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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

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Reiches und darüber hinausein. Die Oberfläche diesesTieflandes trägt weit wenigerals die von Nordwestdeutsch-land den Charakter einerEbene; sie ist weit mannig-faltiger als man vermuthenwürde. Uebereinstimmendmit jener Zone von Seen-platten, welche von dendänischenlnseln überSchwe-den nach Finnland hinüber-zieht und an den Gestadendes Weissen Meeres endet,zieht eine durch zahlreicheFlussdurchbrüche charakte-risirte Zone von Seenplattendurch Holstein, Mecklenburg,

Pommern, Preussen nachLithauen, und von hier durchRussland bis zum Uralge-birge.

Den Uebergang von dem Tieflande zu den Alpen bildeteine Reihe von Plateaux, Kettengebirgen und Hochebenen,welche man als Deutsches Mittelgebirge bezeichnet. Es zerfällt:

1. Die böhmische Gebirgsgruppe, mit dem Böhmer-walde (höchster Gipfel: Grosser Arber, 1458 Meter) und dembayerischen Walde (höchster Gipfel: Dreitannenriegel, 1216Meter). Zur böhmischen Gebirgsgruppe zählen ferner:

Das Sudetensystem, mit dem mährischen Gesenkezwischen der oberen Oder und den Quellen der March (höchsterGipfel: Altvater, 1487 Meter); dem Glatzer Gebirgsland, zubeiden Seiten der oberen Neisse (höchster Gipfel: GrosserSchneeberg, 1417 Meter); dem Riesengebirge, von den Bober-quellen nach Südsüdost und Nordnordwest (höchster Gipfel:Schnee- oder Riesenkoppe, 1605 Meter); dem Lausitzer Berg-land zwischen Iser und Elbe, einem Plateau mit geringfügigenErhöhungen. Zu beiden Seiten der Elbe erstreckt sich dasElb esandsteingebirge, von dem ein Theil diesächsischeSchweiz genannt wird.

Das sächsische Erzgebirge, zwischen Elbe und Eger,mit Steilabfall gegen Süden (höchster Gipfel: Keilberg, 1275Meter), ist besonders bemerkenswerth wegen seines Reichthumsan Erzen. Nördlich vom Böhmerwalde, im Herzen vonDeutschland, liegt das Fichtelgebirge, ein Hochland mit denQuellen mehrerer ansehnlicher Flüsse (höchster Gipfel: Schnee-berg, 1063 Meter). Als nordwestliche Vorlage zum Erzgebirgesind noch die zum Theile rauhen Hochlandschaften des Voigt-land und des Frankenwald zu erwähnen.

2. Die schwäbisch-bayerische Hochebene. Sie er-streckt sich vom Nordfusse der nördlichen Kalkalpen bis zurDonau, bei einer Breitenausdehnung von über 80 Kilometer,und ist von sehr einförmigem Gepräge. Grössere vollkommenflache Strecken sind das Lechfeld und die StraubingerEbene. Von den vereinzelten Höhen, welche über die Hoch-ebene aufragen, ist der Auerberg am Lech (1027 Meter) derbedeutendste.

3. Die oberrheinische Gebirgsgruppe. Sie setzt sichzusammen: aus dem Deutschen Jura, die rechtsrheinischeFortsetzung des Französi-schen Jura, mit dem Schwä-bischen Jura (bis zumWörnitzdurchbruch), dessenStrecke zwischen Geislingenund Ulm auchRauhe Albgenannt wird.Der Frän-kische Jura, vom Wörnitz-durchbruch bis zum Fichtel-gebirge, mit derFränki-schen Schweiz zwischen Er-langen und Bayreuth. DerSchwarzwald, zwischender Rheinbiegung bei Baselund dem Main, eine massige,mit finsteren Tannenwaldun-gen bedeckte Kette (höch-ster Gipfel: Feldberg, 1494Meter), mit zahlreichen Hoch-flächen im Inneren. DerOdenwald, z wischenN eckarund Main, mit geringfügigen

Gipfelhöhen (nirgends über550Meter). Der Spessart,nördlich des Odenwaldes, aufdrei Seiten vom Main umflos-sen (höchster Gipfel: Geiers-berg, 615 Meter), mit zumTheil schönen Eichen- undBuchenwaldungen. DieVogesen, das Parallelge-birge zum Schwarzwald aufder westlichen Seite desRhein, streichen vom Pla-teaulande derBurgundi-schen Pforte nordwärts biszur Lauter, an Höhe abneh-mend, die steileren Abhängedem Rheine zugekehrt. Diegrösste Breite und Höhe hatdas Gebirge im südlichenAbschnitt (höchster Gipfel:Ballon de Sulz, 1432 Meter).Die nördlich von der Lauterals Plateau sich ausdehnende Fortsetzung der Vogesen führt denNamen Haardt. Die Höhen sind unbedeutend (Calmit 680 Meter).An die Haardt schliesst das Plateau des Donnersberg an(Königsstuhl, 674 Meter), an dessen Ostseite, bis zur Maas, dielothringische Hochebene sich erstreckt.

4. Die niederrheinische Gebirgsgruppe. Hierzu ge-hören: der Hunsrück, am linken Rheinufer, von Mosel undSaar umflossen; der Taunus, Fortsetzung des Hunsrück aufder rechten Seite des Rhein und zwischen Main und Lahn;die Eifel, ein nordwestlich des Hunsrück, zwischen Mosel undRhein sich erstreckendes rauhes, baumloses und unfruchtbaresPlateau. Im Nordwesten der Eifel liegt die Hohe Venn, einemeist aus Torflagern bestehende eintönige Hochebene; derWesterwald, am rechten Rheinufer, zwischen Lahn und Sieg;das Nordwestende desselben ist das kleine vulcanische Sieben-gebirge; das Sauerland, am rechten Rheinufer zwischenSieg und Ruhr, eine hohe Plateaufläche, deren Theile ver-schiedene Namen haben. Der zwischen der Ruhr und Lippestreichende schmale Bergzug heisst Haarstrang.

5. Das hessische Berg- und Hügelland besteht aus denVogelsbergen (nördlich vom Spessart) und der Rhön, zwischenFulda und Werra; letzteres ist nichts Anderes als eine Gruppevon Kegelbergen und vulcanischen Gebilden auf plateauartigerUnterlage (höchster Gipfel: Wasserkuppe, 950 Meter).

6. Der Thüringerwald, an den weiter oben genanntenFrankenwald anschliessend und in nordwestlicher Richtungetwa 140 Kilometer weit streichend, ist mit seinen vielen Kunst-strassen, Schlössern und Jagdhäusern eigentlich nichts Anderesals ein einziger grosser Park (höchster Gipfel: Grosser Beer-berg, 948 Meter). Im Nordosten liegt dem Thüringerwald dieThüringer Ebene vor.

7. Der Harz, zwischen Saale und Leine, ein mächtigesMassengebirge, dessen Theile der Oberharz und der Unterharzgenannt werden; in dem ersteren erhebt sich der Brocken(oder Blocksberg) bis zu 1140 Meter.

8. Das Weser-Bergland, eine Anzahl von zu beidenSeiten der Weser sich erstreckenden kleinen Plateaux. Ost-wärts von der Ems derT eutoburgerwald.

Die Alpen. Von den Glie-dern des Alpensystems ge-hören zum deutschenReichs-gebiete: die Algäu er Alpen,und zwar der mittlere Theilderselben zwischen Iller undLech und der nördlich davonstreichende Zug (höchsterGipfel: Trettachspitze, 2637Meter). Die BayerischenAlpen, zwischen Lech undInn, dessen westlichen Ab-schnitt das Wetterstein-gebirge bildet, mit demhöchsten Gipfel des Deut-schen Reiches, der Zug-spitze, 2957 Meter. Vommittleren Gebiete reicht nurdie nördlichste Parallelkette das Karwendelgebirge

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Gehöfte im Spreewalde.

mtm

Berchtesgaden mit dem Watzmann.

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