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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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HO

B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

Das Moselthal bei Marienburg.

Verkehrs. Prachtvolles Rathhaus, schönes Schauspielhaus,prächtige Domkirche, herrliches neues Börsengebäude u. s. w.Standbilder Friedrich^ des Grossen und Friedrich Wilhelms III.,Universität und viele wissenschaftliche Anstalten, Institute undVereine. Bedeutende Fabriks- und Handelsstadt und zugleichEisenbahnknotenpunkt.

krieges, mit mehreren Fabriken. In der Nähe die berühmte LehranstaltSchulpforta, in welcher namhafte deutsche Gelehrte (Klopstock, Wolf,Fichte u. A.) ihre wissenschaftliche Ausbildung erhielten. Weissenfels(22.000 Einwohner), an der Saale, gewerbfleissige Stadt. Erfurt (58.000Einwohner), Hauptsitz der deutschen Gartenwirthschaft, mit altehrwürdigemDom, dessen grosse Glocke ein Gewicht von 13.750 Kilogramm hat. Dieschönste Strasse ist der Anger. Schleusingen (3600 Einwohner),Fabriksstadt. Ziegenauck (1200 Einwohner) in sehr engem Thale derSaale, Wollspinnereien.

5. Provinz Westphalen: Münster (44.000Einwohner),an einem Nebenflüsse der Ems, alterthümlich gebauteStadt, mit vielen Giebelhäusern; die Domkirche (schöneGlasmalereien) war der Schauplatz der Wiedertäufer-Episodemit demKönig von Zion, Johann von Leyden (1535), dasRathhaus der Ort des westphälischen Friedensschlusses,mit welchem der dreissigjährige Krieg endete (1648).Katholisch - theologische Akademie und philosophischeFacultät.

Minden (19.000 Einwohner), alterthümlich und eng gebaute Stadt ander Weser, Festung, ansehnliche Industrie. Bielefeld (35.000 Einwohner),reizend gelegene gewerbfleissige Stadt am Fusse des Teutoburgerwaldes.Paderborn (17.000 Einwohner), alterthümlich gebaut, mit mehreren geist-lichen Studienanstalten. Sehenswerthe Domkirche. Arnsberg (6200 Einwohner),an der Ruhr, ehemals Hauptfreistuhl des Vehmgerichtes. Iserlohn (20.000 Ein-wohner), wichtige Fabriksstadt, namentlich Metallfabrikate, dann Seidenwebereien.Bochum (41.000 Einwohner), nächst Essen der grösste Hüttenort Deutschlands.Dortmund (78.000 Einwohner), grossartige Eisenindustrie und Steinkohlenabbau.Hamm (23.000 Einwohner), Leinenwebereien, Bleichen, grosse Eisengiesserei undMaschinenfabrik. Soest (14.000 Einwohner), einst eine volkreiche Hansastadt,derzeit ziemlich gewerbthätig. Viele prachtvolle Kirchen. Die Umgebung ist sehrfruchtbar.

Schweidnitz (24.000 Einwohner), befestigte und gewerbsame Stadt, inreizender Gegend. Glatz (13.000 Einwohner), an der Neisse, zwischen zwei hohenBergen, starke Festung. Brieg a. d. Oder (17.500 Einwohner), sehr gewerb-fleissig. Reichenbach, Freiburg, Waldenburg mit viel Industrie, letzteresim niederschlesischen Steinkohlenbezirk. Gräfenberg und Karlsbrunn,bekannte Curorte. Liegnitz (43.000 Einwohner), an der Katzbach, ineiner kriegsgeschichtlich denkwürdigen Gegend (Schlacht an der Katzbach,

26. August 1813 bei Wahlstadt, 9. April 1241 bei Liegnitz, 1760), mitGewerbfleiss und lebhaftem Gemüsebau. Glogau (20.000 Einwohner), starkeFestung an der Oder. Oppeln (14.500 Einwohner), an der Oder, Mittel-punkt einer der gewerbfleissigsten Districte Deutschlands. In der Nähe be-deutende Eisenwerke (Gleiwitz, Kattowitz, Malapane, Tarnowitz,LaurahütteundKönigshütte). Beuthen (23.000 Einwohner), gleichfalls Mittelpunkteines lebhaften Hüttenbetriebes. Neisse (22.000 Einwohner), Festung undgewerbthätige Stadt. Ratibor (20.000 Einwohner), Hauptort des Mediat-herzogthums gleichen Namens, Directionssitz der Herrschaft Schlawentschitzmit prachtvollem neuen Schlosse und grossartigen Eisenfabriksanlagen.

4. Provinz (Herzogthum) Sachsen: Magdeburg (mitden Vorstädten Neustadt, Südenburg und Buckau 159.000Einwohner), an der Elbe gelegene (Citadelle auf einerInsel), alterthümlich gebaute Stadt, mit lebhaftem Handelund Mittelpunkt der deutschen Runkelrübenfabrikation.Bemerkenswerth sind die prächtige, doppelthürmige Dom-kirche, das Rathhaus (davor die Bildsäule Kaisers Otto I.),die Wasserkunst mit Mahlmühle aus Gusseisen u. s. w.Belagerung durch Tilly und Erstürmung am 10. Mai 1631.

6. Provinz Rheinland: Köln (167.000 Einwohner), alter-thümlich gebaute ansehnliche Stadt und bedeutende Festungam linken Rheinufer (gegenüber das gleichfalls befestigte

Burg (16.000 Einwohner), Hauptsitz der sächsischen Tuchfabrikation.

Schönebeck (12.500 Einwohner), an der Elbe, mit der grössten Salinedes Staates. Stassfurth (12.200 Einwohner), mit grossem Steinsalzlager, dessenMächtigkeit 315 Meter beträgt. Quedlinburg (19.000 Einwohner), alterthümliche,von bethürmten Mauern umgebene Stadt, an der Bode gelegen, mit alter Stiftskirche,in welcher Heinrich I. und Mathilde, und Aurora von Königsmark ruhen. Geburtsortdes Dichters Klopstock (1724) und des Geographen Karl Ritter (1779). Halber-stadt (34.OOO Einwohner), mit bemerkenswerther Domkirche; viel Gewerbfleiss.Merseburg (17.000 Einwohner), an der Saale, gewerbthätige und bedeutendenGartenbau treibende Stadt. In der Domkirche eine Orgel mit 4000 Pfeifen. SiegHeinrichs I. über die Magyaren 933. Halle (mit Glachau und Neumarkt 87.000Einwohner), berühmte Universitätsstadt, an der Saale gelegen, mit Saline und Braun-kohlenlager. Zur Universität gehört eine Bibliothek mit 110.000 Bänden, eine Stern-warte und nennenswerthe Sammlungen, Institute u. s. w. Mehrere wissenschaftlicheVereine. Naumburg (19.000 Einwohner), unweit der Einmündung der Unstrutin die Saale, bekannt als Schauplatz des Kinderauszuges zur Zeit des Hussiten-

Gitterbrücke über die Weichsel bei Dirschau.

SüSil

Danzig.

Deutz), in vorzüglicher Lage an einem schiffbaren Strome undan der wichtigsten Verkehrsrichtung zwischen Ost und West,eine der blühendsten Städte Deutschlands, wie sie einst auchder wichtigste Militärposten an der Grenze Germaniens war.Der Burghof ist vielleicht die Stelle, wo der römische Kaiser-palast derColonia Agrippina stand und der später bisweilenvon den fränkischen Königen bewohnt wurde. Das mittelalter-liche Köln war Mittelpunkt der fränkischen Macht und wurdezu Zeiten dasdeutsche Rom genannt. Seine grösste Merk-würdigkeit ist der weltberühmte Dom (Baubeginn 1248), welchererst seit 1824 vollständig ausgebaut wurde, so dass am15. October 1863 die neue Weihe erfolgen konnte. Die beidenThürme sind 156 Meter hoch, die riesige Kaiserglocke wiegtüber 27.000 Kilogramm und ist (3*3 Meter hoch, 3-6 Meterunterer Durchmesser) nach den Glocken von Peking und Moskaudie grösste der Welt. Auch die anderen Kirchen Kölns sindbemerkenswerth. In der St. Peterskirche eines der schönstenGemälde des hier (28. Januar 1577) geborenen P. P. Rubens.Das herrliche Rathhaus, mit seinem säulengeschmücktenPortal, das ehemalige Kaufhaus (mit Riesensaal), der Justiz-palast, die erzbischöfliche Residenz, die beiden Lagerhäuserund der Centralbahnhof sind die hervorragendsten Gebäude.Köln besitzt hervorragende Sammlungen der Wissenschaft undKunst, es ist zugleich ein Mittelpunkt des geistigen Lebens imganzen Rheinlande, eine an der Spitze deutscher Industriestehende Industrie- und bedeutende Handelsstadt. Die Rhein-schifffahrt ist die bedeutendste Flussschifffahrt in Deutschland.