweiseunter dem Meeresspiegel, esist an der Küste und denUfern der grösseren Strömeeingedeicht. Die Ufer, zur Zeitder Fluth theihveise leichtmit Wasser bedeckt, liegenzur Zeit der Ebbe als Sand-und Schlammflächen da undsind von Rinnsalen durch-furcht. Dem Ufer liegen,westlich vom Jahdebusen,mehrere Eilande vor, welchedurch Watten mit dem Landein Verbindung stehen, wo-durch einer feindlichen Flottedie Annäherung an die Küstesehr erschwert wird. Das Kü-stenland ist ausserdem durchseine U nwegsamkeit geschützt.In den fruchtbaren Theilen,sowie in den Torf- und Moor-gründen ist der Verkehr nurauf schmalen, hohen Dämmenmöglich. In den trägen Aus-flüssen der grossen Strömesind bäuligeVersandungen mitnur sehr schmalen, oft wech-selnden Fahrwassern.

Das norddeut-sch e T i e fl a n d nimmtden Raum von der Ost-see bis an den Fuss desSudetensystems undder Karpathen, vonder Aller bis zur Ost-grenze des Deutschen

Häringsfang in der Nordsee.

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