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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

Der Schlossplatz in Stuttgart.

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permanente Ausstellung des Kunstgewerbevereins). Der nörd-liche Flügel des Schlosses steht mit dem Hoftheater durcheine Galerie in Verbindung.

Gegen Süden grenzt an die neue Residenz das alteSchloss, seit Beseitigung des alten Stammsitzes auf demRothenberg die eigentliche Ahnenburg des Herrscherhauses.Auf der Ostseite dieses alten Schlosses grosse Anlage mitBassin. Auf dem alten Schlossplatz die herrliche Schiller-Statue (1839) von Thorwaldsen, an Hoheit und Adel alleanderen Schiller-Standbilder überragend. Weiter folgen dasKronprinzenpalais und ihm gegenüber der Prinzenbau.Am nördlichen Ende der Königsstrasse der königliche Mar-stall. Vom Schlossplätze gelangt man in östlicher Richtungdurch die schattigePlaine in die palastgeschmückte Neckar-strasse, in nördlicher Richtung (unter dem sogenannten Theater-bogen hindurch) in dieAnlagen, dem herrlichen, in engli-schem Geschmacke ang-elegten Schlossgarten. Belebter vSpazier-gang und Corso für Equipagen. Kolossale Nymphengruppe vonDannecker. Seitlich vom Seerondell der botanische Gartenmit Prachtwerken der Teppichgärtnerei und mehreren Copienberühmter Venusstatuen. Am Eingänge zum unteren Schloss-garten zwei Pferdebändigergruppen in Carraramarmor vonHofer. In diesem Theile der Anlagen die prächtige königlicheVilla Rosenstein. Auf der entgegengesetzten Seite des Rosen-steinhügels die prachtvolle Wilhelma, Gebäudecomplex inmaurischem Stil, inmitten herrlicher Anlagen.

Von bemerkenswerthen Gebäuden sind zu nennen: dasMuseum für bildende Kunst, das Polytechnicum, dergrossartige Bahnhof, das neue Postgebäude, das Katha-rinenhospital, die neue Markthalle u. s. w. Unter denKirchen steht die altehrwürdige, doppelthürmige gothi-sche Stiftskirche obenan, mit grosser Orgel und Fürsten-gruft; dann die im reinsten gothischen Stile erbaute neueevangelische Kirche. Stuttgart ist reich an Bibliotheken;die vornehmste ist die öffentliche königliche Bibliothekmit 320.000 Bänden und einer merkwürdigen Sammlungvon Bibeln (8000 in 60 Sprachen und Mundarten). Auchan anderen Sammlungen besitzt Stuttgart wahre Schätze,deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Industrieund Handel haben sich in neuerer Zeit sehr gehoben.Gleich Leipzig und Berlin ist Stuttgart ein Hauptsitz desdeutschen Buchhandels, der hier von 115 Firmen betriebenwird. Die vornehmsten sind: die Deutsche Verlagsanstalt(früher Ed. Hallberger), aus welcher das weltbekannteFamilienblattUeber Land und Meer nächst derGarten-laube wohl die gelesenste deutsche Zeitschrift hervor-geht; Cotta, Spemann, Krabbe, Engelhorn, Bonz u. s. w.

Stuttgart hat reizvolle Umgebungen: am östlichen Ende der Anlagendas auf einer Anhöhe gelegene Dorf Berg, mit königlicher Villa; der bereits

genannte Hasenberg (inter-essante Bahnanlage); der B o p s e r-wald, wohin die schöne NeueWeinsteige in Windungen mitwechselnden Aussichten führt;die Doggenburg, Gartenwirt-schaft; Burgholzhof, mit rei-zender Aussicht; der W e i s s e n-hof, mit grossartiger Garten-wirtschaft. Dann im weiterenBereiche: Solitude, reizendeskönigliches Lustschloss auf waldi-ger Anhöhe; Degerloch (Zahn-radbahn); Hohenheim, be-rühmte landwirtschaftliche Aka-demie; Rothenberg, ehemalsStammschloss der württembergi-schen Fürsten. Cannstatt(18.300 Einwohner), sehr gewerb-fleissige Stadt, reizend am Neckargelegen und Kreuzungspunktwichtiger Verkehrslinien. DerHandel ist bedeutend. Cannstatthat eine Menge Mineralquellen,welche von vielen Curgästen be-sucht werden. Zum Theil istCannstatt alt, hat aber schöneVorstädte und .Spaziergänge bisStuttgart, für das es ein Ver-gnügungsort ist und mit dem esdurch die Eisenbahn, sowie miteiner circa 7 Kilometer langenPferdebahn verbunden ist. Vielegewerbliche Anstalten.

Im N eckarkreisliegen ferner:

Ludwigsburg(16.000 Einwohn.), Kreis-hauptstadt, früher zweite Residenz und wichtigster Waffen-platz Württembergs, eine halbe Stunde vom Neckar, eine derschönsten Städte Deutschlands, mit grossem königlichen Schloss.Officiersakademie, Stückgiesserei, Zeughaus, grosses Laborato-rium. Mehrere Fabriken.

Esslingen (21.000 Einwohner), alterthiimliche, sehr gewerbfleissige Stadt, ineiner der schönsten Neckargegenden. Wichtigste Industriestadt des Königreiches, mitvielen Fabriken, darunter die grösste Maschinenfabrik des Landes. VorzüglicherObst-, Wein- und Gartenbau. Waiblingen (4200 Einwohner), wo einst einSchloss der Hohenstaufen war, welche von da den Parteinamen der Waiblinger(italienisch Ghibellinen) erhielten. Anbei Holienasperg, Festung und Staats-gefängniss. Weilderstadt (1800 Einwohner), mit Mauern umgeben. Denkmaldes Astronomen Kepler, der hier geboren. Ileilbronn (28.000 Einwohner),gewerbsame und handeltreibende Stadt in reizender Gegend am Neckar, noch vonMauern und Thürmen umgeben. Viele hohe Giebelhäuser. ImDiebsthurm sassGötz von Berlichingen 1519 gefangen. Mannigfaltige und bedeutende Fabriken.Marbach (2500 Einwohner), sehr malerisch am Neckar gelegen, Geburtsort Schillers,mit Denkmal des Dichters. Weinsberg (2340 Einwohner), mit den Ruinen des.SchlossesWeibertreue, bekannt durch eine Schlacht 1140 und die Sage der Weibervon Weinsberg. Bei Jagstfeld befindet sich die grosse SalinenwirthschaftF riedrichshall.

Im Schwarzwaldkreis liegen:

Reutlingen (17.000 Einwohner), am Neckar und am Fusseder Alb, ausgezeichnet durch blühende Gewerbthätigkeit, Wein-,Obst- und Getreidebau und lebhaften Handel. Die gothischeMarienkirche gilt für die schönste in Württemberg. Ueber derStadt auf freistehendem Bergkegel die Burgruine Achalm,bekannt aus Uhlands BalladeDie Schlacht bei Reutlingen.Anbei der Lichtenstein und die Nebelhöhle.

Villa Berg bei Stuttgart.