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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. — III. Die Schweiz.

Strassburg.

männer, welche keineswegs übereinstimmen. Sowohl deutsche als französische undenglische Gelehrte haben sich bemüht, eine Haupteintheilung des Alpengebietes auf-zustellen. Wer alle diese „Systeme” eingehenden Studien unterzieht, wird im Wesent-lichen zwar keine schroffen Widersprüche, wohl aber voneinander abweichende Dar-stellungen finden, welche geeignet sind, Verwirrung hervorzurufen. Wir halten uns andie zumeist übliche Eintheilung nach C. v. Sonklar. Nach ihm zerfallen die Alpenin transversaler Richtung in West-, Mittel- und Ostalpen. Die Grenze zwischenden West- und Mittelalpen geht längs der Dorea Baltea zum Grossen St. Bernhard,dann zur Rhone und über Vevey und Freiburg nach Bern; die Grenze zwischenden Mittel- und Ostalpen wird durch eine Linie bezeichnet, die vom Bodensee überFeldkirch, den Arlberg, Landeck, Finstermünz, das Querthal von Nauders und längsder Etsch bis Verona läuft. — In longitudinaler Richtung werden die Alpen indrei Zonen zerlegt; in die mittlere als Centralalpen und in die beiden äusseren,die nördlichen und südlichen Kalkalpen.

I. Die Westalpen begreifen folgende Gruppen:

i. Die Seealpen. Sie steigen rasch als Kalkgebirge ausdem Mittelländischen Meere auf und reichen bis zur Durance.In dem aus Gneis bestehenden Hauptkamme liegen die höch-sten Gipfel: Rocca delT Argenterra (3290 Meter), Cima diGelas (3188 Meter) und Cima di Mercantour (3167 Meter).Vom Hauptkamme zweigen sich mehrere Züge nach Süd undWest ab, von denen die letzteren ansehnlich höher sind. Inden westlichen Theilen tritt die ganze Mannigfaltigkeit derKreide- und Tertiärbildung auf. — Ein besonderer Zweig sinddie Ligurischen Alpen, welche am ColdiTenda(i873 Meter)beginnen, den Golf von Genua säumen und bis zum Scrivia-flüsschen (welches zum Po abströmt) reichen. Oestlich desletzteren beginnt der Ligurische Apennin. Die LigurischenAlpen gehören mit Ausnahme eines ganz kleinen Stückchens zu

Das Bernina-Hospiz und der Piz Ot.

Italien. Von den meistwenig ansehnlichen Pa-rallelketten sind nur diezwei bemerkenswerth,welche vomTanaroflüss-chen westwärts strei-chen; die südliche nie-drigere Kette culminirtimMonte Fronte (2164Meter), die nördlicheträgt im Monte Gioje(2625 Meter) den höch-sten Punkt der Liguri-schen Alpen.

2. Die CottischenAlpen erstrecken sichvomCol de la Madeleinebis zum Pass des MontCenis. Im Osten werdensie durch die oberitalie-nische Tiefebene, imWesten durch denDrac,die Strasse über den ColBayard und über denCol de St. Guignes nachTallard an der Durancebegrenzt. DieCottischenAlpen zerfallen in viergrosse, von Osten nachWesten streichende Pa-rallelketten und culmi-niren in dem isolirtenmächtigen Monte Viso (3845 Meter). Im Norden ist ihm derMonte Meidossa (3350 Meter), im Südwesten der GrandRioburent (3369 Meter) benachbart. — Zwischen der Duranceund dem Drac breiten sich die Hochalpen der Dauphine aus,welche man die Alpen von Oisan (oder Pelvouxgruppe)nennt. Sie bilden den wildesten Theil der Cottischen Alpen.Die Hauptgipfel sind: Meije (3987 Meter), Pointe des Ecrins(4103 Meter), der Grand Pelvoux (3953 Meter) und der MontOlan (3883 Meter). In der Pelvouxgruppe kommen ausgedehnteGletscher vor. — Die Plateaumasse des Mont Cenis (2060 Meter),umgeben von überragenden Schneehäuptern, deren höchstes bis3600 Meter ansteigt, bilden den Gebirgsknoten der Cottischenund Grajischen Alpen.

3. Die Grajischen Alpen, fast ganz in Italien, zwischenSavoyen und Piemont bis zur Einsenkung am Westfusse desGrossen St. Bernhard. — Man unterscheidet drei Gruppen:

a) Die Iseran-Paradisgruppe zwischen der Dora Ripariaund Dora Baltea, mit dem Culminationspunkte GrandParadis (4052 Meter).

b) Die Tarentaisegruppe, westlich des Mont Iseran zwischenden Thälern der Isere und des Are; der höchste Gipfelist der Pointe des Grands Couloirs (3862 Meter).

c) Die Montblancgruppe, zugleich der Gebirgsknotenzwischen West- und Mittelalpen, die höchste Massen-erhebung des ganzen Alpensystems. Der Hauptzug bildetein von zahlreichen Spitzen und Hörnern überragtes Felsen-massiv zwischen den Quellbächen der Dora Baltea und deroberen Dranse einerseits, dem Chamounixthal andererseits,über dessen Kamm die französisch-italienische Grenze ver-läuft. Auf der Südostseite ist der steilere Abfall. DerHauptgipfel des Montblanc (4810 Meter) steht im süd-lichen Theile des Massivs und dem Südostrande nahe undwurde 1786 zuerst erstiegen. Das Aussichtsgebiet umfasstbei einem Halbmesser von 248 Kilometern über 193.000Quadratkilometer, ist also grösser als das vereinigte König-reich Grossbritannien und Irland nebst den Niederlanden.Man zählt 23 Gletscher, deren berühmteste im Hinter-gründe des Chamounixthales liegen, darunter das „Mer deglace”, welches sich aus zwei Eisströmen bildet und 12 Kilo-meter lang ist. Der Montblancgipfel stellt sich als weisserDom dar, ist aber in Wirklichkeit ein langer schmalerGrat, auf dessen höchster Schneide kaum zwei Personennebeneinander stehen können.

Zu der sogenannten äusseren Zone der Westalpen gehören: 1. dasEstereigebirge und das Mauresgebirge; höchster Gipfel Mont Cheiron(1778 Meter). -— 2. Die Berge der Provence (auch Mont Ventouxgruppegenannt); höchster Gipfel der Mont Ventoux (1912 Meter). _ 3. Die Kalk-alpen der Dauphinü, höchster Gipfel Obion (2793 Meter). _ 4. Die

Savoyischen Kalkalpen, von der Isere bis zum Genfersee; höchsterGipfel die Pointe PercSe (2752 Meter). — 5. Die Gebirge des Chablais und