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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

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Völkerkunde mit reichhaltigen Samm-lungen, das reich dotirte Naturalien-cabinet, der botanische Garten (beiSchöneberg, vielleicht der reichste,den es giebt), der zoologische Garten,das neue Aquarium u. s. w. Ausser-dem: Gemäldegalerie, Sculpturgalerie,

Antiquarium, das ägyptische Museum wohl eines der interessantestender Welt (Louvre und Turin gehenvoraus) mit unschätzbarer Sammlungvon Gegenständen, die sich auf die Le-bensgebräuche der alten Aegypter be-ziehen. Dem Studienbeflissenen stehennoch mehrere andere bedeutsameöffentliche Sammlungen und eine an-sehnliche Zahl von Privatsammlungenoffen. Auch an literarischenund anderen Hilfsanstalten, sowie anWohlthätigkeits-Instituten ist Berlinüberaus reich. In Bezug auf ihre ge-werblicheThätigkeit nimmt die Stadteinen hervorragenden Rang ein. Esgiebt über 2000 Fabriken, welche an-nähernd 60.000 Arbeiter beschäftigen.

An der Spitze stehen die Maschinen-bauanstalten und Eisengiessereien;dann folgen die Fabriken für Textilwaaren, die Gold- und Silbererzeugnisse, musi-kalische und mathematisch-physikalische Instrumente, Porzellan, Uhren, Möbel, Mode-und Luxusartikel, Gummiwaaren, Leder-, Teppich-, Tapeten- und Whgenfabriken,Posamentierwaaren u. s. w.

Der öffentliche Verkehr in Berlin hat in letzterer Zeitungemein zugenommen und ist weit grossstädtischer entwickeltals der von Wien. Eine die Stadt im Bogen umziehende Ring-bahn, sowie eine Stadtbahn dienen neben zahlreichem öffent-lichen Fuhrwerk, Pferdebahnen u. s. w. zur Bewältigungder zu Zeiten enormen Personenfrequenz. Oeffentliche Belusti-gungsorte giebt es jetzt viel mehr als in früherer Zeit. Dergrossartigste derselben ist wohl der KrolPsche Sommer- undWintergarten. DerThiergarten (vor dem BrandenburgerThore) ist der populärste Erholungsort von Hoch und Nieder,etwa wie derPrater in Wien.

Unter den neunzehn ehemaligen Thoren ist das Branden-burger Thor, welches den seinerzeit von Napoleon I. entführtenSiegeswagen trägt, nach Grösse und Architektur das prächtigste.

Die Umgebung Berlins kann sich, wie bereits erwähnt,mit keiner der übrigen grossen Residenzstädte Madrid etwaausgenommen vergleichen. Berlin besitzt kein Meeresuferwie St. Petersburg, London, Stockholm, Kopenhagen, Lissabonund Constantinopel; es hat nicht die lieblichen parkartigenUmgebungen wie Paris, nicht das Mittelgebirge und die Vor-alpen wie Wien, kein Frascati und Tivoli wie Rom. Relativanziehende Gegenden sind jene von Charlottenburg (42.000Einwohner), mit königlichem Lustschlosse und vielen zum Theilprachtvollen Landhäusern der Berliner; im Spandauer Forste,an einem See, Grüne«wald, königliches Jagd-schloss; Schöneberg,mit geschmackvollenLandhäusern der Ber-liner; das freundlicheFischerdorf Treptow,ein beliebter Ort fürAusflüge und Wasser-partien; Tempelhof,mit Landhäusern, dann

Nie der schönhausen,

Tegel,Friedrichsfel-de,Pankow, Lichten-berg, Französisch-Buchholz u. s. w.

In der Provinz Branden-burg sind noch zu nennen:

Potsdam (51.000 Einwohner),daspreussische Versailles,zweite Residenzstadt, in hüb-scher Gegend, auf einer von derHavel und dem Havelsee gebil-deten Insel. Prachtvolle Brückeüber die Havel. Die Stadt ver-fügt über eine grosse Zahlprächtiger Gebäude. Der grösstePlatz ist der Lustgarten, inwelchem das königliche Schlosssteht. Im Allgemeinen ist Pots-dam ein wenig lebhafter Ort,dem nur der Hof, die Garnisonund der grosse Fremdenverkehrim Sommer Leben verleihen.

Spandau (3 2.000 Einwohner), amEinflüsse der Spree in die Havel,mit starker Citadelle auf einer Inselder Havel, Strafanstalt, Pulver- undGewehrfabrik, Geschützgiesserei.Fehrbellin (2100 Einwohner),Schlacht und Sieg am 28. Juni 1675des grossen Kurfürsten über dieSchweden. Sanssouci, königlichesSchloss in der Nähe von Potsdam, Lieb-lingsaufenthalt Friedrich des Grossen,mit neuem Palais, gleichfalls könig-lichem Schlosse von grosser Schönheit. Luckenwalde (14.000 Einwohner),mit einer der grössten Tuchfabrikendes Landes. Frankfurt a. d. Oder(54.200 Einwohner), mit lebhaftemHandel, vielen Lehranstalten etc. In derNähe das Schlachtfeld von Kuners-dorf. Küstrin (14.000Einwohner),starke Festung an der Oder. Lands-berg (25.000 Einwohner), sehr ge-werbfleissig und mit bedeutendemWollhandel, Maschinenfabriken, Eisen-giessereien.

2. Provinz (Herzog-thum) Pommern: Stettin (102.000 Einwohner), stark befestigtund erste Seehandelsstadt Preussens, an der Oder gelegen,mit viel Gewerbfleiss und lebhaftem Handel. Bemerkenswerthsind: das königliche Schloss mit interessanter Uhr, die alteJakobikirche, die Standbilder Friedrich^ des Grossen undFriedrich Wilhelms III. In der Nähe Grabow (14.000 Ein-wohner), mit den Schiffbau-Etablissements der GesellschaftVulcan.

Stargow (22.000 Einwohner), einst Hauptstadt von Hinterpommern, mit vielGewerbfleiss. An kl am (12.400 Einwohner), Gerbereien, Woll- und Leinenwebe-reien, Schiffbau und Seehandel. Stralsund (29.500 Einwohner), in alterthüm-lichem Geschmacke erbaut und befestigt, gegenüber von Rügen gelegen und ganzvon Wasser umgeben. Drei Brücken stellen die Verbindung mit dem Festlande her.Belagerung durch Wallenstein 1628 und Karl XII. 1714, Tod Schills 1809. Dievor der Stadt nur durch eine schmale Meerenge von ihr getrennt liegende InselRügen ist merkwürdig wegen ihrer Steilufer, bis 180 Meter ansteigenden Kreide-felsen, welche man dieStubbenkammer nennt. Hauptort ist Bergen (3700 Ein-wohner), bekannter ist Puttbus, mit schönem Schlosse des gleichnamigen Fürstenund Seebad, an der Südseite der Insel. Köslin (17.000 Einwohner), wohlgebauteStadt, in deren Nähe sich der Gallenberg mit dem Nationaldenkmal der 18131815gefallenen Pommern befindet. Ansehnliche Industrie. Kolb erg (16.000 Einwohner),an der Ostsee, mit Seebad. Berühmte Verteidigung 1807. Rügenwalde (5500 Ein-wohner), unfern der Ostsee, mit Seehandel. Stolp (22.000 Einwohner), am gleich-namigen Flüsschen und 15 Kilometer vom Ostseehafen Stolpmünde gelegen; Bera-steinwaarenfabrikation.

3. Provinz (Herzogthum) Schlesien: Breslau (308.000 Ein-wohner), nächst Berlin die bevölkertste Stadt der Monarchie,in fruchtbarer Ebene, an beiden Seiten der Oder. Unter denvielen Plätzen bildet der grosseRing (mit dem ErzbildeBlüchePs auf dem gleichnamigen Platze) den Mittelpunkt des

Der Ring mit dem Rathhause in Breslau.

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Köln.

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