144
B. Mitteleuropa. — IV. Die Oesterreicliisch-Ungarische Monarchie.
Lemberg.
Wieliczka (6000 Einwohner), mit weltberühmtemSalz werk (13 Hektaren, Abbau in fünf Stockwerken). —Biala (7500 Einwohner), (Em schlesischen Bielitz gegen-über, mit bedeutender Tuchmanufactur. — Bochnia (8600Einwohner), Steinsalzbergwerk. — Neu-Sandec (11.300Einwohner), am Dunajec und auf einer bedeutenden An-höhe gelegen, in der fruchtbarsten Gegend in Galizien. —Tarnow (26.000 Einwohner), Bischofssitz, ansehnlicheGewerbthätigkeit. — Rzeszow (11.200 Einwohner), mitLeinenwebereien; fast die Hälfte der Bevölkerung sindIsraeliten.
In Ostgalizien liegen:
Przemysl (25.000 Einwohner), am rechten Ufer desSan, Sitz eines römisch-katholischen und eines griechisch-katholischen Bischofs. Leder- und Leinenfabrikation. —Jaroslau (12.500 Einwohner), am linken Ufer des San;Tuchmanufactur, bedeutender Getreidehandel. — Sambo r(14.000 Einwohner), am Dnjestr, mit Leinenwebereien. —Drohobycz (19.OOO Einwohner), blühendes Städtchen mitreichhaltigen Salzquellen, Getreide-, Tuch- und Leder-handel. — Stanislau (19.000 Einwohner), handelsthätig.— Kolomea (23.300 Einwohner), am linken Ufer desPruth; Töpfereien. — Tarnopol (29.000 Einwohner), mitden grössten Pferdemärkten in Galizien. — Brody (20.200Einwohner), freie Handelsstadt an der russischen Grenze;bedeutender Stapelplatz. — Zloczow (8500 Einwohner),Segeltuchfabrikation.
„Königreich Galizien und Lodomerien mit dem Grossherzogthum Krakauund den Herzogthümern Auschwitz und Zator.”
Der südliche Theil gehört dem Karpathengebiete an, von dem es — da dieLandesgrenze fast allerorten mit dem Hauptkamme des Gebirgssystems zusammenfällt
— annähernd die Hälfte besitzt; die Mitte ist Hügelland, der Norden des LandesTiefebene. Westgalizien gehört (mit der Weichsel und San) zum Wassergebiete derOstsee, Ostgalizien (mit dem Flussnetze des Dnjestr) zu dem des Schwarzen Meeres.
— Das Klima hat continentalen Charakter und ist sehr rauh. — 40% des Arealssind Ackerboden, 25°/ 0 Wald. Eisen gewinnt man in den Karpathen,Steinkohlen im Krakauer Kreise, wo auch das unerschöpfliche Salzlagervon Wieliczka sich erstreckt. Bemerkenswerth ist die Petroleumgewinnung.Dagegen ist die gewerbliche Thätigkeit belanglos. — Die Bewohner scheidensich fast zu gleichen Theilen in Polen und Ruthenen (nur etwa 6°/ 0 Deutsche)^und so ziemlich dasselbe Verhältniss besteht zwischen den Angehörigen derrömisch-katholischen und der griechisch-katholischen Kirche.
Landeshauptstadt ist Lemberg (i 19.000 Einwohner),in Ostgalizien gelegen und von Hügelwellen umgeben,weitläufig und gut gebaut und von grossstädtischem An-sehen, mit schönem neuen Rathhaus und grosser katho-lischer Kathedralkirche. Universität (polnische). Auf demRingplatz steht der imposante Stadtthurm (80 Meterhoch). Die Zahl der Bildungsanstalten ist nicht unbeträcht-lich. Lemberg ist der bedeutendste Handels- und Gewerbe-platz des Landes.
Die natürliche Hauptstadt von Westgalizien ist Krakau(73.000 Einwohner), einst Residenz der Jagellonen, späterKrönungsstadt, von 1815—1847 Freistaat. Sitz des polni-schen Grossadels. Die Stadt, von der Weichsel bespült,ist stark befestigt. Bemerkenswerth sind: das weitläufigeehemalige Residenzschloss, die aus dem 11. Jahrhundertstammende Kathedralkirche mit den Grabmälern derpolnischen Könige, der merkwürdige bischöfliche Palast, dasungeheuere Gebäude der „Tuchlauben” auf dem Ringplatz, woein uralter Rathhausthurm. Die 1364 gegründete jagellonischeUniversität besitzt eine kostbare Bibliothek (145.000 Bände,5500 Handschriften, circa 8700 Münzen etc.) und eine Sternwarte.
Die bemerkenswerthesten Städte sind, in Westgalizien
13. Herzogthum Bukowina.
Flächeninhalt: 10.452 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 572.000 (55 aufI Quadratkilometer). Die Bukowina ist das östliche Vorland der Karpathen, mit vor-wiegender Abdachung nach Nordosten. Die grösste Niederung erstreckt sich zwischenDnjestr und Pruth. Das Klima hat continentalen Charakter. Haupterwerbszweigesind Viehzucht und Ackerbau. Bergbau auf Kupfer und Steinsalz. — Die Bewohner
1 » i 1 1 1 l
Die Bocche di Cattaro.
Bischofresidenz in Czernowitz.
setzen sich aus neun verschiedenen Nationalitäten zusammen, unter welchen dieRuthenen überwiegen (43%,); demnächst folgen die Rumänen (33 7 0 ). Die Zahlder Deutschen ist beträchtlich (19 °/ 0 ).
Landeshauptstadt ist Czernowitz (52.000 Einwohner), male-risch am linken Ufer des Pruth gelegen. Deutsche Universität.Bemerkenswerth ist die griechische Domkirche und der pracht-volle Residenzpalast, eine der luxuriösesten Bautendieser Art in Oesterreich. Die Industrie ist bemerkens-werth, der Handel ansehnlich.
Zu nennen sind ferner: Suczawa (10.200 Einwohner), gewerbthätigesStädtchen mit Speditionshandel nach der Moldau. — Radautz (11.200 Ein-wohner), grosses Staatsgestüt. — Sadagora (5000 Einwohner), mit grossemOchsenhandel. — Sereth (7300 Einwohner), Pferdemärkte.
14. Königreich Dalmatien.
Flächeninhalt: 12.832 Quadratkilometer; Bewohnerzahl: 477.000(37 auf 1 Quadratkilometer). Das Land ist vom Gebiete der österreichischenReichshälfte durch das kroatische Küstenland, welches zu Ungarn gehört,abgetrennt und bildet, als langgestrecktes, schmales Küstenland, die süd-lichste Provinz der Monarchie. Durch die Occnpation von Bosnien undHerzegowina hat Dalmatien wesentlich gewonnen, da es nicht mehr isolirtist. — Mit Ausnahme etlicher kleiner Ebenen im Norden ist Dalmatiendurchwegs gebirgig, meist von den nackten Eelszügen des südlichen Karst(Dinarasystem) erfüllt. Fruchtbar sind nur die trichterförmigen Einsenkungen(Dolinen) und einige Küstenstriche. — Die fliessenden Gewässer haben nurdie Bedeutung von Küstenflüssen. Die Cettina durchfliesst malerische Fels-engen, die Krka bildet die schönen, viel beschriebenen Wasserfälle beiScardona. — Das Klima hat ausgesprochenen Mediterrancbarakter; im Süden