B. Mitteleuropa. — II. Das Deutsche Reich.
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Starnberg.
Pas sau (15.400 Einwohner), an der Donau und am Inn (gegenüber die Ilz),malerisch gelegene uralte Stadt (Batava Castra), mit interessanten Kirchen. Gegen-über der Mariahilferberg mit besuchter "Wallfahrtskirche. — Straubing (12.700Einwohner), an der Donau, mit lebhaftem Handel. — Deggendorf (6300 Ein-wohner), am linken Donauufer, Stapelplatz für die Forstproducte des bayerischenWaldes. Ausgangspunkt der technisch interessanten, landschaftlich prächtigen „bayeri-schen Waldbahn” über Eisenstein nach Böhmen. In der Nähe Zwiesel (3100 Ein-wohner) mit Glasindustrie, und Regen (2200 Einwohner) mit Holzindustrie undgrossen Viehmärkten. — Abensberg (2100 Einwohner), Schlacht 1809. — Kehl-heim (3000 Einwohner), am Zusammenflüsse der Altmühl und Donau und am Aus-gangspunkte des Donau-Maincanals; Handel mit sogenannten Kehlheimerplatten. Aufdem Michaelsberge die „Befreiungshalle”, eine prachtvolle Rotunde, von KönigLudwig I. zur Erinnerung an die deutschen Befreiungskriege erbaut.
4. Provinz Oberpfalz und Regensburg: Regensburg(36.000 Einwohner), am Einflüsse des Regen in die Donau, überwelche eine berühmte steinerne Brücke und eine imposanteEisenbahnbrücke führt, von prachtvollen Anlagen und Alleenumgeben. Viele historisch merkwürdige und durch Kunst aus-gezeichnete Gebäude: die Domkirche (1275—1643), eine derprachtvollsten in Deutschland; das Rathhaus, in welchem(1662—1806) der Reichstag sich versammelte; der Palast derFürsten Thurn und Taxis, mit reicher Gemäldesammlung u. s. w.Es herrscht viel wissenschaftliche Regsamkeit, welche sich inbemerkenswerthen Instituten und Vereinen ausprägt. Grossesneues Wasserwerk. Ansehnliche Fabriken, lebhafter Salz-, Holz-und Getreidehandel. — In der Nähe (bei Donaustauf) die Wal-halla, ein Pantheon deutscher Grössen, von König Ludwig I.1830 bis 1842 im altdorischen Stile auf kolossalem Mauerwerkaus weissem Untersberger Marmor aufgeführt (Gesammtkosten3,677.000 Mark).
Amberg (16.OOO Einwohner), mit prächtiger St. Martinskirche, altemRathhaus und bedeutender gewerblicher Thätigkeit. Steinkohlen- und Eisen-bergwerke.— Neumarkt (5100 Einwohner), am Ludwigs-Canal, verschiedeneGewerbe, Obstbau, Getreide- und Pferdemärkte. — Dietfurt (1140 Ein-wohner), an der Altmühl, gegenüber der Mündung des Ludwigs-Canals, mitGemüse-, Obst- und Hopfenbau.
5. Provinz Mittelfranken: Ansbach (14.200 Ein-wohner), an der Rezat, mit bemerkenswerthem Gewerb-fleiss. Das Schloss war ehedem markgräfliche Residenz.Geburtsort der Dichter Uz (1720), Cronegk (1731) undGraf Platen (1796). In der Nähe Eschenbach, Geburts-ort des Dichters Wolfram von Eschenbach.
Nürnberg (fast 120.000 Einwohner), nach München die grösste Stadtdes Königreiches, an der Pegnitz und in einer urbar gemachten Sandebenegelegen, das „Schatzkästlein” Deutschlands, eine der interessantesten, cultür-geschichtlich merkwürdigsten Städte des Continents. Noch stehen die altenStadtmauern mit mehr als 300 Thürmen und die meisten Häuser tragen völligmittelalterliches Gepräge. Auf einer hochragenden Felshöhe steht die alteKaiserburg. Von den vielen interessanten Architekturen sind zu erwähnen:das Rathhaus; die St. Sebalduskirche, ein Meisterwerk Peter Vischer’s; dieSpitalkirche (früher Aufbewahrungsort der Reichskleinodien); die St. Lauren-tiuskirche, mit berühmtem Schnitzwerk (englischer Gruss) von Veit Stoss undprächtigem Sacramentshäuschen; das grossartige „deutsche Haus”; die Johannis-kirche, auf deren Friedhof die Grabdenkmäler Albrecht Dürer’s (1471 bis1528) und des Hans Sachs (1494—1576). Auch ansehnliche Neubauten sindvorhanden. Sechs Wasserwerke versorgen die Stadt mit Wasser und speisen mehrereschöne Brunnen. Das „germanische Museum” (gegründet 1852) besitzt neben reichenSammlungen eine Bibliothek von 75.000 Bänden und ein Archiv von 100.000 Nummern.Gewerbemuseum, viele Institute, Unterrichtsanstalten und wissenschaftliche Vereine.Der alte Gewerbfleiss ist der Stadt verblieben und sie ist dermalen wohl die Metro-pole des commerciellen und industriellen Lebens in Süddeutschland. Nürnberg istder Geburtsort vieler hervorragender Männer: Albrecht Dürer, Hans Sachs, PeterVischer, Veit Stoss, Martin Behaim, Peter Hele (Taschenuhren), Lobsinger (Wind-büchse) u. s. w.
Fürth (35.000 Einwohner), an der Rednitz, die hier die Pegnitz aufnimmt,die betriebsamste und wichtigste Fabriksstadt Bayerns. Grossartiges Rathhaus. —Erlangen (16.000 Einwohner), am Einflüsse der Schwabach in die Rednitz, mitbedeutender Industrie. Protestantische Universität. Viele wissenschaftliche Gesell-schaften und Vereine. „Canalmonument” von L. Schwanthaler, 1846 zur Erinnerungan die Feier der Eröffnung des Ludwig-Canals errichtet. — Unter den vielen ge-werbfleissigen Städten von Mittelfranken ragen hervor: Schwabach (7600 Ein-wohner), Rothenburg a. d. Tauber (6500 Einwohner), Windsheim (3740 Ein-wohner); Dinkelsbühl (5300 Einwohner) u. s. w. — Eichstädt (7500 Einwohner),,an der Altmühl, mit königlichem Residenzschloss und der merkwürdigen Walburgis-kirche. — Pappenheim (1740 Einwohner), mit zwei Schlössern. Stammort des be-rühmten Heerführers im dreissigjährigen Kriege, Grafen Gottfried Heinrich Pappen-heim (geb. 1594).
6. Provinz Oberfranken: Bayreuth (24.000 Einwohner),schöngebaute gewerbthätige Stadt (Flachsspinnerei), mit grossemOpernhause und dem Richard Wagner-Theater. Altes könig-liches Schloss. Villa „Wahnfried”, früher Wagner’s Wohnort.Heimat Jean Pauhs, dessen Standbild (von Schwanthaler) vordem Gymnasium steht. Reizende Umgebung mit den Schlössern„Eremitage”, „Phantasie” und „Sanspareil”.
Bamberg (31.000 Einwohner), an der schiffbaren Regnitz, in fruchtbaremThale gelegen und eine der schönsten Städte des Königreiches. Schwunghaft betriebeneGartenwirthschaft, Hauptstapelplatz für den Obermain. Bemerkenswerth sind: der
von Kaiser Friedrich II. 1004 ge-gründete Dom (mit dessen Grab-stätte), die alte Hofhaltung, dieobere Pfarrkirche u. s. w. Ansehn-liche Industrie. — Hof (22.000 Ein-wohner), an der Saale und am Hangedes Fichtelgebirges gelegene ge-werbfleissige Stadt mit lebhaftemTransithandel. — Kulmbach (5900Einwohner), am Weissen Main, be-deutende Bierbrauerei (100.000 Hek-toliter jährliche Ausfuhr). —Wun-siedel (4100 Einwohner), gewerb-liche Stadt am Fichtelgebirge. —Staffelstein (1900 Einwohner), ander Mündung der Lauter in denMain, Geburtsort des berühmtenRechenmeisters Adam Riese (geb.1492). — Forchheim (4400 Ein-wohner), gewerbreiche Stadt amEin-flusse des Wiesent in die Regnitz.
7. Provinz Unter-franken und Aschaffen-burg: Würzburg (55.000Einwohner), in einem vonReben bewachsenen Thal-kessel gelegen und vomMain durchflossen, welchletzterer die Stadt in zweiungleich grosse Abschnittescheidet; beide sind durcheine mächtige, mit zwölfallegorischen Standbilderngeschmückte Brücke mit-
Die Walhalla.
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