B. Mitteleuropa. — IY. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.
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Bergstadt (zu Fugger’s Zeit 30.000 Knappen). — Das südliche Seitenthal —Zillerthal — ist eines der schönsten des Landes. Im Norden der lieblicheAchensee. — An der bayerischen Grenze: Kufstein (2500 Einwohner),mit starker Festung. — Das obere Innthal verengt sich stellenweise zu gross-artigen Engen und erreicht im Passe von Finstermünz die Schweizergrenze.
Von Landeck (1300 Einwohner) ab zieht durch das Stanzerthal die Arl-bergbahn (der grosse Tunnel 10.240 Meter lang, der Arlbergpass 1766 Meterhoch). — In Südtirol liegen: Brixen (4900 Einwohner), am Zusammenflüsseder Rienz und des Eisack, bereits vom Anhauche des italienischen Klimasberührt. Alte Bischofstadt. — Bozen (11.000 Einwohner), der „GartenTirols’’, eine der schönstgelegenen Städte der Alpen, im Angesichte derprachtvollen Fassaner Dolomite („Rosengarten”, „Rosszähne”), eine Wein-und Obstflur. Anbei Gries, Wintercurort und thalauf der Etsch der welt-berühmte Curort Meran (5400 Einwohner). Der Theil des Etschthaies vonhier aufwärts bis zum Ursprung des Flusses heisst „Vintschgau” (Ortlerroute,Stilfserjoch, Finstermünz). — Das Pusterthal, das bei Brixen beginnt, ist mitanmuthigen Städtchen (Bruneck, Lienz) und Dörfern (Niederdorf — seitwärtsWildbad Prags — Sillian, Innichen) bedeckt, welche im Sommer grosseFremdenfrequenz aufweisen. — In Wälschtirol sind bemerkenswerth: Trient(20.000 Einwohner), die zweitgrösste Stadt des Landes, regelmässig gebaut,mit interessanter Kathedralkirche. Viele Paläste und früheres bischöflichesSchloss (jetzt Kaserne). — Roveredo (9000 Einwohner), gewerbfleissigeStadt; Seide, Leder, Papier. — Riva (4800 Einwohner), am Gardasee,malerisch gelegene Stadt. Anbei Arco (2500 Einwohner), Curort. In demromantischen Gebiete des „Nonsberg” (Yal di Non): Cles (2800 Einwohner),Seidencultur. — Im Suganathal: Levico. (4300 Einwohner), Seidencultur,und Borgo (4400 Einwohner), Badeort.
In Vo rarlberg, in welchem namentlich die Grossindustrie(Baumwollspinnereien) blüht und das eine einheitliche deutscheBevölkerung (alemannischen Stammes) besitzt, ist die Haupt-stadt Bregenz (4800 Einwohner), am Ostrande des Bodensees,mit viel Industrie und bedeutendem Durchzugshandel (Arlberg-bahn). Die Altstadt liegt auf einer Anhöhe, die Neustadtzwischen dieser und dem See.
Die bedeutendsten, insgesammt gewerbthätigen Ortschaften Vorarlbergs sind’*Dornbirn (4000 Einwohner), Hohenems (4500 Einwohner), Feldkirch (3600Einwohner) und Bludenz (2100 Einwohner). Letzteres ist der westliche Endpunktder Arlbergbahn.
9. Königreich Böhmen.
Flächeninhalt: 51.942 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 5,562.000 (107auf 1 Quadratkilometer). Das Land bildet ein mässig hohes plateauartiges Becken,welches rings von Randgebirgen (siehe S. 103) umzogen ist. Die Elbe und Moldaumit ihren zahlreichen Nebenflüssen entwässern das Land in auffälliger Weise innördlicher Richtung, d. h. die Elbe durchbricht, nachdem sie ein weitverzweigtesWassernetz aufgenommen hat, das Erzgebirge an dessen östlichem Ende. — DasKlima ist im Allgemeinen rauh; in den nördlichen Randgebirgen herrschen strengeWinter.
Wegen seines Reichthums an Naturproducten und seiner hochentwickeltenIndustrie steht Böhmen an der Spitze unter allen Ländern der Monarchie. DieNaturreiche liefern beträchtliche Mengen von Stein- und Braunkohlen, Erze(Silber, Eisen, Blei, Zinn), ferner die unter dem Namen „böhmische Granaten” be-kannten Schmucksteine. Gesegnete Korn- und Obstfelder sind über das ganzeLand verbreitet. Hopfen und Flachs wird reichlich gewonnen. — Die Industrie
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Prag, vom Belvedere aus gesehen
Reichenberg.
erstreckt sich vorwiegend auf Flachsspinnerei und Weberei, Baumwollspinnerei undWeberei, Strumpfwirkerei, Tuchfabrikation, Glas- und Thonwaaren, Eisen- undZuckerfabrikation, Bier- und Branntwein-Erzeugung. — Die Bewohner sind vor-wiegend Slaven (Gechen), welche die Mitte des Landes einnehmen und sichgegen Mähren hin verbreiten. Die Deutschen (nur 32°/ 0 ) nehmen die nördlichenund westlichen Grenzstriche ein. Sie sind vorwiegend gewerblich thätig, währenddie Cechen mit Vorliebe der Landwirthschaft ergeben sind. Doch zeichnen auchsie durch technische Fertigkeiten sich aus.
Die Hauptstadt des Königreiches ist Prag (184.000 Ein-wohner, mit Vororten 294.000), zu beiden Seiten der Moldau(über welche fünf Brücken führen) gelegen, vom BurgbergeHradschin (kaiserliches Schloss) überragt und noch theilweisevon (der Demolirung verfallenen) Festungswerken umgeben.Prag ist eine der malerischesten Städte Mitteleuropas, zum Theilevon alterthümlicher Bauart und von zahlreichen Thürmen über-ragt. Im Inneren sind die schönsten Abschnitte, der „Graben”und die von Quais und Anlagen gesäumten Moldauufer, mitder prachtvollen, 564 Meter langen und 10 Meter breitenstatuengeschmückten Karlsbrücke (1357 durch Karl IV. er-baut), der Sophieninsel, Schützeninsel u. s. w. Merkwürdig istdie alte Judenstadt. In der Altstadt viele Paläste und Kirchen,darunter die „Hauptkirche am Tein” (die alte Hussitenkirche).Auf dem grossen Ring ist einer der grössten Paläste derStadt, das Rathhaus. Zu nennen sind ferner: das neue Na-tionaltheater, die Universität (zweitheilig; 150.000 Bände), vieleandere Bildungsanstalten und Anstalten für das Gemeinwohl.— Auf dem Hradschin befindet sich die kaiserliche Burg(i333 erbaut; 400 Zimmer). Im Süden steht die kleine Bergstadt
Visehrad. — InBezug auf gewerb-liche Thätigkeit ran-girt Prag unmittelbarnach Wien.
Die bedeutendsten Städteund Industrieorte sind: inNordböhmen: Reichen-berg (31.000 Einwohner),die erste Industriestadt Böh-mens (Baumwolle, Leinen,Tuch). — Gablonz (9200Einwohner),Glas-u.Schmelz-perlenfabrikation. —T u r n a u(5100 Einwohner), böhmischeSteine un d G laskorallen; Li e-benau (3IOO Einwohner),allerlei Glaswaaren; Trau-tenau (13.000 Einwohner),Leinen- und Baumwollwebe-reien, Zündhölzchen, Garn-handel ; Königinhof (7000Einwohner), Textilindustrie,Gerbereien, Rübenzucker;Nachod (4200 Einwohner),Gerbereien und Färbereien;Leitmeritz (11.000 Ein-wohner), in fruchtbarer Ge-gend (mit Getreidemärkten),viel Textilindustrie; Böh-misch-Leipa (9200 Ein-wohner), Mittelpunkt desnordböhmischen Industrie-bezirkes; Warnsdorf, einerder grössten Märkte Oester-reichs (15.300 Einwohner),mit vielen Fabriken; Rum-