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B. Mitteleuropa. — II. Das Deutsche Reich.
7. Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen [862 Quadratkilometer,, 73.606Einwohner]. — Sondershausen (6200 Einwohner), im Thale der Wipper, mit denNeuanlagen der „Karlsstadt” und dem fürstlichen Residenzschlosse auf einer Berg-hohe vor der Stadt. Mehrere Fabriken. — Arnstadt (12.500 Einwohner), an derGera, sehr gewerbfleissig und ausgezeichnet durch viele bemerkenswerthe Gebäude,Anstalten und Institute. Reizende Yergnügungsorte in der Umgebung. Des mildenKlimas halber wird Arnstadt auch als Curort benützt. — Stockhausen, Dorf mitSchwefel- und Kochsalzquellen. — Greussen, Langewiesen, Breitenbach sindbemerkenswerthe Industrieorte.
8. Die freien Städte.
1. Hamburg (mit den Vorstädten 1886: 482.000 Einwohner —im ganzen Gebiet, welches 410 Quadratkilometer umfasst, 518.620Einwohner), am rechten Ufer der Elbe und 135 Kilometer vonderen Mündung in die Nordsee entfernt gelegen, ist die ersteHandelsstadt des Continents, jährlich von circa 6000 Schiffen(darunter 3400 Dampfern) angelaufen und mit einer Waaren-bewegung, deren Werth in den letzten Jahren, was die Einfuhrbetrifft, durchschnittlich 2 Milliarden Mark betrug. Die Ham-burger Rhederei besass im Jahre 1886 479 Schiffe (322.691Tonnen Gehalt), darunter 189 Dampfer (188.633 Tonnen Gehalt);die Flussschifffahrt besorgen circa 2800 Flussschiffe. — Seit dem
Tonnen Gehalt), an beiden Seiten der Weser in einer Ebenegelegen, ist allenthalben von alterthümlicher Bauart, neuerdingsjedoch durch Neubauten vielfach verschönt. Auf dem schönstenPlatze der Stadt steht die Domkirche, vor dem Rathhause(berühmter Rathskeller) erhebt sich die alte steinerne BildsäuleRoland’s. Die Stadt ist sehr gewerbfleissig; die Industrie be-schäftigt fast die Hälfte der Stadtbevölkerung. — 75 Kilo-meter unterhalb Bremen liegt, an der Mündung der Geeste indie Weser, Bremerhaven (15.000 Einwohner), der eigentlicheHafen von Bremen, mit den grossartigen Anlagen und Etablisse-ments des „Norddeutschen Lloyd”. Der Hafen wurde imJahre 1880 von 1397 Schiffen (853.000 Tonnen Gehalt) an-gelaufen. Ausgelaufen sind 1637 Schiffe (874.164 Tonnen Gehalt).Der bedeutendste Verkehr wird mit Baltimore und New-Yorkunterhalten. Für Rohbaumwolle ist Bremen erster deutscherMarkt, zweiter des europäischen Festlandes.
3. Lübeck (55.000 Einwohner — im ganzen Gebiet, welches297 Quadratkilometer bedeckt, 67.658 Einwohner), ansehnliche,alterthümlich gebaute Stadt an der Trave, mit vielen bemerkens-werthen, giebelgeschmückten Gebäuden, dem stattlichen Rath-hause (mit altem Hansasaal) und dem bekannten Rathswein-keller, welcher grösser als der von Bremen ist. Die Marien-kirche, mit ihren imposanten Doppelthürmen, ist eine derschönsten Deutschlands, merkwürdig wegen ihres „Todten-
tanzes”, der kunstrei-chen astronomischenUhr und zwei BildernOverbeck's. Die Stadt-bibliothek besitzt 65.000Bände. Die Bildungs-,Unterrichts- und wissen-schaftlichen Anstaltensind von Belang. — AlsSeehandelsstadt stehtLübeck hinter Bremenund Hamburg zurück,doch ist der Handel im-merhin bedeutend. ImJahre 1880 liefen denHafen 1300 Segelschiffeund 1014 Dampfschiffean, doch sind diese ver-hältnissmässig hohenZiffern nicht massge-bend für den Gross-handel und die ocea-nische Schifffahrt. DieLübecker Rhedereizählte 1886 6 Segel-schiffe und 29 Dampfer.
Gera.
grossen Brande von 1842 fast ganz neu erstanden, ist Hamburgderzeit eine der schönsten deutschen Städte und seiner Volks-zahl nach die zweitgrösste in Deutschland. Zu den merkwürdig-sten Gebäuden gehören: die St. Michaelskirche (mit 152 Meterhohem Thurme), die St. Katharinenkirche, das allgemeineKrankenhaus, die Börsenhalle, das Rathhaus, das neue Schau-spielhaus, das Postgebäude u. s. w. Die Bibliothek besitzt340.000 Bände. Die Zahl der Bildungsanstalten und wissen-schaftlichen Institute ist gross. Wir nennen: die beiden Stern-warten, die deutsche Seewarte, den botanischen Garten; danndie hamburgische Akademie (früher akademisches Gymnasium,mit einer Bibliothek von 320.000 Bänden) u. s. w. Es herrschtsehr entwickeltes geistiges Leben und bedeutende gewerblicheThätigkeit. — Um die Stadt und längs der Elbe und Alsterschöne Gartenanlagen, Villen, Landhäuser und Vergnügungs-orte.— Im Amte Ritzebüttel liegt Cuxhaven (2200 Einwohner),mit schönem Hafen, Seebad und Leuchtthurm.
Der Elbemündung gegenüber, in der Nordsee, liegt das Eiland Helgoland (0-5Quadratkilometer, 2100 Einwohner), 1814 von Dänemark an England abgetreten.Auf dem hochgelegenen Theil befindet sich das Städtchen und der Leuchtthurm,am flachen Theil das Seebad.
2. Bremen (1886: 120.000 Einwohner), Deutschlands zweit-grösster See- und Freihafen, mit einer Handelsflotte (1886) von 357Schiffen (319.255 Tonnen Gehalt), darunter in Dampfer (101.254
9. Das Reichsland Elsass-Lothringen.
Flächeninhalt: 14.500 Quadratkilometer; Bewohnerzahl (1885): 1,567.000,davon circa 1*2 Millionen Katholiken, 0*3 Millionen Evangelische, der Rest Anders-gläubige und Israeliten. Der Nationalität nach gehören l’35 Millionen dem deutschen,o*2 Millionen dem französischen Sprachstamme an. Das Land zerfällt in dreiBezirke: Ober-Elsass, Unter-Elsass und Lothringen. Das Reichsland untersteht einemeigenen Statthalter und wird dessen Verwaltung von einem Ministerium unter einemStaatssecretär geleitet.
Strassburg (1886: 114.000 Einwohner), eine Stunde vomRhein und an der 111 in fruchtbarer Ebene gelegen, Waffenplatzersten Ranges, mit einer von der Stadt isolirten sehr starken Ci-tadelle und bedeutenden Aussenwerken. In der Umgebung schöneLandhäuser und zahlreiche Fabriken. Der schönste Schmuckder Stadt ist das Münster, nach dem Plane Erwin v. Stein-baclTs und theilweise von ihm ausgeführt, mit einem der höchstenThürme der Welt (142 Meter), grossartigem Rosenfenster imMittelbau und kunstvoller astronomischer Uhr. Denkmäler derGenerale Kleber und Desaix und Gutenberg’s. Universität. GrosseBibliothek (400.000 Bände) im kaiserlichen Schlosse. Auf derUniversität haben unter anderen berühmten Männern Goethe,Herder und Fürst Metternich studirt. Capitulation am 28. Sep-tember 1870, Einzug des Generals Werder am 30. September.— Strassburg ist Hauptstadt des Bezirkes Unter-Elsass.