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B. Mitteleuropa. — II. Das Deutsche Reich.
Der Rheinfall bei Schaffhausen.
(Karwendelspitze, 253oMeter) — theilweise zumDeutschenReiche.Der östliche Theil zerfällt in mehrere Abschnitte, zwischenwelchen der Tegernsee und der Schliersee eingebettet sind. —Die Salzburger Alpen, mit dem Kessel des Königssees alsMittelpunkt, bilden den schönsten Theil der zu Deutschlandgehörigen Alpen. Im Westen des Königssees erhebt sich dergrossartige Stock des Watzmann (höchster Gipfel 2773 Meter),im Süden das Steinerne Meer (Schönfeldspitze, 2650 Meter).Bei Reichenhall steht der Hohe Staufen (1775 Meter), an derösterreichischen Grenze der Untersberg (1966 Meter). — Vonder Saalach westwärts verlaufen drei Ketten, von welchen zweizu Deutschland gehören, eine an der Grenze gegen Oesterreichverläuft. Die nördlichste Kette umfasst das Randgebirge gegendie bayerische Hochebene und ist das auf deutschem Bodenam weitesten nach Norden streichende Alpenglied (höchsterGipfel: Hochgern, 1746 Meter).
Flüsse. 1. Gebiet der Ostsee: die Memel (in Russland, wosie entspringt, Njemen genannt), welche sich in das KurischeHaff ergiesst; der Pregel, in das Frische Haff mündend. —Die Weichsel, deren Quellen in Oesterreichisch-Schlesienliegen, theilt sich unterhalb von Mewe in zwei Arme, derenöstlicher die Nogat genannt wird, während der westliche denursprünglichen Namen beibehält. Die Nogat mündet in dasFrische Haff, die eigentliche Weichsel theilt sich aber bei demsogenannten „Danziger Haupt” abermals in zwei Arme, vondenen der östliche gleichfalls ins Frische Haff fällt, währendder westliche zwei Meilen östlich von Danzig bei Neufähr indie Ostsee sich ergiesst. Die Nebenflüsse sind unbedeutend. —Die Oder entspringt in Mähren und ergiesst sich unterhalbvon Stettin in das Stettiner Haff. Nebenflüsse rechts: Klodnitz,Malapane, Bartsch, Netze mit der Warthe und Ihna; links:Oppa, schlesische Neisse, Katzbach, Bober und Lausitzer Neisse.Ausserdem eine grössere Zahl unbedeutender Küstenflüsse.
2. Gebiet der Nordsee: die Elbe. Ihre Quellen liegen aufösterreichischem Gebiete im Riesengebirge. Bei Melnik, wo dieElbe die Moldau aufnimmt, wird erstere schiffbar; von Hamburgab kann sie mit den grössten Kauffahrteischiffen befahrenwerden; die Fluth steigt 163 Kilometer weit in die Elbe bisoberhalb Hamburg hinauf. Die bedeutenderen Nebenflüsse sind,rechts: Lachsbach, Polenz, Wesenitz, Schwarzelster, die Havelmit der Spree; links: die Mulde (aus der Zwickauer und Frei-burger Mulde bestehend), Weisselster mit der Pleisse, Saalemit Unstrut und Bode. — Die Weser, aus Werra und Fuldaentstehend, durchfliesst hauptsächlich Westphalen und Hannoverund mündet unterhalb Bremen. Nebenflüsse, rechts: Lesum,Aller mit Ocker und Leine; links: Diemel, Werra, Aue undHunte. — Die Ems mit der Haase. — Der Rhein. Seine vielenQuellen liegen in den Adularalpen und am St. Gotthardstock.Auf deutsches Gebiet tritt er nach seinem Austritte aus demBodensee, von wo ab er, mit Ausnahme des SchaffhausenerGebietes, die Grenze gegen die Schweiz bildet. Bis Baselwendet er nordwärts und behält diese Richtung im Grossenund Ganzen bis zu dem Punkte bei, wo er das deutsche Gebietwieder verlässt und durch eine scharfe Biegung nach Westenin Holland eintritt. Von den zahlreichen Nebenflüssen erwähnenwir, rechts: Wutach, Elz, Kinzig, Murg, Main (aus dem Rothenund Weissen Main entstehend, mit Saale und Kinzig rechts,Regnitz mit Pegnitz, und Tauber links), Neckar (mit Erms, Fils,Murr, Kocher und Jagst rechts, Glatt und Enz links), Lahn,
Wied, Sieg, Wupper, Ruhr und Lippe). Nebenflüsse desRhein, links: Lauter, Aurich, Nahe und Mosel (mit derSaar rechts und der Kyll links), Ahr und Erft.
3. Gebiet des Schwarzen Meeres: die Donau. Sieentspringt im Schwarzwalde, heisst bis Donaueschingen,wo sie die Brigach aufnimmt, Brege. Die Donau durch-fliesst ganz Württemberg, tritt bei Ulm in Bayern einund verlässt bei Passau das deutsche Gebiet. Ihre wichtig-sten Nebenflüsse sind, rechts: Ablach, Riss, Roth, Iller,Lech, Isar, Inn (mit der Salzach); links: Lauter, Brenz,Egger, Wörnitz, Altmühl, Nab, Regen (aus dem Schwarzenund Weissen Regen entstehend) und Ilz.
Seen. Ausser den bereits mehrmals genannten Haffsund vielen Strandseen und den zahlreichen Wasserspiegelnder „Seenplatte” besitzt das Deutsche Reich nur un-bedeutende binnenländische Wasserbecken. Vom Boden-see, welcher der grösste ist, gehört nur ein Theil zuDeutschland. Die schönsten, wenn auch räumlich un-bedeutenden Seen liegen im Alpengebiete, als: Eibsee,Walchensee, Kochelsee, Ammersee, Starnberger-(oder Würm-)see, Tegernsee, Schliersee und dergrössere Chiemsee. Das schönste Wasserbecken ist der kleineKönigssee. — In Baden liegt der durch seine Ilöhenlage(1029 Meter) bemerkenswerthe Mummelsee, der noch höhere(1110Meter) Feldsee und der fischreiche Schluchsee. — Reichan Seen ist Mecklenburg. Der grösste ist der Müritzsee, dergrösste aller Wasserspiegel im nördlichen Deutschland. Zunennen wären noch der Plauensee, der Schwerinersee,der Schaalsee und der durch landschaftliche Schönheit aus-gezeichnete Malchinersee.
Klima. Das germanische Mitteleuropa gehört theils dem oceanischen, theilsdem baltischen Klima an, doch sind schroffe Gegensätze nicht zu verzeichnen, ebenso-wenig in meridionaler Beziehung zwischen Norden und Süden. Auch in Bezug aufdie Niederschlagsmengen bestehen zwischen Westen und Osten keine Unterschiedevon Bedeutung und wirkt hier das Tiefland, trotz der oceanischen Einflüsse imWesten, ausgleichend. Die Hochebenen am Nordfusse der Alpen stehen in ihrersüdlichen Hälfte unter dem unmittelbaren Einflüsse des Hochgebirges. Das mittlereRheingebiet kennzeichnet sich als die günstigste klimatische Provinz Mitteleuropas.Nordwestdeutschland gehört der oceanischen Provinz an. Die klimatische ProvinzMitteldeutschlands ist durch längere und strengere Winter mit reichlichen Nieder-schlägen und durch grössere Temperaturextreme als Westdeutschland gekennzeichnet.In Folge der heisseren Sommer erreicht dort (in Mitteldeutschland) die Weinculturdie nördlichste Grenze.
Schlesien und Polen bilden den Uebergang zum continentalen Klima desOstens. Der Winter ist kälter als in Mitteldeutschland, während der Sommer aufgleicher Höhe bleibt. Die Weichsel ist oft durch drei Monate zugefroren. Die Nieder-schläge sind im Allgemeinen so hoch als in Mitteldeutschland, im Winter aber ge-ringer. Das verhältnissmässig ungünstigste Klima hat Nordostdeutschland, in welchemder Charakter des baltischen Klimas am ausgesprochensten zu Tage tritt. Es sindhier nicht nur die höheren Breiten, sondern auch die grössere Entfernung von denEinflüssen der wärmeren Westwinde entscheidend für den extremeren Witterungs-charakter des Gebietes zwischen Oder und Weichsel und darüber hinaus. Das Flusseisthaut durch vier Monate nicht auf; der Schnee liegt ebenso lange und länger, derSommer aber zeichnet sich durch Beständigkeit aus. An Niederschlägen ist jedochkein Mangel.
Bevölkerung. Nach dem Census vom 1. December 1885 zähltdas Deutsche Reich 46*8 Millionen Bewohner, von welchen92% deutscher Nationalität, 8% nicht-deutschen Stammes sind,und zwar Polen (circa 27 Millionen), Franzosen (220.000), Dänen(150.000), Lithauer, Wenden, Mährer, Tschechen und Fremde(nicht-deutscher Nationalität). — Nach Confessionen zählt man
Deutsches Trajectschiff auf dem Bodensee.
--igr