B. Mitteleuropa. — II. Das Deutsche Reich.
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einander verbunden. DieStadt hat seit Auflassungder Festungswerke ein voll-ständig verändertes Aus-sehen erhalten. Universi-tät. Bemerkenswerth sind:der im byzantinischen StileaufgeführteDom; die Resi-denz auf dem imposantenResidenzplatze, mit könig-lichem Hofkeller, welcherdie edlen Frankenweineenthält; die „Maxschule”,das alte Rathhaus, dasTheater, der neue Bahnhofu. s. w. Die Universitäts-bibliothek enthält 230.000Bände. Alte Festung Ma-ri enb erg auf steiler Höhe.Die Industrie ist sehrbedeutend (Schaumwein,Spielkarten, Leder, Woll-waaren, Spiegel etc.). Inder wohlhabenden Umge-bung die VergnügungsorteVogelsburg, Zell,Höch-berg, Heidingsfeld.
Aschaffenburg (13.000
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Einwohner), gewerbreiche Stadt infruchtbarer Gegend am Main, mitköniglichem Schloss Johannisburg
und dem sehenswerthen, von König Ludwig I. 1842 erbauten „pompejanischen Hause”.Mehrere Fabriken, reizende Umgebung („Schöne Busch”, „.Schöne Thal” etc.). —Schweinfurt (13.000 Einwohner), hübsche, gewerbfleissige Stadt am Main, vonweinbewachsenen Hügeln umgeben; blühende Gärtenwirthschaft, Wein- und Getreide-bau. Geburtsort Friedrich Rückert’s (1789). — Ki s sin gen (39OO Einwohner), an derSaale, reizend gelegen; weltbekanntes Mineralbad. — Karlsstadt (2450 Einwohner),am Main, mit Ruine der von Karl dem Grossen gegründeten Burg. — Amorbach( 2 5oo Einwohner), im Odenwalde, lebhafte Industrie.
8. Provinz Pfalz am Rhein: Speyer (16.000 Einwohner),am Rhein gelegen, wichtig durch seine geschichtlichen Erinne-rungen (als Augusta Nemetum Winterquartier Julius Cäsar’s).Todtenstadt der deutschen Kaiser. Das merkwürdigste Gebäudeist der Dom, der grösste romanische Kirchenbau Deutschlands,und nach dem Kölner Dom der grösste überhaupt (1061 ein-geweiht), mit Kaisergräbern. Sternwarte und vielerlei Anstaltenund Vereine.
Passau (Zusammenfluss von Inn, 11 z und Donau).
mit ihrer Verlängerung der Verastrasse. Die Stadt entwickeltsich hauptsächlich nach Westen und Süden, und auch in derRichtung nach Cannstatt, mit dem sie früher oder späterzusammenwachsen wird.
Stuttgart hat keine grossen Plätze; der vornehmste ist derSchlossplatz vor der königlichen Residenz, wohl einer derschönsten in Europa. Das neue in französischem Renaissance-stil 1746 begonnene, 1807 vollendete Residenzschloss istWinterresidenz des Königs. Es ist hufeisenförmig gebaut undenthält 365 Gelasse. In der Mitte des mit Blumenparterres undSpringbrunnen geschmückten und von Alleen eingeschlossenenSchlossplatzes die 18 Meter hohe Jubiläumssäule mit einereffectvoll wirkenden „Concordia” (von Hofer). — Oestlich stösst
Neustadt a. d. Haardt (11.400 Einwohner), in malerischer Gegend, sehr ge-werbfleissig. — Kaiserslautern (31.000 Einwohner), im Herzen der Pfalz und an derLauter, die wichtigste Industrie- und Handelsstadt der Pfalz. Dabei der Sagenreiche„Kaiserberg”. Eisenwerke. — Zweibrücken (10.400 Einwohner); schönes Residenz-schloss; ansehnliche Fabriken, lebhafter Handel. Getreide- und Viehmärkte. —
Landau (8800 Einwohner), befestigter Ort am Fusse des Haardtgebirges. Manufactur-industrie und Weinbau. — Germersheim (4500 Einwohner), Festung in sumpfige
Sterbeort des Kaisers Rudolf von Habsburg. — Landstuhl (3700 Einwohner), mit der Sickingerburg„Nannstuhl”, in welcher der deutsche Freiheitsheld während der Vertheidigung des Platzes durch einen herab-stürzenden Balken getödtet wurde (7. Mai 1523).— Ludwigshafen (21.000 Einwohner), im raschen Auf-blühen begriffen, mit reicher Industrie und lebhaftem Handel. Auf dem entgegengesetzten Rheinufer liegt
Mannheim. — Pirmasens (12.000 Einwohner), bedeutende Fabrikation von Zeug- und Lederschuhen. _
St. Ingbert (9850 Einwohner), zweitwichtigster Industrieort der Pfalz, mit reichen Steinkohlen- undEisengruben. — Frankenthal (9000 Einwohner), sehr gewerbthätig, grosse Glockengiesserei. In ihr wurdedie „Kaiserglocke” für den Kölner Dom gegossen. — Dürkheim (6100 Einwohner), am Ostfusse desHaardtgebirges, romantisch gelegen, wichtiger Curort. Starker Weinhandel und berühmter Wurstmarkt.
3. Das Königreich Württemberg.
Flächeninhalt: 19.500 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: circa 2 Millionen; davon 1*4 MillionenProtestanten, o*6 Katholiken, 13.400 Juden, 6000 Andersgläubige. Das Königreich zerfällt in vier Kreise:Neckarkreis, Schwarzwaldkreis, Jagstkreis, Donaukreis.
Stuttgart (126.000 Einwohner), Haupt- und Residenzstadt, reizend in einemvon Rebenhängen umschlossenen Kessel, unfern des Neckar gelegen, einesder anmuthigsten Städtebilder Deutschlands. Schönster Ueberblick vom „Jäger-haus” auf der Höhe des Hasenberges, in dessen Anlagen sich das DenkmalWilhelm Hauffs befindet. Die Stadt durchfliesst der durchwegs überbrückteNesenbach, welcher bei Cannstatt in den Neckar fällt. Um den Marktplatzherum sieht man noch viele hohe Giebelhäuser; im Uebrigen aber hat sich dieStadt in den letzten Jahrzehnten prächtig entwickelt und die Neuanlagen zeigenmeist palastartige Gebäude mit breiten Strassen. Die schönste derselben ist dieKönigsstrasse, mit grossstädtischem Gepräge, vom k. Marstalle ab die ganzeStadt in südwestlicher Richtung durchziehend. Ihre Verlängerung ist die Reins-burgstrasse, mit angenehmen Hausgärten. Die breiteste Strasse ist die Neckar-strasse (hinter dem Schlossgarten vorbeiziehend), die längste die Olgastrasse
an das Residenzschloss die sogenannte „ Akademie”, ein Neben-gebäude mit vier Flügeln und drei Höfen. Die rebenbepflanzteund von Villen gekrönte Bergwand im Hintergründe des Palastesgiebt ein ausserordentlich wirkungsvolles Bild. — Im Westen,dem Königsschlosse gegenüber, steht der im antiken Stile auf-geführte Königsbau (grosse Räumlichkeiten für Festlichkeiten;im Erdgeschoss Colonnade und Passage, glänzender Bazar,Gegend am Rhein.
Der Dom zu Regensburg.
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