B. Mitteleuropa. — IV. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.
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Görz (23.000 Einwohner), Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft,am Isonzo, in höchst anmuthiger Gegend gelegen, ihres milden Klimaswegen als Wintercurort geschätzt. Altes Castell. Viel Industrie.— Gradisca(1600 Einwohner), Seidenspinnerei, Staatsgefangniss. — Aquileja, Dorf anStelle der einstigen römischen Grossstadt mit vielen antiken Resten undFunden. Uralte, merkwürdige Basilika. — Grado (3100 Einwohner), amMeere, südlich der Isonzosümpfe gelegen. Seehospiz.
In Istrien liegen: Pisino oder Mitterburg (3400 Einwohner), Haupt-stadt der Grafschaft. Obst- und weinreiche Gegend. — Pola (27.000 Ein-wohner), Hauptkriegshafen der Monarchie mit grossartigen Marine-Etablisse-ments und äusserst stark befestigt, im Hintergründe einer grossen Bucht. —Rovigno (9600 Einwohner), an der Westküste, mit Schiffbau und Küsten-handel. — Parenzo (2900 Einwohner), gleichfalls an der Westküste, mitResten der alten Römerstadt und uralter Basilika (Domkirche). — Pirano(11.500 Einwohner), malerisch gelegen; in der Nähe bedeutende Salinen -wirthschaft. — Capodistria (8700 Einwohner), an der Nordküste, mit Straf-anstalt. — An der Ostküste, unfern von Fiume, befindet sich das erst inneuester Zeit ins Leben gerufene Seebad Abbazia, mit comfortablen Hotelsund herrlichen immergrünen Anlagen. — Auf den zu obigem Gebiete ge-hörigen Inseln — Lussin, Cherso und Veglia — sind zu erwähnen: Lussin-piccolo (5600 Einwohner), mit starkem Schiffbau; Cherso (4700 Ein-wohner), mit Schiffswerften und Handel mit Südfrüchten und Wein; Veglia(1600 Einwohner), mit regem Handel.
8. Gefürstete Grafschaft Tirol und das LandVorarlberg.
Flächeninhalt: 29.293 Quadratkilometer (hiervon Vorailberg allein 2603);Bewohnerzahl: 915.000 (Vorarlberg: 108.000; auf 1 Quadratkilometer Tirol: 30,Vorarlberg: 41). Vorarlberg bildet ein eigenes Kronland mit eigenem Landtag, hataber mit Tirol einen gemeinschaftlichen Statthalter.
Tirol, das Alpenland par excellence, zerfällt in oro-geographischer Beziehung inmehrere natürliche Abschnitte, und zwar: in Nordtirol, das Gebiet zu beiden Seitendes Inn, welcher das ganze Land in seiner grössten Breitenausdehnung durchströmt.
Arco gegen den Gardasee (Südtirol).
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Bozen.
7. Das Küstenland.
Es umfasst folgende Gebiete: a) die gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca(2919 Quadratkilometer, 212.000 Bewohner); b) die Stadt Triest mit ihrem Gebiete(94-6 Quadratkilometer, 157.000 Bewohner); c) die Markgrafschaft Istrien (4954Quadratkilometer, 293.000 Bewohner).
Dieses Gebiet hat einen sehr verschiedenartigen geographisch-orographischenCharakter. Das nördliche Küstenland gehört dem Hochalpengebiete (Caningruppe,Triglavstock), das südliche mit dem Gebiete von Triest und der grösste Theilvon Istrien dem Karstgebiete an. Nur im Inneren der istrischen Halbinselfinden sich einzelne Strecken, welche nicht Karstboden sind. Bei der istri-schen Halbinsel tritt zudem deren mariner Charakter hervor. — Haupterwerbs-zweige sind im Gebirge Viehzucht, in der Ebene Getreide-, Obst- undWeinbau (ausserdem Seidenzucht), an der Küste Fischfang. — Die Be-wohner sind theils Italiener (darunter die Furlaner im Gebiete von Görz),theils Slovenen (um Triest und im nördlichen Istrien), dann Tschitschen(romanischen Ursprungs, aber vielfach slavisirt), Kroaten (darunter die„Uskoken”-Abkömmlinge im Inneren von Istrien), zuletzt Deuts che (nur inden Städten).
Die wichtigste Oertlichkeit des ganzen Gebietes istTriest (157.000 Einwohner), italienisch Trieste, slavischTr st (das alte Tergeste), die erste Seehandelsstadt desReiches, höchst malerisch am Fusse der Steilküste ge-bettet, mit grossartigen neuen Hafenanlagen und Aus-gangspunkt zweier Bahnlinien (Südbahn und StaatsbahnHerpelje-Kozina). Die alte Rhede ist wenig geschützt. DieNeustadt ist regelmässig angelegt und hat breite, imrechten Winkel sich schneidende Gassen; die Altstadtdagegen hat meist steile, winkelige Gässchen. Auf ihrerHöhe liegen das Castell und der uralte Dom, ein sehrbemerkenswerther Kirchenbau byzantinischen Stiles. Ander alten Rhede das prachtvolle Gebäude der Dampf-schifffabrtsgesellschaft des „Oesterreichisch-ungarischenLloyd” .(Flottenbestand fast 100 Dampfer), eine der grösstenin Europa. Auf den Anhöhen im Nordwesten der Stadthübsche Anlagen und Spaziergänge. Grossartige Rundsichtvon Optschina. Lloydarsenal. — Nicht ganz eine Meile imNorden der Stadt, an der Küste, das herrliche kaiserlicheSchloss Miramare.
Der nördliche Theil ist* von den nördlichen Kalkalpen, der südliche von denCentralalpen erfüllt. Die Querpassage des Brenner (1370 Meter) vermittelt denUebergang zu Südtirol, d. i. zunächst nach dem Wassergebiete des Eisack und derRienz, welche nach Süden abfliessen. Das langgestreckte Pusterthal wird inseiner östlichen Hälfte von der Drau (Gegenfluss der Rienz) durchströmt. Zwischenbeiden die Wasserscheide von Tob lach (1204 Meter), die südlichen Seitenthälerder Rienz und Drau sind von den herrlichen Dolomiten (Ampezzo, Sexten,Buchenstein) eingeschlossen; desgleichen die östlichen Seitenthäler des Eisack nachdessen Vereinigung mit der Rienz (Vilnöss- und GrÖdenthal; Schiern, SeisserAlpe). —Das Thal der Etsch vermittelt von Bozen ab den Uebergang nachWelschtirol, welches eine Strecke unterhalb der genannten Stadt beginntund theils von den Centralalpen (Westseite), theils von den südlichen Kalk-alpen (Ostseite) erfüllt ist. Herrliche Thäler (Fassa, Fleims, Val Sugana, Sarcaund Judicarien) und schöne Seen schmücken diesen Theil von Tirol, der inden Thälern bereits italienisches Klima hat.
Haupterwerbsquelle ist die Viehzucht. Der einst blühendeBergbau ist derzeit belanglos. Süd- und Welschtirol sind ausgezeichnet durchObst-, Wein- und Seidencultur. — Die Bewohner sind in den nörd-lichen zwei Dritttheilen des Landes Deutsche (60°/„), im südlichen DrittelItaliener (40%)» zu welchen auch die in Südtirol siedelnden Ladiner(romanisirte Rhäter) gezählt sind.
Die Landeshauptstadt von Tirol ist Innsbruck (22.000Einwohner), nächst Salzburg die schönst gelegene Stadtder Ostalpen, im breiten, von Städten, Dörfern und Klösternbesäeten Unter-Innthal, am rechten Ufer des Inn gelegen.Katholische Universität. Die Hofkirche (Franziskaner-kirche) enthält das grossartige, von 28 kolossalen Bronze-statuen gezierte Mausoleum Maximilian^ I., eines derbedeutendsten der Welt. Herrliche landschaftliche Um-gebungen (Berg Isel, Schloss Ambras etc.).
Im Innthale liegen ferner: Hall (5500 Einwohner), alter Salinenort.—Schwaz (3400 Einwohner), mit Eisen- und Kupfergruben, einst berühmte
Bregenz am Bodensee.
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